Übersicht zu Erreger-Formen

Corona-Mutationen: Verschiedene Varianten des Virus entdeckt - einige verbreiten sich besonders stark

  • Marion Neumann
    vonMarion Neumann
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Sie tragen Namen wie „B1.1.7“ und „Cluster 5“ - und sind mittlerweile als Varianten des Coronavirus bekannt. Ein Überblick über die Mutationen des Erregers.

  • Unter anderem in England, Südafrika und Dänemark entdeckten Forscher Mutationen des Coronavirus.
  • Die Varianten der verschiedenen Erreger bringen unterschiedliche Eigenschaften mit sich.
  • Zum Teil wird davon ausgegangen, dass sie ansteckender sind als die bereits bekannte Form des Virus.

Seit vielen Monaten ist das Coronavirus omnipräsent. Doch obwohl die Rede von „dem Virus“ ist, das weltweit eine Pandemie ausgelöst hat, gibt es mittlerweile auch verschiedene Varianten des Erregers. Welche Varianten derzeit bekannt sind und welche Gefahr von ihnen ausgeht, erfahren Sie hier im Überblick.

Corona-Mutation: Virus-Variante B1.1.7 in England auf dem Vormarsch - Meldung auch aus Italien

Aktuell macht vor allem eine in Großbritannien auftretende Virus-Variante Schlagzeilen. Dabei handelt es sich um die Virus-Variante der B1.1.7-Linie. Wenige Tage vor Weihnachten tauchten Meldungen auf, dass sich die Corona-Mutation rasant verbreite. Dem derzeitigen Wissensstand (20. Dezember 2020) zufolge ist die Variante des Coronavirus weitaus ansteckender als die bekannte Form. Der britische Premierminister Boris Johnson sagte gegenüber Journalisten, dass man davon ausgehe, dass sie bis zu 70 Prozent ansteckender sei, wie auch fr.de berichtete. Wissenschaftler bestätigten diesen Wert bislang allerdings nicht offiziell. Laut dem Immunologen Peter Openshaw vom Londoner Imperial College scheine die Mutation eine 40 bis 70 Prozent höhere Übertragbarkeit zu haben.

Hinweise, dass Impfstoffe gegen die Mutation weniger wirksam sind, gibt es aktuell allerdings keine - ebenso wenig wie Beweise, dass sie schwerere Krankheitsverläufe auslösen oder für eine höhere Sterblichkeit verantwortlich sein könnte. In Deutschland wurde die Variante nach Angaben des Virologen Christian Drosten bislang nicht gesichtet. Zudem wurde bislang nicht festgestellt, dass die Corona-Mutation nun häufiger zu schweren Verläufen führe oder die entwickelten Impfstoffe unwirksam seien.

In Deutschland könnte ebenfalls eine Verbreitung der mutierten Form drohen. Auch in Italien gibt bereits eine nachgewiesene Infektion mit der neuen Virusform. Die betroffene Person hatte sich zuvor in Großbritannien aufgehalten.

Coronavirus-Variante 501.V2 in Südafrika wohl verantwortlich für rasche Ausbreitung

Eine weitere Variation des Virus wird für die rasche Ausbreitung der Corona-Welle in Südafrika verantwortlich gemacht. Die Mutation trägt den Namen 501.V2. Südafrikanischen Ärzten zufolge infizierten sich während der zweiten Welle mehr jüngere Menschen als zuvor. Sie litten zudem häufiger unter einem schwereren Verlauf. Die neue Virus-Variante wurde von einem Forschungsteam unter Leitung des südafrikanischen Kwazulu-Natal Research Innovation and Sequencing Platform (Krisp) entdeckt. Die Wissenschaftler leiteten ihre Forschungsergebnisse auch an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die britische Behörden weiter.

Wie sich die Virus-Variante in Südafrika auf künftige Impfungen auswirken könnte, ist derzeit noch ungewiss. Die Regierung änderte ihre bisherigen Strategien zur Eindämmung des Coronavirus jedoch durch die Entdeckung der neuen Mutation nicht.

Corona-Mutation „Cluster 5“ in Dänemark - Infektionen auf Nerzfarmen

Für Aufsehen sorgte seit Juni dieses Jahres auch die Coronavirus-Mutation „Cluster 5“. Diese trat in Dänemark in Zusammenhang mit gezüchteten Nerzen auf.  Die dänische Regierung hatte daraufhin zunächst die Keulung von bis zu 17 Millionen Nerzen im Land angeordnet, nachdem auf einigen Zuchtfarmen im Norden Jütlands die mutierte und auf den Menschen übertragbare Form von Sars-CoV-2 entdeckt worden war. Es bestand nach Angaben der Regierung die Gefahr, dass die Mutation „Cluster 5“ künftige Impfungen unwirksam machen könnte. Da die Kadaver der Nerze allerdings wohl nicht tief genug vergraben wurden, sorgten sie auch nach ihrem Tod Ende November noch einmal für Aufsehen.

Coronavirus-Mutation: Virus-Variante D614G setzt sich besonders schnell durch

Eine weitere Mutation, die sich in verschiedenen Teilen Europas sowie an der Ostküste der USA verbreitet hat, trägt die Bezeichnung D614G. Laut Berichten des Ärzteblatts hat sich diese Variante besonders schnell durchgesetzt. Ein Team von US-Forschern von der Universität von North Carolina in Chapel Hill beschäftigte sich mit der Virus-Variante und stellte fest, dass sie die Infektiosität von SARS-CoV-2 deutlich erhöht. Ein Anstieg der Pathogenität - also der grundsätzlichen Fähigkeit von infektiösen Viren, in bestimmten Organismen Erkrankungen hervorzurufen - war jedoch nicht nachweisbar.

WHO äußert sich zu Corona-Mutationen - Forscher warnen vor Panikmache

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO haben sich die schon bekannten Mutationen des Virus im Hinblick auf Ansteckungswege oder Schwere der Erkrankung kaum oder gar nicht anders verhalten als das zuerst identifizierte Virus. Auch nach der jüngsten Entdeckung der Corona-Mutation in England warnen Forscher wie der Virologe Christian Drosten vor Panikmache. (dpa/AFP/nema)

Rubriklistenbild: © Gil Cohen Magen/dpa/XinHua

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