Farah Demir steht mit Schutzanzug, Handschuhen, Haube und Mundschutz in einem Behandlungszimmer.
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Farah Demir arbeitet als Intensivkrankenschwester auf einer Corona-Station in Hannover.

Hannover

Trotz überlasteter Kliniken: Corona-Krankenschwester droht nach 34 Jahren die Abschiebung

  • vonZülal Acar
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Farah Demir ist in der Corona-Krise wichtiger denn je und könnte trotzdem bald abgeschoben werden. Die Intensivkrankenschwester lebt seit mehr als 30 Jahren in Deutschland.

Hannover - Sie wird in der Coronakrise dringender denn je gebraucht und soll trotzdem abgeschoben werden (*FR berichtete). Der Fall der 36-jährigen Krankenschwester Farah Demir hat bundesweit für Aufsehen gesorgt. Die staatenlose Frau lebt seit 34 Jahren in Deutschland und besitzt dennoch keinen Ausweis. Und die Behörden haben ihr eine Frist gesetzt: Wenn sie bis zum 20. Dezember keinen Pass vorzeigen kann, drohen der jungen Frau ernste Konsequenzen. Schlimmstenfalls sogar die Abschiebung.

Im Alter von zwei Jahren floh Demir mit ihren Eltern vor dem Bürgerkrieg im Libanon* im Jahr 1986, seither ist sie staatenlos. Das Aufenthaltsgesetz definiert die heutige Krankenschwester als „geduldete Person mit ungeklärter Identität“. Aufgrund ihrer Geburtsurkunde aus dem Libanon hatte Demir bis 2005 noch eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung, wie focus.de schreibt.

Krankenschwester in der Coronakrise: Aus dem Libanon geflohen und seit Jahrzehnten nur geduldet

Aus einem Petitionsschreiben geht jedoch hervor, dass diese Geburtsurkunde im Libanon aufgrund der staatlichen Strukturen nicht offiziell registriert werden konnte. Erst nach einem „Wechsel in der Sachbearbeitung der zuständigen Ausländerbehörde“ sei der Krankenschwester die unbefristete Aufenthaltsgenehmigung entzogen worden.

Seit 2005 ist ihre Duldung bislang alle sechs Monate verlängert worden. Farah Demir darf sich aktuell bis Ende 2020 in Deutschland aufhalten. Bislang wurde die Verlängerung der Duldung als Formalie gehandhabt, doch nun will die Ausländerbehörde Hameln bis zum 20. Dezember Papiere sehen, die Identität der Frau bestätigen.

Farah Demir: Medizinische Hochschule setzt sich für Pflegerin ein

Als kleines Mädchen kam Farah Demir mit ihrer Familie über die DDR in die Bundesrepublik Deutschland. Nach dem Abitur machte sie eine Ausbildung zur Fachkrankenschwester. Die 36-Jährige arbeitet heute auf der Corona-Intensivstation der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und wird dort im Kampf gegen das Coronavirus* dringend gebraucht - und trotzdem droht ihr die Abschiebung.

Die MHH setzt sich jetzt für ihre Krankenschwester ein. Der Personalrat hat eine Onlinepetition ins Leben gerufen, die sich an Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) richtet. Das Ziel der Petition ist eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung für die Pflegerin.

Dass eine Abschiebung der Krankenschwester thematisiert oder gar geplant sei, bestreitet die Ausländerbehörde jedoch. „Die Duldung wird aktuell nicht aufgehoben, der Aufenthalt wird weiterhin geduldet. Es droht somit keine Abschiebung.“ Dennoch ist derzeit unklar, was passiert, wenn die Frist für Farah Demir am 20. Dezember verstreicht und sie keine Identitätsnachweise erbringen kann. *FR.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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