Höhere Ansteckungsgefahr?

Drosten vermutet mutiertes Virus bereits in Deutschland - mehrere europäische Staaten betroffen

  • Patrick Mayer
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Eine neue Variante des Coronavirus wird in Großbritannien entdeckt und breitet sich rasch aus. Unter anderem in London wurde ein Express-Shutdown verhängt.

  • Coronavirus-Pandemie: In Großbritannien wird gegen Corona bereits im großen Umfang geimpft.
  • Die britische Regierung in London warnt vor einer deutlich ansteckenderen neuen Coronavirus-Variante im Vereinigten Königreich - diese breite sich vor allem in Südostengland aus.
  • Auch andere Länder in Europa scheinen betroffen.
  • Jens Spahn will nun auch in Deutschland auf die Mutation reagieren.

+++ Wir beenden diesen Ticker. Alle weiteren Infos und Entwicklungen zur Corona-Mutation B.1.1.7 lesen Sie fortan in diesem News-Ticker. +++

Update vom 24. Dezember, 17.45 Uhr: Ausgerechnet an Heiligabend: In Deutschland wird der erste Fall der neuen Corona-Mutation aus Großbritannien nachgewiesen. Die Behörden reagieren sofort. (siehe Link)

Corona-Mutation aus Großbritannien: Sorgen auch in Deutschland wegen Virus-Variante B.1.1.7

Update vom 22. Dezember, 11.31 Uhr: In Deutschland wurde das neuartige Virus noch nicht festgestellt. RKI-Präsident Lothar Wieler hält es jedoch für „sehr wahrscheinlich“, dass die Mutation bereits unbemerkt grassiert. Das erklärte Wieler am Dienstag (22. Dezember) in einer Pressekonferenz.

Update vom 21. Dezember, 8.46 Uhr: Panik wegen der Corona-Mutation aus Großbritannien ist für den Virologen Christian Drosten zurzeit nicht angesagt, er reagierte zurückhaltend auf die aktuellen Berichte. Die derzeitigen Angaben, die neue Variante sei 70 Prozent ansteckender als die Ursprungsvariante, sei ein Schätzwert, erklärte er am Morgen im Deutschlandfunk. Verharmlosen wolle er das Problem aber nicht, wie auch fr.de berichtet. Die Datenlage sei noch sehr lückenhaft, es brauche noch Zeit, um genaue Aussagen treffen zu können.

Ob wirklich das mutierte Virus für die Corona-Welle in Südostengland verantwortlich ist, müsse ebenfalls noch geklärt werden. In einigen Ländern, darunter in Australien, Niederlande und Dänemark sei die Mutation schon nachgewiesen wurde. Drosten meint daher: „Ich denke, dass das schon in Deutschland ist.“ Denn so neu sei das Virus gar nicht, in seltenen Fällen sei es schon Ende September in England aufgetreten.

Corona-Mutation wohl schon in mehreren Ländern entdeckt

Update vom 21. Dezember, 7.11 Uhr: Die entdeckte Corona-Mutation sorgt für Wirbel. Einzelne Fälle der neuen Variante sind offenbar bereits in der EU aufgetreten, etwa in Italien (siehe Update vom 20. Dezember, 20.56 Uhr). Spahn erwähnte im ZDF Fälle in Dänemark, die aber nach Angaben dänischer Behörden unter Kontrolle seien. Der Europaabgeordnete Peter Liese sprach von nachgewiesenen Infektionen in Belgien und den Niederlanden. „Es wird ja erst seit Kurzem überhaupt auch diese neue Variante gezielt getestet. Man kann nicht ausschließen, dass es schon viele Infektionen auf dem Kontinent gibt“, sagte er der Welt. In Deutschland ist die neue Variante nach Angaben des Berliner Charité-Virologen Christian Drosten bisher nicht aufgetaucht.

Corona-Mutation: Offenbar Fall in Italien - positives Testergebnis in Celio

Update vom 20. Dezember, 20.56 Uhr: Offenbar wurde die in Großbritannien beobachtete Virus-Mutation nun auch in Italien nachgewiesen. Die Nachrichtenseite La Repubblica berichtet aktuell von einem Fall im Militärkrankenhaus Celio (Rom). Inzwischen liegt eine erste Bestätigung des Gesundheitsministeriums vor.

Demnach sei bei einem Corona-Patienten in Celio ein positives Testergebnis mit der in Großbritannien entdeckten Mutation festgestellt worden.

Update vom 20. Dezember, 16.29 Uhr: „Es ist sehr wahrscheinlich, dass Mutationen die Ansteckungs­gefahr erhöhen“, sagte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach gegenüber dem Redaktions­netzwerk Deutschland. Das Coronavirus hat sich zu einer gefährlicheren Form entwickelt. Ein Virus, das bis zu 70 Prozent ansteckender ist, wurde in Großbritannien festgestellt.

Corona-Mutation in Großbritannien: Karl Lauterbach warnt vor gefährlicher Veränderung

„Das ist ein weiterer Grund dafür, dass die zweite Welle nicht so stark werden darf. Je mehr Ansteckungen man zulässt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass noch gefährlichere Mutationen folgen“, so Lauterbach. Auch auf Twitter hat sich der Mediziner zu der Nachricht aus Großbritannien geäußert: „Solche Mutationen überraschen nicht. Wegen hoher Fallzahlen in der zweiten Welle und Mobilität hat das Virus mehr Gelegenheit sich zu verändern. Einige Studien gehen jetzt davon aus, dass der natürliche R-Wert schon bei 3 ist.“

Der natürliche R-Wert - auch Basisreproduktionszahl R genannt - beschreibt, wie viele Menschen eine infizierte Person ansteckt. Im Frühjahr ging man von einem Wert zwischen 2,4 und 3,3 aus. Das Robert Koch-Institut geht mittlerweile jedoch von einer Reproduktionszahl zwischen 3,3 und 3,8 aus.

Update vom 20. Dezember, 13.11 Uhr: Die neue Corona-Mutation* verbreitet sich in Großbritannien rasant. Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock äußerte sich deshalb gegenüber der BBC besorgt. Die Virus-Variante sei „außer Kontrolle“, so Hancock, man müsse sie wieder unter Kontrolle bekommen.

Aktuell werden etwa 18.000 Infizierte in Krankenhäusern behandelt. Hancock verteidigte deshalb die getroffenen verschärften Maßnahmen. „Das ist ein weiterer Grund dafür, dass alle sich an die neuen Regeln halten und persönlich Verantwortung übernehmen müssen“, sagte der Gesundheitsminister.

Gegenüber Sky News gab Hancock außerdem an, dass sich jeder so verhalten müsse, als wäre er mit Corona infiziert. Das sei „der einzige Weg“, das Virus wieder unter Kontrolle zu bekommen.

Corona-Mutation breitet sich rasend schnell aus: Virus deutlich ansteckender - Londons Bürgermeister äußert sich deutlich

Update vom 20. Dezember, 10.28 Uhr: Londons Bürgermeister Sadiq Khan hat Verständnis für den neuen coronabedingten Shutdown der britischen Hauptstadt gezeigt, die kurzfristige Anordnung aber scharf kritisiert. „Es ist das Hin und Her, das zu so viel Angst, Verzweiflung, Traurigkeit und Enttäuschung führt“, sagte er. „Wenn wir unsere Meinung immer wieder ändern, macht es das Leuten wie mir wirklich schwer, die Menschen zu bitten, uns zuzuhören.“ Die Ankündigung „auf den letzten Drücker“ sei ein schwerer Schlag für Familien und Unternehmen, so der Bürgermeister weiter.

Khan betonte gleichzeitig allerdings, dass die Maßnahmen in London und weiten Teilen Südostenglands (siehe Update vom 19. Dezember, 18.45 Uhr) korrekt seien. Man würde „dem Rat von Wissenschaft und Medizin“ folgen.

Nach Bekanntgabe der schärferen Maßnahmen hatten sich zahlreiche Menschen spontan auf den Weg gemacht, um die Gegend zu verlassen. Auf Fotos und Videos waren volle Bahnhöfe zu sehen. „Was Sie gestern gesehen haben, war eine direkte Folge der chaotischen Art und Weise, wie die Ankündigung gemacht wurde“, sagte Londons Bürgermeister.

Am Bahnhof Paddington sammelten sich zahlreiche Menschen, nachdem der neue Lockdown in London verkündet worden war.

Er habe Verständnis, dass Menschen in letzter Sekunde, bevor die Reiseverbote greifen, zu ihren Familien reisen wollen. Das sei aber falsch. Mit Blick auf Corona-Impfmittel ergänzte er: „Wie werden Sie sich fühlen, wenn Sie das Virus an ältere Verwandte, geliebte Menschen weitergeben, deren Leben wegen des Vakzins lang und fruchtbar sein könnte, der sich aber dadurch mit dem Virus infiziert und - Gott bewahre - stirbt?“

Corona-Mutation breitet sich rasend schnell aus: Virus deutlich ansteckender - erstes Land zieht Konsequenzen

Update vom 20. Dezember, 08.45 Uhr: Nach der Entdeckung der neuen Corona-Mutation* in Großbritannien (siehe Update vom 19. Dezember, 18.45 Uhr) reagieren nun andere Länder. So wollen die Niederlande Flugpassagiere aus dem Vereinigten Königreich nicht mehr einreisen lassen. Das Verbot des Flugverkehrs mit Passagieren aus dem Vereinigten Königreich werde ab diesem Sonntag (20. Dezember) zunächst bis zum 1. Januar gelten, teilte die niederländische Regierung mit.

Das Institut für Umwelt und Gesundheit RIVM habe empfohlen, die Einschleppung dieses Virusstammes so weit wie möglich zu begrenzen, indem die Reisebewegungen aus dem Vereinigten Königreich so weit wie möglich eingeschränkt oder kontrolliert würden, hieß es.

In Großbritannien ist in London und Südostengland unterdessen eine Ausgangssperre in Kraft getreten. Seit diesem Sonntag gilt dort die höchste Alarmstufe. Die verschärften Maßnahmen gelten mindestens bis zum 30. Dezember.

Coronavirus-Mutation in Großbritannien: Bis zu 70 Prozent ansteckender als bekanntes Coronavirus

Update vom 19. Dezember, 18.45 Uhr: Schlechte Nachrichten aus Großbritannien: Die neu entdeckte Corona-Mutation sei um bis zu 70 Prozent ansteckender als die bisher bekannte Form, erklärte Premierminister Boris Johnson am frühen Samstagabend vor Journalisten in London.

„Es gibt immer noch viel, das wir nicht wissen. Aber es gibt keine Beweise, dass die neue Variante mehr oder schwerere Krankheitsverläufe auslöst“, sagte Johnson. Auch eine höhere Sterblichkeit sei durch die Virus-Variante VUI2020/12/01 bisher nicht festgestellt worden.

Die Coronavirus-Mutation hat sich den Angaben zufolge bereits rasch in Großbritannien ausgebreitet. So seien im Dezember zum Beispiel 60 Prozent der Neuinfektionen in London (mit Metropolregion rund 9 Millionen Einwohner) auf die neue Virus-Variante zurückzuführen, erklärte Patrick Vallance, der oberste wissenschaftliche Regierungsberater von Johnson.

Die Corona-Lage ändert sich in Südostengland, wo die Ausbreitung besonders hoch sein soll, für Millionen Menschen damit komplett und drastisch. Als die Impfungen im Vereinigten Königreich Anfang Dezember starteten, hatte die Regierung noch weitreichende Lockerungen der Kontaktbeschränkungen beschlossen und umgesetzt.

Jetzt greifen umgehend und im Express-Tempo neue Corona-Restriktionen, die insbesondere für die Millionen-Metropole London gelten sollen. So wurde für die englische Hauptstadt ein neuer Shutdown verhängt. Trotz der schlechten Nachrichten beschwichtigte die britische Regierung: Es gebe bisher keine Hinweise darauf, dass Impfstoffe gegen die Mutation weniger effektiv seien, hieß es aus England.

Großbritannien/England: Neue Corona-Mutation breitet sich rasch aus

Erstmeldung vom 19. Dezember: München/London - Mutiert das heimtückische Coronavirus? Und: Schützen die entwickelten Corona-Impfstoffe auch gegen die Mutationen des Virus? Diese Fragen tauchen in der aktuellen Hochphase der Covid-19-Pandemie immer wieder auf.

Fakt ist: Eine neue Variante des Erregers Sars-CoV-2 breitet sich derzeit rasch in Großbritannien aus. Das Vereinigte Königreich
habe die Weltgesundheitsorganisation (WHO) darüber informiert, teilte der medizinische Regierungsberater Chris Whitty an diesem Samstag mit.

Coronavirus-Pandemie: Neue Corona-Variante in Großbritannien entdeckt

Wie Whitty weiter erklärte, wurde die Corona-Variante vor allem in Südostengland nachgewiesen. Der Regierungsberater von Premierminister Boris Johnson appellierte an die Bevölkerung, alles zu unternehmen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. „Angesichts der jüngsten Entwicklung ist dies wichtiger denn je“, sagte Whitty.

Bereits am vergangenen Montag hatten die Behörden in England mitgeteilt, dass eine neue Variante des Virus entdeckt worden sei. An diesem Samstagabend (19. Dezember) wollte sich Regierungschef Johnson mit seinem Kabinett zur aktuellen Corona-Lage im Vereinigten Königreich beraten.

Coronavirus-Pandemie: In Großbritannien gelten wegen der Corona-Impfstoffe weitreichende Lockerungen

In Großbritannien wird bereits seit Anfang Dezember gegen das heimtückische Coronavirus geimpft. Die zuvor strengen Kontaktbeschränkungen wurden aufgehoben, weitreichende Lockerungen sind längst in Kraft getreten.

So haben in England zum Beispiel selbst die Schwimmbäder und Bars sowie Disotheken wieder geöffnet. Jetzt werden trotz Impfstoffs die Sorgen auf der Insel wieder größer. (pm)

Rubriklistenbild: © Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

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