Hochinzidenzgebiet Spanien

Corona-Risikogebiet Mallorca: „Rückschlag“ oder gibt es noch Hoffnung für die Saison? Tourismusbranche uneins

  • Luisa Billmayer
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Die liebste Insel der Deutschen ist nun Corona-Hochinzidenzgebiet. Trifft das die Tourismus-Branche so hart wie 2020? Die Meinungen gehen auseinander.

Mallorca - Das Robert Koch-Institut (RKI) hat am Freitagabend, 23. Juli, ganz Spanien als Hochinzidenzgebiet ausgewiesen. Damit ist nicht nur das Festland gemeint, sondern auch alle Inseln des Landes und damit auch Mallorca. Die neue Einstufung gilt ab Dienstag, 27. Juli.

Wer nicht vor Montag, 26. Juli, 23.59 Uhr, nach Deutschland einreist, muss sich für zehn Tage in Quarantäne begeben. Die Isolierung kann nach fünf Tagen durch ein negatives Corona-Test-Ergebnis frühzeitig beendet werden. Vollständig Geimpfte und Genesene sind von der Quarantänepflicht befreit.

RKI stuft Spanien samt Mallorca als Hochinzidenzgebiet ein: Branche bleibt hoffnungsvoll

Grundlage für die Einstufung durch das RKI bietet die Sieben-Tage-Inzidenz kombiniert mit weiteren Faktoren. Zuletzt berichtete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 360,4 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner pro Woche auf den Balearen (Stand: 21.07.2021). Mit stetig steigenden Infektionszahlen bahnte sich schon seit Tagen an, dass Spanien auch als Hochinzidenzgebiet ausgewiesen wird.

Die Bundesregierung hat ganz Spanien mit Mallorca und den Kanaren angesichts rapide ansteigender Corona-Zahlen zum Hochinzidenzgebiet erklärt (Archivbild).

Auch in der Sommersaison 2020 galt Mallorca als Risikogebiet. Doch so hart wie damals werde die Tourismusbranche heuer nicht getroffen, schließt die Mallorca Zeitung aus Gesprächen mit Unternehmen vor Ort. 2020 seien 60 bis 70 Prozent der Buchung plötzlich storniert worden. Mit einer Auslastungsquote von 85 Prozent der geöffneten Unterkünfte stehe Mallorca in diesem Sommer deutlich besser da. Selbst wenn es noch Stornierungen gäbe, gingen die Hotels davon aus, weiterhin rentabel zu sein.

RKI stuft Spanien als Hochinzidenzgebiet ein: Verschiedene Meinungen auf Mallorca

„Die Saison ist noch keinesfalls gelaufen“, sagte Yannik Erhart, Chef der Universal Hotels gegenüber der Mallorca Zeitung. Wenn einzelne Gäste stornierten, würde ihn das nicht überraschen. Die Urlauber vor Ort zeigten sich aber nicht panisch oder verschreckt. „Dass jemand vorzeitig abreisen will, habe ich bisher noch nicht vernommen“, erklärte Erhart.

FTI-Geschäftsführer Ralph Schiller zeigte sich gegenüber der Zeitung weniger optimistisch: „Für das Zielgebiet Spanien ist es ein Rückschlag, weil sich die bisher gute Buchungssituation durch eine voraussichtlich eher gedämpfte Nachfrage und Umbuchungen wahrscheinlich vorerst relativieren wird. Ob es für Spanien vor Ende der Sommersaison nochmal ein Comeback geben wird, hängt von den weiteren Corona-Entwicklungen ab und bleibt abzuwarten.“

Ebenso zeigte sich Kerstin Heinen vom Deutschen Reiseverband pessimistisch. „Der Zeitpunkt könnte nicht unglücklicher sein“, sagte sie zu bild.de. Die geplante Quarantäne für Reiserückkehrer verunsichere Menschen, „die im Urlaub sind oder kurz vor Urlaubsantritt stehen“.

Auch Thomas Bareiß, Tourismus-Beauftragter der Bundesregierung bedauerte, dass für Reisende aus Spanien nun strengeren Quarantäne-Regeln gelten. „Die Einstufung in die verschiedenen Risikogebiete folgt jedoch nach transparenten Regelungen. Das macht Reisen sicher und - soweit es in einer Pandemie geht - auch planbar“, erklärte der CDU-Politiker bild.de.

Für Deutschland meldet das RKI ebenfalls steigende Infektionszahlen. Der Vorstand des Weltärztebundes erwartet, dass die Sieben-Tage-Inzidenz durch Reisende, die aus Risikogebieten zurückkehren, noch weiter zunehmen werde. (lb)

Rubriklistenbild: © Clara Margais/dpa

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