Rasante Verbreitung in England

Coronavirus-Mutation greift um sich - neue Variante offenbar weitaus ansteckender

  • Marion Neumann
    VonMarion Neumann
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Während erstmals Corona-Impfstoffe zugelassen werden, verbreitet sich eine neue Mutation des Coronavirus. Offenbar ist die Variante weitaus ansteckender.

  • Die Coronavirus-Variante B1.1.7 verbreitet sich aktuell vor allem in Teilen Großbritanniens.
  • Die Mutation ist offenbar deutlich ansteckender als das herkömmliche Coronavirus.
  • Was über die neue Form bereits bekannt ist.

London - In Großbritannien ist offenbar eine neue Variante des Coronavirus entdeckt worden. Nach Angaben von Premierminister Boris Johnson ist diese nach ersten Erkenntnissen deutlich ansteckender als die bekannte Form. Man gehe aktuell davon aus, dass die Variante bis zu 70 Prozent ansteckender sei, gab der Politiker gegenüber Journalisten an. Experten stehen dieser Zahl jedoch skeptisch gegenüber und warnen vor Panikmache. Der deutsche Top-Virologe Christian Drosten beispielsweise äußerte Zweifel an jenem Wert, der ein reiner Schätzwert sei. Die Zahl sei „einfach so genannt worden“.

„Plötzlich steht so ein Wert im Raum - 70 Prozent - und keiner weiß überhaupt was damit gemeint ist“, so Drosten weiter. Dennoch wolle auch der Virologe das Problem um die Virus-Mutation, die zur sogenannten Virus-Linie B1.1.7 gehört, nicht verharmlosen. Aktuell sei die Datenlage allerdings noch zu lückenhaft, um genaue Aussagen zu treffen.

Die Aufnahme zeigt eine in blau dargestellte Zelle, die mit dem bekannten Coronavirus infiziert ist. Nun wurde eine neue Variante des Virus entdeckt. (Archivbild)

Corona-Mutation B1.1.7 in England entdeckt - Hat sich das Virus schon weiter verbreitet?

Noch geklärt werden müsse außerdem, ob das mutierte Virus wirklich für die Corona-Welle in Südostengland verantwortlich sei. Laut Drosten sei das veränderte Virus in seltenen Fällen wohl schon Ende September in England aufgetreten. Mittlerweile könnte es sich weiter verbreitet haben und auch schon in Deutschland sein. Derzeit (Stand 20. Dezember) wurde die Mutation laut Drosten in Deutschland aber noch nicht entdeckt. Dennoch werden in der Bundesrepublik Vorkehrungen getroffen. In Italien scheint die Corona-Mutation bereits entdeckt worden zu sein - ein Patient, der sich mit de Virus-Variante infiziert hatte, wird dort bereits behandelt.


Der britische Premierminister Boris Johnson äußerte sich in einer Ansprache auch zum Thema Impfstoff in Zusammenhang mit der Corona-Mutation. Es gebe keine Hinweise darauf, dass Impfstoffe weniger effektiv seien, teilte er dabei mit. „Es gibt immer noch viel, das wir nicht wissen. Aber es gibt keine Beweise, dass die neue Variante mehr oder schwerere Krankheitsverläufe auslöst.“ Auch eine höhere Sterblichkeit sei durch die neue Corona-Mutation bisher nicht festgestellt worden.

Coronavirus-Mutation: Veränderung am Spike-Protein - Weitere Variation auch in Südafrika entdeckt

An sich ist es nicht ungewöhnlich, dass sich Viren - und somit auch das Coronavirus - verändern würden. Die neue Corona-Mutation unterscheidet sich von der bereits bekannten Form durch eine Veränderung am sogenannten Spike-Protein von Sars-CoV-2. Diese spezielle Mutation wird als N501Y bezeichnet. Mit seiner stachelartigen Struktur heftet sich das Virus an menschliche Zellen und dringt dann in diese ein. Auch in Südafrika verbreitete sich offenbar eine Corona-Mutation - ebenso wie in Dänemark. Einen Überblick über die verschiedenen Virus-Varianten finden Sie hier.

Corona-Mutation: Neue Virus-Variante greift um sich - In betroffenen Regionen in England werden strikte Maßnahmen beschlossen

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Wegen der Coronavirus-Mutation B.1.1.7 verschärfte die Regierung aber die Beschränkungen für London von Sonntag (20. Dezember) an deutlich. „Wenn das Virus seine Angriffsmethode ändert, müssen wir unsere Verteidigungsmethode ändern“, sagte Johnson. Das bisher dreistufige Corona-Warnsystem wurde nun auf vier erweitert - darunter fallen außer der Hauptstadt auch noch andere Regionen im Südosten, für die ebenfalls ein Express-Lockdown angeordnet wurde.

In den betroffenen Regionen dürfen die Bewohner nur noch aus wichtigen Gründen ihre Wohnung verlassen, etwa um zum Arzt oder zur Arbeit zu gehen. Auch zu Weihnachten dürfe man wegen der Corona-Mutation keine Angehörigen anderer Haushalte treffen, betonte Johnson. „Wir können Weihnachten nicht wie geplant verbringen.“ Alle nicht lebensnotwendigen Geschäfte sowie andere Einrichtungen wie Fitnessstudios oder Schönheitssalons müssen schließen. Einwohner in Regionen mit der höchsten Corona-Stufe 4 dürfen diese Zone nicht verlassen. (dpa/nema)

Rubriklistenbild: © Niaid/dpa/Europa Press

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