Professorin sieht einen Haken

Neuer Wirkstoff entdeckt: Macht ein Nasenspray jetzt weltweit kurzen Prozess mit dem Coronavirus?

  • Marcus Giebel
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Seit mehr als einem Jahr treibt Sars-CoV-2 sein Unwesen. Bislang stehen dem nur Impfstoffe entgegen. Doch schon bald könnte ein Nasenspray auf den Markt kommen, das dem Virus Einhalt gebietet.

München - Mund und Nase sind das Einfallstor für Sars-CoV-2 in den menschlichen Körper. Das ist die bisherige wissenschaftliche Erkenntnis. Denn oftmals befällt das neuartige Coronavirus die Atemwege oder die Lunge. Was läge also näher, als dem Eindringling direkt auf den ersten Zentimetern Einhalt zu gebieten? Genau diesen Weg verfolgen Forscher rund um den Globus - und verzeichnen offenbar erste Erfolge. Könnte ein Nasenspray zum großen Retter in der Not werden?

Das Unternehmen SaNOtize aus dem kanadischen Vancouver hat, laut einer britischen Studie, über die zunächst der BR berichtete, ein hochwirksames Mittel gegen das Virus zur Hand. Bei 79 an Covid-19 erkrankten Probanden sei die Viruslast nach Verabreichung des Nasensprays mit dem Namen NONS binnen 24 Stunden um 95 Prozent gesunken, nach 72 Stunden waren es sogar 99 Prozent.

Nasenspray gegen das Coronavirus: „Großer Fortschritt im Kampf gegen Auswirkungen der Pandemie“

Die Forscher betonen, dass die Mehrheit der Patienten mit der besonders tückischen Variante B.1.1.7 infiziert gewesen sei. Und es wird noch besser: Zu gesundheitsschädigenden Nebenwirkungen sei es nicht gekommen. „Ich gehe davon aus, dass dies ein großer Fortschritt im globalen Kampf gegen die verheerenden Auswirkungen der Pandemie sein wird“, wird der Virologe Stephen Winchester zitiert, demzufolge es sich sogar um eine revolutionäre Entwicklung handelt.

Grundlage von NONS ist Stickstoffmonoxid, das der Körper selbst produziert. Dessen antimikrobielle Eigenschaften hätten nachweislich direkten Einfluss auf Sars-CoV-2. Da das Mittel einfach herzustellen und zu lagern sei, könne es auch kostengünstig zur Verfügung gestellt werden. Und das ist noch nicht die letzte gute Nachricht: Das Nasenspray töte das Virus nicht nur bereits in den oberen Atemwegen ab und verhindere somit ein Vordringen in die Lunge, sondern soll auch die Infektiosität - also die Ansteckungsgefahr - verringern.

Wirkstoff gegen Coronavirus: Wirtschaft könnte sich offenbar um Monate oder Jahre schneller erholen

Die Kanadier sollen sich bereits um eine Zulassung in dem nordamerikanischen Staat sowie in Großbritannien bemühen. Sie versprechen sich eine rasche Rückkehr zum normalen Leben. So könne sich die gebeutelte Wirtschaft um Monate, wenn nicht gar Jahre schneller erholen als es infolge der aktuellen Impfkampagne zu erwarten sei.

„Der menschliche Preis kann nicht in Zahlen ausgedrückt werden und jeder Tag verstärkt die Angst, den Frust und den Verlust, unter denen Millionen Menschen auf der Welt leiden“, betont Gilly Regev, Geschäftsführer von SaNOtize: „Zusammen mit den Impfstoffen kann NONS dazu beitragen, die Welt wieder auf die Beine zu bekommen.“

Etwas skeptischer ist da Professorin Ulrike Protzer. Die Virologin der TU München sieht den vielversprechenden Ansatz, gibt aber beim BR im Hinblick auf Stickstoffmonoxid zu bedenken: „Wie das jetzt in höheren Dosen ist, wenn es vielleicht ständig freigesetzt wird, da muss man sicherlich gucken, was hat so etwas dann für Nebenwirkungen.“

Tut hoffentlich gar nicht weh: Forscher arbeiten fieberhaft an einem Nasenspray gegen das Coronavirus. (Symbolbild)

Stoppt Nasenspray Sars-CoV-2? Bonner Forscher setzen auf Unterbindung des Spike-Proteins

Einen etwas anderen Ansatz wählen Wissenschaftler aus Bonn. Das Team fokussiert sich auf ein sogenanntes Aptamer - das sind DNA-Ketten, die Moleküle binden und damit dessen Funktionalität beeinflussen können. Deren großer Vorteil: Sie sind einzelsträngig und damit flexibler als etwa eine Doppelstrang-DNA. Außerdem können Aptamer-Bibliotheken Unmengen an Wirkstoffen enthalten.

Professor Dr. Günter Mayer von der Universität Bonn erläutert: „Wir haben aus einer solchen Bibliothek Aptamere isoliert, die sich an das Spike-Protein des SARS-Coronavirus 2 heften können.“ Durch dieses Blockieren des für das Virus essentiellen Proteins wird eine Infektion unterbunden. Zwar lässt das erfolgversprechende Aptamer mit dem Namen SP6 das Andocken des Spike-Proteins ungewöhnlicherweise zu. „Dennoch unterbleibt danach die Infektion der Zelle - welcher Mechanismus dafür verantwortlich ist, wissen wir noch nicht“, betont Professor Dr. Michael Famulok.

Deutsche Forscher arbeiten an Corona-Wirkstoff: Bislang nur mit Pseudoviren getestet

Noch wurde der Vorgang nur an sogenannten Pseudoviren getestet. Diese verfügen über das Spike-Protein, können aber keine Krankheiten auslösen. Deshalb steht für Famulok und das Forscherteam der entscheidende Schritt noch aus: „Wir müssen nun sehen, ob unsere Ergebnisse sich auch bei echten Viren bestätigen.“

Auch die rheinischen Forscher wollen mit diesem Ansatz ein gegen Sars-CoV-2 wirksames Nasenspray auf den Weg bringen. Allerdings wird dieses noch einige Monate auf sich warten lassen müssen, da weitere Studien erforderlich sind. Dennoch deutet sich in Kanada wie Deutschland an: Die Luft für das Coronavirus wird dünner. (mg)

Rubriklistenbild: © Kenny Crookston/dpa

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