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Wissenschafts-Star Mai Thi Nguyen-Kim ändert nun Meinung: „Impfpflicht ist OK“

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Von: Bettina Menzel

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Mai Thi Nguyen-Kim bei der Sonderedition Veranstaltung Mit Fakten gegen Fakes!
Die Wissenschaftlerin Mai Thi Nguyen-Kim bei einer Veranstaltung zum Thema „Mit Fakten gegen Fakes“ Ende Oktober in Köln (Archivbild). © Christoph Hardt / Future Image / Imago

Die Wissenschaftlerin Mai Thi Nguyen-Kim spricht sich in ihrem aktuellen Video dafür aus, die Impfpflicht nicht kategorisch auszuschließen – und nennt mehrere Argumente.

Berlin - Die Zahl der Neuinfektionen mit Covid-19 liegt in Deutschland so hoch wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Auch die Anzahl der Corona-Patienten auf Intensivstationen steigt: Aktuell bedürfen rund 3.000 Corona-Erkrankte intensiver Pflege, etwa die Hälfte davon wird invasiv beatmet. Gleichzeitig ist die Impfbereitschaft in Deutschland vergleichsweise niedrig. Die Expertin Mai Thi Nguyen-Kim bringt jetzt die Impfpflicht ins Spiel und fordert eine sachliche Diskussion über diese Option ein.

Corona - Nguyen-Kim fordert: „Impfpflicht nicht kategorisch ausschließen“

„Ich war immer für Impfen, aber gegen Impfpflicht“, leitet die Chemikerin ihr aktuelles Youtube-Video ein, dem sie den Titel „Impfpflicht ist OK“ gegeben hat. Denn nun sprechen aus ihrer Sicht zahlreiche Faktoren dafür, eine deutschlandweite Impfpflicht einzuführen. Aktuell gibt es 15 Millionen Menschen in Deutschland, die geimpft sein könnten, es aber nicht sind. Der Virologe Christian Drosten geht davon aus, dass rund 100.000 Menschen deshalb sterben könnten. Denn Geimpfte geben das Virus seltener weiter und haben meist milde Verläufe, sie belasten daher das Gesundheitssystem nicht so stark wie Ungeimpfte.

Die Impfpflicht „kategorisch auszuschließen, wie das die Regierung gerade tut“ hält Mai Thi Nguyen-Kim daher für falsch. Ganz rational betrachtet sei eine Impfpflicht sogar weniger krass als die Gurtpflicht im Auto. Denn der Sicherheitsgurt schütze ja nur einen selbst, die Impfung jedoch auch andere.

Eine Impfpflicht sei in seltenen Fällen gerechtfertigt, „wie beispielsweise 1959 bei den Pocken oder seit 2020 die Masern-Impfpflicht in Kitas und Schulen“, so Nguyen-Kim. Nun sei Pragmatismus gefragt. „Liebe Regierung, ich weiß ihr habt versprochen, es gibt keine Impfpflicht.“ Noch schlimmer als das Wort zu brechen, sei in der aktuellen Notlage aber, das Wort nicht zu brechen, urteilt Nguyen-Kim. Die Gefahr einer weiteren Spaltung der Bevölkerung sieht die Wissenschaftlerin nicht. Ein Graben in der Gesellschaft sei bereits vorhanden, er verlaufe zwischen Geimpften und Ungeimpften. „Geimpfte müssen sich einschränken wegen Menschen, die die Impfung und damit Fakten ablehnen.“ Die Intensivstationen seien überlastet wegen Patienten, die dort nicht sein müssten, wenn sie geimpft wären.

Corona-Streit: „Ganz rational“ - Drei Fakten sprechen laut Nguyen-Kim für eine Impfpflicht

„Nur wer die Fakten nicht verstanden hat oder von Desinformation getäuscht wurde, entscheidet sich bewusst gegen eine Impfung“, so die Wissenschaftlerin. Sie führt konkret drei Fakten ins Feld, die ihrer Ansicht nach für das Impfen sprechen: Die Impfung sei sicher, die Impfung schütze und die Pandemie sei noch nicht vorbei. Nguyen-Kim listet in dem Video die häufigsten Zweifel von Impfgegnern auf und entkräftet diese. „Noch nie gab es Impfstoffe, deren Sicherheit und Nebenwirkungen so sorgfältig beobachtet wurden wie die Corona-Impfstoffe. Einfach, weil noch nie Millionen Menschen in so kurzer Zeit geimpft wurden.“ Dem Virus würden Bürger früher oder später begegnen. Die Frage sei dann nur, ob sie geimpft seien oder nicht.

„Bitte nicht irritieren lassen von geimpften Corona-Patienten auf der Intensivstation“, so die Wissenschaftlerin weiter. „Die Impfung schützt!“ Die Anzahl der geimpften Corona-Patienten auf Intensivstationen sei logisch, da anteilig mehr Menschen in der Bevölkerung geimpft seien als ungeimpft. Zu sagen: „Torwarte nützen nichts, denn bei 99 Prozent der Tore war ein Torwart da“, sei dieselbe Logik. Am Ende mahnt sie: Schlimm sei es „Todesfälle zulassen, die vermeidbar wären“.

Möglicherweise gibt es in der Politik bereits ein Umdenken: Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hatte die Impfpflicht für Pflegeberufe gefordert, Bayerns FDP-Chef Martin Hagen stimmte ihm zu. In anderen Ländern ist die Impfpflicht für bestimmte Berufe gang und gäbe, etwa in den USA, Frankreich, Griechenland, Italien und Lettland.

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