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Forscher sagen 400.000 Corona-Fälle täglich voraus: Nur ein einziges Szenario soll vierte Welle brechen können

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Von: Momir Takac

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Mediziner und Datenforscher haben analysiert, wie sich die Corona-Pandemie voraussichtlich entwickeln könnte, sollte nicht effizient gegengesteuert werden. Die Vorhersagen sind alarmierend.

Berlin - Die Corona-Pandemie in Deutschland ist aus dem Ruder gelaufen. Politiker aller Parteien ringen um einschränkende Maßnahmen, um die vierte Welle zu brechen. Doch ob die derzeitigen Maßnahmen, wie etwa die Einführung der 2G-Regel in Bayern, Sachsen, Hamburg und Baden-Württemberg ausreichen, ist im Moment nicht absehbar.

Besonders große Zweifel hat eine Gruppe von Wissenschaftlern, die sich mit Kontaktzahlen beschäftigen. Datenwissenschaftler der Berliner Firma NET CHECK, Prof. André Karch vom Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und Prof. Bernhard Renard vom Hasso-Plattner-Institut der Universität Potsdam haben den möglichen Verlauf der Pandemie berechnet. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass es Ende Dezember täglich bis zu 400.000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus geben könnte, sollten sich das derzeitige Kontaktniveau sowie die Impfgeschwindigkeit unverändert fortsetzen.

Forscher: Massiver Anstieg an Kontakten in zweiter Oktober-Hälfte schuld an aktueller Corona-Lage

Ab 300.000 Neuinfektionen gehen die Experten von einer kritischen Belastung der Gesundheitssysteme aus. Und auch Lothar Wieler, der Chef des RKI, rechnete zuletzt vor, was es für das System bedeutet, wenn sich täglich 50.000 Menschen mit dem Coronavirus infizieren. Sechs Prozent davon müssten in einer Klinik behandelt werden, mindestens elf Prozent davon müssten auf die Intensivstation, hatte Wieler auf einer Pressekonferenz erklärt. Hochgerechnet auf 400.000 Infizierte müssten 2.800 Menschen auf der Intensivstation versorgt werden. Zahlen, die das Gesundheitssystem zum Kollaps bringen würden. Schon jetzt klagen einige Regionen über eine angespannte Lage auf den Intensivstationen.

Eine Kurve zeigt den Verlauf von täglichen Corona-Neuinfektionen, sollte das Impftempo nicht verdoppelt, und Kontakte deutlich verringert werden.
Eine Kurve zeigt den Verlauf von täglichen Corona-Neuinfektionen, sollte das Impftempo nicht verdoppelt, und Kontakte deutlich verringert werden. © NET CHECK

400.000 Neuinfektion pro Tag stellen das Worst-Case-Szenario der Wissenschaftler dar. Berechnet wurde es mit dem Kontaktindex von NET CHECK, der täglich berechnet wird und das Kontaktverhalten in Deutschland beschreibt. Anhand von Millionen anonymisierter GPS-Daten von Smartphone-Nutzern wird das Kontaktverhalten der Bevölkerung analysiert. Mit dem Frühwarnsystem hatte NET CHECK bereits die zweite Corona-Welle korrekt vorhergesagt.

Net-Check-Experten sagten bereits zweite Corona-Welle richtig vorher

Behalten die Experten auch diesmal Recht, droht ein Schreckensszenario. Im Bericht heißt es: „Die Modellergebnisse legen nahe, dass es - unter unveränderter Fortführung der derzeitigen Bedingungen - im Dezember zu einer massiven Infektionswelle kommen kann, die die meisten Personen infizieren wird, die nicht geimpft sind.“ In der aktuellen Phase der Corona-Pandemie stellten die Forscher einen Anstieg der Kontakte fest, der in der zweiten Oktober-Hälfte besonders stark war. Laut der Studie kam es fast zu einer Verdopplung des Kontaktniveaus.

Drei Szenarien wurden gezeichnet:

Wissenschaftler prophezeien, dass an Kontaktbeschränkung kein Weg vorbei führt

Die Experten kommen in ihrer Studie zu dem Schluss, dass nur dann „akzeptable Fallzahlen erreicht werden können, indem die aktuellen Impfzahlen pro Tag verdoppelt und der Kontaktindex um 50 Prozent gesenkt werden.“ Dazu müssten Kontakte, „aber vor allem große Ansammlungen“, vermieden werden.

Auch müssten Kontakte mit potenziell infektiösen Personen etwa durch eine klar definierte Teststrategie“ reduziert werden. Praktisch kämen die Forderungen Kontaktbeschränkungen und einer Testpflicht auch für Ungeimpfte gleich. Eine düstere Winter-Prognose gab auch ein anderer Experte ab: Der Immunologe Peter Kern rechnet im Winter mit etwa 30 Millionen Corona-Infektionen.

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