Ein Fahrradfahrer eines Lieferdienstes fährt mit Mund-Nasen-Schutz während der Corona-Pandemie durch eine Straße in Mailand.
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Szene aus Mailand in der Lombardei zu Beginn der Corona-Pandemie 2020.

„Müssen das ohne Ängste beobachten“

Italienische Forscher finden äußerst seltene Corona-Mutation - „Wir werden noch viele erleben“

  • Franziska Schwarz
    vonFranziska Schwarz
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In Norditalien gibt es eine Patientin mit einem neuartigen Coronavirus. Nach bisherigen Erkenntnissen gleicht der Erreger einer zuerst in Thailand entdeckten Variante.

  • Forscher in einer Klinik in Varese in der Lombardei haben eine neue Corona-Mutation entdeckt.
  • Betroffen ist eine italienische Patientin, die nahe der Schweizer Grenze lebt.
  • Erste Reaktionen von Virologen und Epidemiologen fallen unterschiedlich aus.

Mailand - In Italien nahe der Grenze zur Schweiz ist eine neue Corona-Mutation entdeckt worden - sie wird jetzt eingehend untersucht. „Es könnte sich um eine scheiternde Variante handeln“, sagte ein Gesundheitsdirektor in der Region Insubrien, Giuseppe Catanasio.

„Das heißt, sie ist nicht in der Lage, eine größere Infektiosität zu entwickeln. Sie ist daher dazu bestimmt zu verschwinden - oder aber das Gegenteil“, fuhr er im Gespräch mit der Schweizer Tageszeitung Corriere del Ticino (Kanton Tessin) fort.

Äußerst seltene Corona-Variante entdeckt: Schweizer Epidemiologe Cerny warnt

Bemerkt wurde die Mutation in der norditalienischen Gemeinde Viggiù, die etwa 5200 Einwohner hat und gute zehn Autominuten vom Tessin entfernt liegt. Betroffen sei eine Seniorin. Ein Thailänder, der aus Ägypten heimgekehrt war, hatte ein identisches Virus, schreibt La Repubblica.

Catanasio betonte gegenüber dem Corriere del Ticino, dass in dem Ort sowie anderswo in Italien keine weiteren Positiv-Fälle dieser Variante bekannt seien. Aber könnte es tatsächlich eine „scheiternde“ Variante sein? Wie weit sich die veränderte Struktur des Erregers auf „Ansteckungseigenschaften oder auf den Schutz durch Impfungen“ auswirke, sei im Moment unklar, gibt der Tessiner Epidemiologe Andreas Cerny auf Anfrage des Portals blick.ch zu bedenken.

Neuer Covid-19-Erreger in Italien entdeckt: „Müssen das ohne Ängste beobachten“

Aus Italien kommen optimistischere Töne. „Wir haben beruhigende Hinweise, dass die Vakzine auch bei dieser Variante wirken“, zitiert La Repubblica die Vizepräsidentin des Regionalrats der Lombardei, Letizia Moratti. Sie ist auch Assessorin für Gesundheit in der Region. „Erneut hat die Lombardei bewiesen, was für exzellente Strukturen sie hat“, fügte Moratti hinzu - mit Blick auf die Universität Insubriens und die San Raffaele Klinik in Mailand.

Deren Kliniklaborleiter Fabrizio Maggi und seine Kolleg:innen identifizierten die Variante. Sein Mitarbeiter, der Virologe Massimo Clementi, sagte laut La Repubblica, die „äußerst seltene“ Corona-Mutation „müsse kein Grund zur Sorge sein“. Sie sei „eine von vielen und wir werden noch viele erleben. Wir sollten nach ihnen Ausschau halten und die Situation monitoren - aber wir müssen das ohne Ängste tun.“

Corona in Italien: Mehr als 100.000 Covid-19-Tote in dem EU-Land

Mit fast 30.000 Toten ist die wirtschaftlich starke italienische Region Lombardei in dem Land am stärksten von Corona betroffen. In der Emilia Romagna starben fast 11.000 Menschen an oder mit dem Virus, gefolgt vom Piemont und von Venetien mit jeweils knapp 10.000 Corona-Toten.

Italien hat an diesem Montag die Marke von 100.000 Corona-Toten überschritten. Es war 2020 das erste europäische Land, das mit voller Wucht von der Pandemie getroffen wurde.

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