1. Startseite
  2. Welt

Paxlovid: Virologin erklärt die neue Corona-Hoffnung - Theoretisch „nur noch zehn Prozent auf Intensivstation“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Patrick Mayer

Kommentare

Im Fokus: Paxlovid, ein Anti-Covid-Medikament von Pfizer.
Im Fokus: Paxlovid, ein Anti-Covid-Medikament von Pfizer. © IMAGO / Sven Simon

Paxlovid gilt als neuer Hoffnungsträger im Kampf gegen Corona. Eine bekannte Virologin schildert, wie das neue Medikament gegen das Virus funktioniert.

München/Halle (Saale) - Karl Lauterbach (SPD) zeigte sich zuletzt vom Anti-Corona-Medikament Paxlovid schwer begeistert. Eine Million Packungen habe die Bundesregierung davon bereits bestellt, berichtete der Gesundheitsminister.

Paxlovid: Karl Lauterbach vertraut auf neues Medikament gegen Corona

„Das Medikament ist extrem vielversprechend, weil es in der frühen Gabe den schweren Verlauf von Covid deutlich abschwächen kann. Ich rechne damit, dass wir damit zahlreiche schwere Verläufe auf den Intensivstationen verhindern können“, erklärte der Rheinländer bei einer Stellungnahme: „Langsam wird Covid durch eine Kombination von immer wirksameren Impfstoffen und Behandlungsmöglichkeiten zu einer Krankheit, die ihren Schrecken verlieren wird.“

Die Zahlen dahinter: Aus bisherigen Studien ist bekannt, dass Paxlovid schwere Verläufe bei Risikopatienten um fast 90 Prozent verringern soll. Doch wie funktioniert das neue Medikament des US-amerikanischen Pharma-Konzerns Pfizer, das in der Coronavirus-Pandemie wie ein regelrechter Hoffnungsträger erscheint? Eine Erklärung lieferte nun die bekannte Virologin Helga Rübsamen-Schaeff, die unter anderem Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina ist.

Paxlovid: Medikament wirkt anders gegen Corona als Impfstoffe

„Die Impfstoffe wirken gegen das äußere Hüllprotein von dem Virus, das sogenannte Spike-Protein. Paxlovid greift dagegen ein Enzym des Virus an“, erklärte die Wissenschaftlerin im Gespräch mit RTL: „Das heißt, selbst wenn jetzt die Impfstoffe nicht mehr so wirksam sind, weil das Virus sich ändert, dieses Enzym ist im Moment nicht geändert und wir können damit von einer sehr hohen Wirksamkeit ausgehen.“

Das ist ein enormer Erfolg.

Virologin Helga Rübsamen-Schaeff über Paxlovid

Klinische Studien hätten gezeigt, erzählte die Fränkin, „dass wenn Patienten, die ein Risiko haben, schwerer an Covid zu erkranken, fünf Tage lang mit Paxlovid behandelt werden, dass dann das Risiko, dass sie ins Krankenhaus müssen oder gar versterben, um 89 Prozent sinkt“. Das bedeute, „es würden dann nur noch knapp zehn Prozent der Patienten in den Krankenhäusern auf der Intensivstation liegen. Das ist ein enormer Erfolg“.

Paxlovid: Virologin - Schwere Corona-Verläufe können deutlich reduziert werden

Damit nicht genug: Rübsamen-Schaeff erwartet auch, dass mit Paxlovid behandelte Patienten weniger infektiös sind. „Das heißt, dass sie auch weniger Virus an ihre Umgebung weitergeben. Und damit hätten wir auch noch einen Effekt auf die Ausbreitung des Virus“, erklärte sie im Interview mit RTL.

Einen dringenden Rat hatte sie: „Wichtig ist zu wissen, dass man es sehr früh nehmen muss“, sagte die Virologin: „Das heißt, wenn ich weiß, dass ich infiziert bin und bevor schwere Symptome auftreten, muss ich schon behandelt werden. Etwa fünf Tage lang, damit das Virus sich im Körper nicht ausbreitet.“

Im Video: Paxlovid - Regierung kauft eine Million Packungen des Anti-Covid-Medikaments

Und Nebenwirkungen? Rübsamen-Schaeff erzählte, dass Paxlovid in einer klinischen Studie an einigen tausend Menschen getestet worden sei. Vereinzelt seien dabei Geschmacksstörung, Durchfälle oder erhöhter Blutdruck aufgetreten. Dennoch zeigte sich Rübsamen-Schaeff sehr zuversichtlich über die erhofften Fortschritte im Kampf gegen das Virus: „Ich bin sehr, sehr froh, dass wir es haben. Möchte aber gleich dazu sagen, wir brauchen dringend weitere Medikamente gegen das Virus, damit wir unser Arsenal noch aufstocken können, um Corona zu bekämpfen.“ (pm)

Auch interessant

Kommentare