Entwicklung könnte alles verändern

Corona schon folgenreich mutiert? Wirbel um Virologen-These: „Ich habe gesagt, dass ... “

  • Luisa Billmayer
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Die Hoffnung, dass das Coronavirus zum Vorteil des Menschen mutiert, besteht weiterhin. Es gibt Anzeichen eines Virologen, dass genau das bereits eingetreten sei. Doch so einfach ist es nicht.

Update vom 20. August: Die Corona-Infektionszahlen stiegen zuletzt, dennoch gab es Hoffnung, dass Covid-19 mittlerweile in einer abgeschwächten Form auftritt und bereits mutiert ist (siehe Erstmeldung). Diesen Schluss ließen zumindest Zitate des Essener Professors Ulf Dittmer zu. Doch so einfach ist es nicht, wie der Virologe nun deutlich klarstellte.

Seine Aussagen seien äußerst verkürzt wiedergegeben worden, wie Dittmer nun focus.de erklärt: „Ich habe gesagt, dass wir Veränderungen von anderen Viren, die zur Abschwächung einer Erkrankung geführt haben, schon gesehen haben. Ob das auch bei Sars-CoV-2 passiert oder passieren wird, wissen wir noch nicht.“

Darüber hinaus fühlte sich der Virologe nicht korrekt behandelt, als er über die Anzeichen einer Abschwächung sprach: „In vielen Ländern, in denen jetzt die zweite Welle losgeht, gibt es deutlich weniger Todesfälle“, wurde der Experte von bild.de zitiert. Seine relativierende Ergänzung sei weggelassen worden. Dittmer beteuert, ergänzt zu haben: „Aber, ob das mit einem veränderten Virus zu tun hat, oder mit Infektionen von jüngeren Leuten oder besserer Therapie, wissen wir nicht.“

Dittmers Mitteilung sollte damit klar sein: Auch wenn es Anzeichen einer Mutation gibt, ist dies gewiss noch nicht bestätigt. Von diesem Schein sollte man sich nicht trügen lassen. Die Covid-19-Gefahr bleibt ernst.

Coronavirus schon folgenreich mutiert? Virologe sieht deutliche Hinweise „in vielen Ländern“

Erstmeldung vom 19. August: Essen - Ein Virologe des Uniklinikums Essen macht Hoffnung, dass das Coronavirus* durch eine Mutation an Gefährlichkeit verliert. Wie Bild berichtet, gibt es laut dem Direktor der dortigen Virologie, Professor Ulf Dittmer, Anzeichen, dass das Virus sein Erbgut so verändert habe, dass es schwächere Krankheitsverläufe mit sich bringe.

„Es gibt tatsächlich Hinweise darauf, dass sich das Virus bereits abschwächt. Und es könnte auch sein, dass das Virus im Zuge der Veränderungen irgendwann nur noch eine Erkältung oder einen Schnupfen auslöst“, sagte Dittmer der Bild. Der Wissenschaftler stützt seine These mit der Erkenntnis, dass aktuell weniger Menschen an dem Virus sterben. „In vielen Ländern, in denen jetzt die zweite Welle losgeht, gibt es deutlich weniger Todesfälle“, so der Virologe.

Ist das Coronavirus mutiert? Experte macht Hoffnung auf schwächere Krankheitsverläufe

Außerdem werde häufiger festgestellt, dass Patienten eine Störung der Geschmacks- und Geruchsfähigkeit beklagen. Dieses Symptom sei mit einem schwächeren Krankheitsverlauf verbunden. Dass es mittlerweile fast zu den häufigsten Symptomen zähle, deute auf eine Mutation des Virus hin.

Generell ist die Mutation eines Virus keine Seltenheit. Bereits im Juni hatte der Virologe der Berliner Charité, Christian Drosten, in seinem NDR-Podcast über das Thema gesprochen. Der prominente Experte erläuterte damals in Bezug auf eine Studie aus England, dass sich das Virus weiterentwickelt. Und zwar in dem Sinne, „dass das Virus eine bessere Aussicht auf eine Optimierung auf den Menschen hat auf lange Sicht“, so Drosten. „Das hat die Chance, dass es sich besser anpasst auf den Menschen, als wenn es nicht diese größeren Übertragungsdosen hätte.“

Video: Coronavirus - Virologe Drosten befürchtet Mutation 

Das klingt auf den ersten Blick kritisch, doch Drosten bewertete eine Mutation durchaus positiv. Denn so könne sich das Coronavirus „noch besser in der Nase replizieren und auch besser übertragen werden“. Drosten erklärte weiter: „In der Nase werden wir aber nicht allzu krank davon, das heißt, das Ganze wird auf lange Sicht zu einem Schnupfen, der sich für die Lunge gar nicht mehr interessiert. Das könnte passieren, das wäre gut und eine Verharmlosung dieser Krankheit.“

Genau diese Verharmlosung will Ulf Dittmer nun erkannt haben. „Evolutionstechnisch würde es auch Sinn machen: Das Virus möchte nicht in den Tiefen der Atemwege festsitzen, sondern lieber weiter nach oben wandern, in die oberen Atemwege, weil es sich von dort aus besser verbreiten kann. Damit wäre es dann aber auch weniger gefährlich“, beschrieb er die Mutation gegenüber Bild.

Gleichzeitig räumte der Experte aber auch ein, es sei sehr schwer einzuschätzen, ob sich SARS-CoV-2 tatsächlich abschwäche. Grund dafür sei, dass sich während der Pandemie auch andere Bedingungen, wie zum Beispiel die Behandlung von Covid-19-Patienten, verändere.

Coronavirus: Mutation kann bei Experimenten im Tiermodell überprüft werden

Um zu überprüfen, ob sich wirklich das Virus selbst gewandelt hat, müssten jetzt Infektionsexperimente im Tiermodell mit den unterschiedlichen SARS-CoV-2-Genotypen durchgeführt werden, erklärte Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin.

Generell ist die Stimmung angesichts der Corona-Pandemie auch in Bayern*, Österreich, Italien und Kroatien weiter angespannt. Angela Merkel zeigte sich zuletzt wegen der ansteigenden Neuinfektionszahlen besorgt.

Das Coronavirus könnte noch früher ansteckend sein als bisher angenommen. Schweizer Forscher wollen neue Erkenntnisse über die unbemerkte Ansteckung gewonnen haben. Aktuell registriert das Robert-Koch-Institut die höchsten Corona-Infektionen bei Reisenden aus dem Kosovo. Trotz der gestiegenen Ansteckungszahlen warnt ein Top-Virologe vor zu großer Panikmache. Mit den testpflichtigen Reiserückkehrern aus Risikogebieten müssen mehr Menschen auf das Coronavirus getestet werden. Die Labore haben damit zu kämpfen. Es kommt zu Engpässen und Rückstaus.

Ein Virologe aus England warnt jetzt vor dem Impfstoff aus Russland. Es könnte sein, dass das Virus durch das Mittel mutiert. Eine Studie liefert Erkenntnisse über den Krankheitsverlauf schwerer Fälle. Ob eine Intensiv-Behandlung oder gar Beatmung nötig ist, beeinflusst die Sterblichkeit. (lb) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Niaid/Europa Press/dpa/picture alliance

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