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Lauterbach äußert Zweifel an vierter Corona-Impfung - Spezieller Moderna-Booster dauert viel länger als gedacht

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Von: Bedrettin Bölükbasi

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Die vierte Corona-Impfung sollte in Israel den erneuten Anstieg der Infektionen eindämmen, doch neue Daten dämpfen die Hoffnungen. Lauterbach zweifelt auch am vierten Stich.

München - Lange galt Israel besonders in den frühen Phasen der Pandemie als das erfolgreiche Beispiel der Bekämpfung des Coronavirus. Das kleine Land besorgte sich schnell die nötigen Impfstoffe nach deren Entwicklung und impfte mit einer gut organisierten, schnellen Kampagne die Bevölkerung. Im Juni 2021 entschied sich die Regierung schließlich dafür, alle Beschränkungen des öffentlichen Lebens aufzuheben, denn immerhin gab es pro Tag nicht mehr als 20 Neuinfektionen im gesamten Land.

Plötzlich wendete sich beim Corona-Musterschüler Israel aber das Blatt. Die Effektivität der Impfung nahm auch aufgrund der neuen Mutationen ab und Infektionszahlen schossen wieder in die Höhe. Erneut mussten harte Beschränkungen in vielen Bereichen eingeführt werden. Mit der hochansteckenden Omikron-Variante entwickelte sich die Lage endgültig in eine dramatische Richtung, sodass Israel eine Kampagne zur vierten Impfung startete. Die Daten aus dem Nahost-Land lassen aber einige an dem Effekt der vierten Impfung zweifeln - unter anderem Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD).

Corona-Impfung: Effekt der vierten Impfung laut Studie gering - Lauterbach skeptisch über weitere Dosis

In einer am 15. Februar erschienenen Studie eines israelischen Forschungsteams geht es um die vierte Impfung. Die aktuellen Impfstoffe haben beim vierten Stich offenbar keinen großen Nutzen. So berief sich Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, auf die Untersuchung aus Israel und schrieb auf Twitter, auf die T-Zellen - weiße Blutkörperchen, die einen Teil des erworbenen Immunsystems ausmachen - hätte die Impfung nur wenig Einfluss. Der Schutz vor einer symptomatischen Infektion sei nur bei 30 bis 40 Prozent. „Wenig Nutzen zur aktuellen Zeit mit aktuellem Impfstoff“, bemerkte Watzl. Er ergänzte aber, dass die Ergebnisse nicht unbedingt auf Menschen über 70 Jahre übertragbar seien.

Die Informationen von Watzl kommentierte auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). Er zitierte den Tweet des Immunologen und schrieb: „Diese Daten aus Israel sprechen eher gegen 4. Impfung für alle.“ Damit äußerte er offen seine Zweifel über eine weitere Impfung nach dem Booster. Zuvor betonte er gegenüber der Rheinischen Post, eine dreifache Impfung sei durchaus genug. „Wer heute oder künftig über drei Impfungen mit mRNA-Impfstoffen oder einem ähnlich wirksamen Impfstoff verfügt, verfügt über eine gute Grundimmunisierung“, so der Minister.

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Corona-Impfung: Studie aus Israel weist nur geringe Schutzwirkung bei vierter Impfung nach

Die Daten der Pre-Print-Studie deuten tatsächlich auf einen eher geringen Zusatznutzen einer vierten Corona-Impfdosis beim Schutz vor Omikron-Ansteckungen hin. Beim Personal im Gesundheitswesen sind nach einer vierten Dosis eines mRNA-Impfstoffs zwar Antikörperspiegel wie kurz nach dem Booster wiederhergestellt worden, allerdings sind Durchbruchsinfektionen verbreitet gewesen, wie aus dem Paper hervorgeht. Die Effektivität der vierten Dosis mit Blick auf Schutz vor einer Ansteckung mit der Omikron-Variante wird von den Forschern mit 11 (Moderna) bis 30 Prozent (Biontech) angegeben im Vergleich zu Dreifachgeimpften.

Wegen der angenommenen Wirkung gegen schwere Verläufe und Tod dürften laut den Autoren ältere und gefährdete Gruppen am ehesten von einer vierten Dosis profitieren. Die Verläufe bei infiziertem Gesundheitspersonal waren laut der Untersuchung zwar meist sehr mild, der Großteil von ihnen wies jedoch relativ hohe Viruslasten auf. Laut den Autoren waren sie potenziell ansteckend. Insgesamt ließen die Daten vermuten, dass eine vierte Dosis die Immunität nicht zusätzlich steigert, sondern einfach Spitzenwerte wiederherstellt, heißt es.

In der Studie erhielt eine Gruppe von rund 150 Probanden das mRNA-Vakzin von Biontech/Pfizer als vierte Impfung, eine weitere mit etwa 120 Teilnehmern das von Moderna. Verglichen wurden die Ergebnisse mit Kontrollgruppen, die aus dreifach Geimpften bestanden. Der Abstand zwischen dritter und vierter Dosis betrug vier Monate. Zur Frage der Sicherheit heißt es in der Studie, dass die Ergebnisse auf ein Profil hindeuteten, das dem vorheriger Dosen wahrscheinlich ähnelt. In ihrem Fazit schreibt das Team, die geringe Effektivität der vierten Dosis beim Verhindern milder oder asymptomatischer Omikron-Infektionen und das Infektionspotenzial der Betroffenen erhöhten die Dringlichkeit der Entwicklung von Impfstoffen der nächsten Generation.

Omikron-Booster: Biontech soll schneller als Moderna kommen - Sahin mit Prognose zur Pandemie

Zumindest beim US-Impfstoffhersteller Moderna dürfte man allerdings noch etwas darauf warten. Das Unternehmen rechnet mit einem Omikron-spezifischen Booster im August. „Wir glauben, dass eine Auffrischungsimpfung erforderlich sein wird. Ich weiß noch nicht, ob es sich dabei um den bestehenden Impfstoff oder nur Omikron oder um einen bivalenten handeln wird: Omikron plus bestehender Impfstoff, zwei mRNA in einer Dosis“, betonte Moderna-Chef Stephane Bancel. Derzeit sammle man noch klinische Daten, um festzustellen, ob der an Omikron angepasste Impfstoff einen besseren Schutz bietet als eine zusätzliche Dosis des aktuellen Vakzins.

Schneller wird es aber offenbar beim Omikron-Impfstoff von Biontech gehen. Gründer Ugur Sahin geht von einer Auslieferung eines auf die Omikronvariante zugeschnittenen Corona-Impfstoffs bereits im April oder Mai aus. Zunächst müsse die europäische Arzneimittelbehörde EMA noch auf zulassungsrelevante Daten warten, sagte der Unternehmer dem Sender Bild live. Sahin wertete die Gesamtsituation in der Pandemie inzwischen als deutlich entspannter. Ein Ende von Corona sei auch in den nächsten fünf bis zehn Jahren nicht zu erwarten, sagte er. Die Menschheit werde das Virus nicht loswerden: „Aber es wird aus unserer Sicht nicht mehr dieses große Drama sein.“ Biontech könne, falls nötig, auch Impfstoffe gegen neue Varianten herstellen, fügte der Unternehmenschef hinzu. (bb mit afp/dpa) *24vita.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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