1. Startseite
  2. Welt

Personalmangel wegen Omikron-Infektionen: Erste Kliniken melden Corona-Notstand

Erstellt:

Kommentare

Coronavirus Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH): Etwa 200 Pflegekräfte und 70 Ärztinnen und Ärzte
Die Einfahrt des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH): Etwa 200 Pflegekräfte und 70 Ärztinnen und Ärzte sind derzeit wegen einer Corona-Infektionen nicht einsatzbereit, heißt es in einem Bild-Bericht (Archivbild, 2014). © picture alliance / dpa | Carsten Rehder

Gesundheitsminister Lauterbach warnte vor hohen Fallzahlen im Herbst. Doch über Schleswig-Holstein rollt schon jetzt die Sommerwelle und sorgt für einen „Corona-Notstand“ in Kliniken.

Kiel - Die Corona-Zahlen steigen. Am Samstag gab das Robert-Koch-Institut die Sieben-Tage-Inzidenz mit 696 an, in der Vorwoche hatte sie noch bei 632 gelegen, im Vormonat bei 221 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Auch wenn die Inzidenz allein kein vollständiges Bild der Infektionslage liefert, gibt sie zumindest eine Tendenz wieder. Die Variante BA.5 gilt als besonders ansteckend und dominiert bereits das Infektionsgeschehen in Deutschland. Am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein und anderen Krankenhäusern im Bundesland fehlt deshalb das Personal.

Coronavirus-Notstand in Universitätsklinikum Schleswig-Holstein und anderen Krankenhäusern

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) warnte bereits, dass es ein schwerer Herbst werden würde. Er glaube, dass „wir mit der BA.5-Variante, die sich jetzt hier ausbreitet, große Schwierigkeiten bekommen werden“. Lauterbach rechnet mit sehr hohen Fallzahlen, was auch zu einer Überlastung der kritischen Infrastruktur führen könne. In zahlreichen Krankenhäusern und Kliniken in Schleswig-Holstein ist das bereits Realität. Zum einen kommen mehr Patienten wegen des Coronavirus zur Behandlung, zum anderen gibt es mehr Ausfälle bei Pflegern und Ärzten wegen einer Infektion.

Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) meldet derzeit eine sprunghafte Zunahme von COVID-erkrankten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an beiden Campussen. Zudem sei, wie im ganzen Land, das Patientenaufkommen in der Notaufnahme und in der stationären Versorgung erheblich gestiegen, hieß es in einer Mitteilung der UKSH vom Mittwoch. Im ganzen Land würden verschiedene Stationen und Fachbereiche geschlossen und Kliniken würden versuchen, durch „interne Umorganisation“ Herr der Lage zu werden, „so auch am UKSH.“ Das Personal dürfe nicht auf Dienstreisen gehen, hieß es in der Mitteilung weiter. „Wir brauchen in den Kliniken und Notaufnahmen derzeit alle Kapazitäten, um relevante akute Erkrankungen mit dem vorhandenen Personal versorgen zu können.“ Von den insgesamt 16.000 Mitarbeitern sollen derzeit 479 in Quarantäne sein, 200 Pflegekräfte und 70 Ärzte und Ärztinnen seien laut einem BamS-Bericht nicht einsatzbereit.

Personalmangel wegen Coronavirus: Bürger sollen sich nur in echten Notfällen an Notaufnahme wenden

Nicht nur das Universitätsklinikum ist betroffen, auch das Städtische Krankenhaus leidet unter Personalmangel, ebenso die Berufsfeuerwehr, niedergelassene Ärzte sowie das Lubinus Clinicum, wie die Stadt Kiel mitteilte. Im Kieler Rettungsdienst könnten die personellen Engpässe durch Personalverschiebungen innerhalb der Berufsfeuerwehr noch kompensiert werden, hieß es. Demnach wurden Feuerwehrleute für den Rettungsdienst eingeteilt.

Im Lubinus Clinicum seien bereits zwei Stationen und drei Operationssäle geschlossen worden. Die Notfallversorgung sei aber vollständig gesichert, hieß es. Patienten müssten sich jedoch auf längere Wartezeiten einstellen. „Es könnte an Platz für neue Patienten fehlen, sodass die Rettungswagen längere Fahren einplanen müssen“, schrieb die Stadt Kiel am Freitag auf Twitter. Allerdings hätten auch die Rettungsdienste mit hohen Kranken-Zahlen zu kämpfen. Man zähle daher auf die Mithilfe der Bevölkerung. „Die Kliniken bitten alle darum, die Notaufnahmen nur bei wirklichen Notfällen aufzusuchen.“ Man brauche alle Kapazitäten für relevante akute Erkrankungen wie etwa Herzinfarkte, Schlaganfälle, Sepsis oder schwer verunfallte und onkologische Patienten.

Der Appell der Kliniken in Schleswig-Holstein an die Bevölkerung war auch, die erprobten Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus wieder ernst zu nehmen. Der Kieler Gesundheitsdezernent Gerwin Stöcken bat außerdem: „Nicht zwingend notwendige Arztbesuche sollten ebenfalls verschoben werden.“ Die Gesundheitsministerin von Schleswig-Holstein, Kerstin von der Decken (CDU) rief Corona-Erkrankte oder Infizierte dazu auf, „zu Hause zu bleiben, um die Weitergabe der Infektion zu bremsen“. Auch nach der fünftägigen, verpflichtenden Isolation sollen die Bürger sich weiter isolieren, sofern der Selbsttest positiv ist oder Symptome vorliegen, sagte von der Decken weiter.

Auch interessant

Kommentare