Europa haben sie schon erreicht

Corona-Mutationen aus den USA auf dem Vormarsch: Wie gefährlich sind die neuen Varianten?

  • Andreas Schmid
    vonAndreas Schmid
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In den USA breiten sich Coronamutationen aus Kalifornien und New York rasant aus. Die neuen Varianten haben bereits Europa erreicht - wie gefährlich sind sie?

New York - Mittlerweile gehen fast die Hälfte aller Corona-Fälle in Deutschland auf Virusmutationen zurück. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts vom Mittwoch (3. März) sind es derzeit 46 Prozent. Vor gut einem Monat hatte das RKI ihren Anteil noch auf lediglich sechs Prozent beziffert, vor zwei Wochen waren es 22 Prozent.

Corona-Mutationen: Weitere Varianten bei hoher globaler Verbreitung „unausweichlich“

Die Virusmutationen sind also zweifelsohne auf dem Vormarsch. Allen voran die britische Mutante B.1.1.7 breitet sich rasant in Europa aus. Obendrein wurden in Deutschland auch schon Varianten aus Südafrika und Brasilien nachgewiesen, die allesamt dazu beitragen, dass die Infektionslage hierzulande weiter angespannt ist.

Gäbe es die neuen Varianten nicht, hätte Deutschland sein Inzidenz-Ziel von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern wohl schon erreicht. FDP-Politiker und Mediziner Andrew Ullmann warnte im Gespräch mit Merkur.de bereits vor einem mittelfristig womöglich unkontrollierbaren Mutationsgeschehen. Denn weitere Mutationen seien bei hoher globaler Verbreitung „unausweichlich“.

Corona-Mutationen aus den USA: Varianten aus New York und Kalifornien breiten sich aus

Erreichen damit schon bald die nächsten Mutationen die Bundesrepublik? Aktuell grassieren in den USA zwei Varianten, die nach ersten wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht ins Land eingeschleppt wurden, sondern sich vor Ort selbst entwickelt haben. Mutationsbrennpunkte sind Kalifornien und New York. Die entsprechenden Varianten waren Ende 2020 erstmals entdeckt und seitdem immer öfter nachgewiesen worden.

Die New Yorker Variante B.1.526 machte in der Millionenmetropole im Februar schon 12 Prozent der positiven Corona-Tests aus, die kalifornische Mutante mit den beiden ähnlichen Typen B.1.427 und B.1.429 ist in etwa einem Viertel der Proben vor Ort zu finden, Tendenz steigend. Fälle der Mutationen sind mittlerweile auch in anderen Bundesstaaten sowie vereinzelt auch anderen Ländern wie Australien oder Dänemark nachgewiesen worden.

In Kalifornien wird bei immer mehr Tests, wie hier in Los Angeles, eine neue Virusvariante nachgewiesen.

Corona-Mutationen aus den USA: Wie gefährlich sind die neuen Varianten?

Aktuell laufen wissenschaftliche Studien über die exakten Auswüchse der Varianten. Fundierte Ergebnisse liegen dabei noch nicht vor, doch die New York Times berichtete von ersten Erkenntnissen, wonach die Varianten ansteckender und aggressiver sind als die Ursprungsversion.

„Ich bin zunehmend davon überzeugt, dass diese Variante mehr als andere lokal übertragen wird“, wird der Epidemiologe William Hanage mit Blick auf die Lage in Kalifornien zitiert. „Aber es gibt keine Beweise dafür, dass es in der gleichen Größenordnung wie B.1.1.7 ist.“ Die kalifornische Variante scheint also zumindest weniger infektiös zu sein als die britische Version.

Corona-Mutationen aus den USA: „Diese Variante ist sehr besorgniserregend“

Gleichzeitig gibt es aus der Wissenschaft aber auch etwas pessimistischere Aussagen: „Diese Variante ist sehr besorgniserregend, weil unsere Daten zeigen, dass sie ansteckender ist, einen schweren Krankheitsverlauf wahrscheinlicher macht und wenigstens teilweise resistent gegen Antikörper ist“, meint etwa Charles Chiu, Mitautor einer aktuell laufenden Studie, gegenüber dem Fachmagazin Science.

Der New York Times sagte der Mediziner: „Ich wünschte, ich hätte bessere Nachrichten zu übermitteln - dass diese Variante überhaupt nicht signifikant ansteckender ist. Aber leider folgen wir nur der Wissenschaft.“

Corona-Mutationen aus den USA: kein Grund zur Panik - „haben noch keine Hinweise“

Es sei zu erwähnen, dass Mutationen per se keine Seltenheit sind. Denn Viren verändern sich permanent. Und so mag es auf den ersten Blick furchteinflößend wirken, wenn allein bis September 2020 bereits mehr als 12.000 Corona-Mutationen bekannt waren, doch die große Mehrheit von ihnen verhält sich nicht anders als die Ursprungsversion des SARS-CoV-2-Virus. Problematisch wird es allerdings, wenn die neuen Varianten das Viruserbgut zu stark verändern.

Inwiefern dies bei den Mutationen aus Kalifornien und New York der Fall ist, muss die Forschung erst noch zeigen. Auch wenn erste Erkenntnisse einigen Wissenschaftler:innen Sorge bereiten, warnt der Mediziner Dave Chokshi vom New York City Department of Health and Mental Hygiene, gegenüber der Deutschen Welle, den frühen Stand der Forschung überzuinterpretieren: „Ob es sich schneller verbreitet. Ob es schlimmer krank macht. Oder ob es die Wirksamkeit des Impfstoffs reduziert - wir haben darauf noch keine Hinweise.“ (as)

Rubriklistenbild: © Jill Connelly/imago-images

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