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Corona-Virusvarianten: Mit wie vielen Mutationen müssen wir noch rechnen?

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Von: Christina Denk

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Immer wieder ist von neuen Corona-Virusvarianten die Rede. Doch wie oft wird das Virus noch mutieren? Forscher:innen sehen erste Bremsschritte bei den Variationen.

München - B.1.1.7, B.1.351, B.1.617 - oder besser bekannt als britische, südafrikanische und indische Variante. Immer wieder tauchen neue Mutationen des Coronavirus auf. Doch wie viele werden es noch werden und welche Eigenschaften werden sie haben? Eine Frage, der Wissenschaftler:innen auf die Schliche kommen wollen. Ist die Zahl der Mutationen bereits erschöpft?

Corona-Mutationen: Herkunft der Varianten könnte Schlüsse auf weitere Entwicklung zulassen

Um zu wissen, wie das Coronavirus weiter mutieren könnte, ist zunächst einmal die Herkunft der Varianten von Bedeutung. Ein gängiges Szenario besagt, dass Menschen mit einem geschwächten Immunsystem die Viren weniger schnell wieder loswerden. Das Immunsystem bekämpft das Virus zwar, jedoch nicht effektiv genug, um es wieder loszuwerden. So kann sich das Virus im Körper der Patient:innen beschleunigt anpassen. Das begünstigt vor allem Varianten, an die Antikörper schlechter binden - sogenannte Fluchtmutationen. Ebenso argumentierten bereits Forscher:innen bei Entdeckung der britischen Mutante.

Adam Grundhoff vom Leibniz-Institut, sieht die Theorie gegenüber focus.de ebenfalls als plausibel. „Es sind natürlich sehr wenige untersuchte Fälle, auf die man sich bezieht“, betont er. Vor allem die Umstände, unter denen eine solche Mutation beobachtet wurde, seien speziell. „Das sind meistens Menschen, die über längere Zeit im Krankenhaus behandelt wurden und stark immunsupprimiert sind.“ Er sieht jedoch auch eine Schwachstelle der Theorie. Die Fluchtmutationen, die derzeit meist beobachtet werden, müssten in einem funktionierenden Immunsystem entstanden sein. In einem geschwächten Immunsystem besteht nicht der Druck vor Antikörpern zu „fliehen“. Selbst, wenn eine Behandlung mit Antikörpern stattfindet.

Corona-Mutationen: Schrittweise Entwicklung der Mutationen durch Immunisierung?

Eine weitere Möglichkeit der Entstehung sei eine schrittweise Entwicklung, wie bei der Variante P1, so Sébastien Calvignac-Spencer, Experte am RKI gegenüber focus.de. Eine teilweise immunisierte Bevölkerung würde die Mutation vorantreiben. „Wenn man sich die Länder ansieht, in denen die Mutationen auftauchen, zum Beispiel Brasilien, Südafrika und England, dann sind das alles Populationen, in denen schon ein gewisses Level an Immunität durch die zeitweise nahezu ungebremste Ausbreitung vorhanden ist“, beurteilt Biologin Martina Sester. Zudem gäbe es wohl auch gesunde Menschen, die das Virus schlecht loswerden würden.

Am Ende sind es wohl zwei Effekte, die sich addieren. Zum einen habe das Virus aufgrund seiner Neuheit noch viel Spielraum um zu mutieren. Zum anderen würden die Immunschwachen, wie zu Anfang erwähnt, auch Mutationen ermöglichen, die sonst verschwinden würden, urteilen die Forscher:innen gegenüber dem Magazin.

Corona-Mutationen: Wie geht es weiter? - Wird das Virus noch häufig mutieren?

Wie sieht die Prognose aus? Wie viele Mutationen werden wohl noch kommen? In einem Punkt scheinen sich die Forscher:innen einig zu sein. Bei den Mutationen treten immer wieder die gleichen Muster auf. „Man sieht ja immer wieder die gleichen Mutationen, und das zeigt, dass das Spektrum langsam ein bisschen ausgeschöpft ist“, sagt Adam Grundhoff. „Seit vier, fünf Monaten kommen keine wirklich neuen Mutationen mehr hinzu.“ Es handle sich vor allem um neue Kombinationen der Veränderungen.

Sebastién Calvignac-Spencer erwartet ebenfalls eine Verlangsamung: „Ich erwarte, dass die Rate an phänotypischen Veränderungen mit der Zeit abnimmt“, so der RKI-Experte. „Aber ob das zwei Jahre oder zwei Jahrzehnte dauert, weiß ich einfach nicht.“ Lückenhafte Informationen machen eine genauere Prognose schwer. Einige Mutationen sind möglicherweise völlig unentdeckt, da sie sich nicht effektiver verbreiten. Eines zeigen aktuelle Varianten wohl: Noch ist das Virus nicht am Ende seiner Möglichkeiten. Die Entwicklungen sollten jedoch nicht überbewertet werden, beruhigt Grundhoff. Es handle sich um Varianten, nicht um neue Viren. „Es ist wichtig, dass wir ein bisschen Ruhe bewahren.“ (chd)

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