Kritische Prognose im Alpenland

Österreich im Corona-Lockdown: Neuer Rekordwert - „Alle 21 Sekunden wird jemand positiv getestet“

  • Patrick Mayer
    vonPatrick Mayer
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  • Patrick Huljina
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In Österreich tritt ab Dienstag ein zweiter Lockdown in Kraft. Die Politik warnt vor einer Überlastung des Gesundheitssystems. „Alle 21 Sekunden wird jemand positiv getestet.“

  • Die zweite Welle* der Corona-Pandemie* hat in Österreich für einen zweiten Lockdown gesorgt.
  • Ab Dienstag gilt unter anderem eine Ausgangssperre von 20 Uhr bis 6 Uhr morgens.
  • Gesundheitsminister Rudolf Anschober warnte am Montag vor einer baldigen Überlastung des Gesundheitssystems.
  • Dieser News-Ticker ist beendet. Die Fortsetzung ab dem 5. November finden Sie hier.

Update vom 4. November, 14.24 Uhr: Das österreichische Innenministerium teilte am Mittwoch mit, dass binnen 24 Stunden 6211 Corona-Neuinfektionen in Österreich verzeichnet wurden - so viele wie noch nie zuvor. Insgesamt waren über 2500 Infizierte im Krankenhaus, 383 davon auf einer Intensivstation.

Corona in Österreich: Oberösterreich absoluter Hotspot - viele Ansteckungen in Wien

Update vom 4. November, 10.28 Uhr: Seit Dienstag ist in Österreich der „Lockdown light“ in Kraft. Infektiologen und Virologen fürchten, dass sich in den letzten Tagen davor noch eine beträchtliche Anzahl an Menschen mit dem Coronavirus angesteckt haben könnte. Gestern wurden innerhalb von 24 Stunden offiziell 4.182 neue Coronavirus-Fälle registriert. Die Zahlen aus Niederösterreich fehlten allerdings aufgrund technischer Probleme. Es gab an einem Tag 213 neue Hospitalisierungen. 45 Menschen mussten auf die Intensivstationen transferiert werden. Innerhalb eines Tages gab es 29 neue Corona-Todesfälle.

Die Region Oberösterreich kristallisiert sich seit Tagen als absoluter Corona-Hotspot des Nachbarlandes heraus. Gestern wurden dort mit 1.098 Neuinfektionen die meisten Fälle verzeichnet. In Wien, das bereits sehr viele Corona-Patienten auf der Intensivstation hat, gab es gestern erneut 830 neue Ansteckungen.

Corona in Österreich: „Alle 21 Sekunden wird jemand positiv getestet“

Update vom 02. November, 20.19 Uhr: Die Corona-Krise nimmt auch in Österreich wieder Fahrt auf. Das Nachbarland von Deutschland wird zurück in den Lockdown geschickt, damit die Pandemie weiter eingedämmt werden kann. Am Montagabend bat Bundespräsident Alexander van der Bellen um Verständnis für die Verschärfung der Maßnahmen. Im auf ORF 1 ausgestrahlten Statement appellierte der parteilose Politiker zu mehr Eigenverantwortung.

Denn „die Regierung allein wird die Pandemie nicht besiegen.“ Alle Bewohner der Alpenrepublik seien jetzt gefordert. Jetzt können wir beweisen, dass Gemeinschaft für uns nicht nur ein leeres Wort ist. Jetzt retten Sie Leben.“ Die Lage im Land ist ernst. Sehr ernst. Denn „alle 21 Sekunden wird in Österreich jemand positiv getestet.“

Alexander van der Bellen bat eindringlich um Einhalten der Regelungen. Abschließend verbreitete der Bundespräsident aber auch Optimismus.

Dass die aktuelle Situation nicht immer leicht sei, wisse van der Bellen, der gehofft hatte, „dass ich diese Rede nicht halten muss.“ Im Augenblick stünden „zwei Grundrechte im Konflikt miteinander: Das Recht auf Freiheit und das auf Gesundheit. Beides sind elementar wichtige Rechte. Aber im Augenblick müssen wir einen Bereich aufgeben, um die Gefahr für unsere Gesundheit abzuwenden.“

Am Ende einer etwa siebenminütigen Rede stand ein positiver Schlusssatz. „Nicht nur das Virus, sondern auch Mut und Hoffnung übertragen sich von Mensch zu Mensch. Und Mut und Hoffnung werden siegen.“

Coronavirus-Pandemie in Österreich: Polizeipräsenz wird massiv erhöht - kommt es zu Schulschließeungen?

Update vom 02. November, 16.55 Uhr: Österreich bereitet sich notfalls auf eine Schließung der Schulen vor, sollte der Corona-Lockdown die Neuinfektionen binnen 14 Tagen nicht maßgeblich drücken.

„Ja, wir wären gerüstet“, erklärte Bildungsminister Heinz Faßmann am Montag auf einer Pressekonferenz: „Es geht um einen Monat, hoffentlich nicht länger.“

Update vom 02. November, 16.20 Uhr: Die Polizeipräsenz wird mit Inkrafttreten der nächtlichen Ausgangssperre in ganz Österreich massiv erhöht. Das berichtet die Kleine Zeitung aus Graz.

Demnach müssen zum Beispiel Arbeitnehmer nach 20 Uhr den Behörden glaubhaft vermitteln können, dass sie auf dem Weg hin oder zurück vom Job sind. „Es wird eine massive Polizeipräsenz geben“, zitiert die Zeitung das Bundesinnenministerium.

Wien: Ein Polizist mit Maske steht hinter einer Absperrung in der Innenstadt.

Coronavirus-Pandemie in Österreich: Alexander Van der Bellen spricht wegen Lockdown zu den Bürgern

Update vom 02. November, 16 Uhr: Das Staatsoberhaupt wendet sich in der Coronavirus-Pandemie an die Österreicher.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen spricht um 19.54 Uhr auf ORF 1 und ORF2 zu den Bürgern, um für die neuen Corona-Beschränkungen zu werben. Er wolle aufrufen, die Maßnahmen der Regierung von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) mitzutragen, hieß es aus der Hofburg gegenüber der Nachrichtenagentur APA.

Update vom 02. November, 15.30 Uhr: Immer mehr Details dringen nach außen, wie sehr der neuerliche Corona-Lockdown in Österreich Auswirkungen auf das Leben der Bürger haben wird.

So soll der österreichische Handel während des Lockdowns bereits um 19 Uhr schließen. Dies hängt eng mit den Ausgangsbeschränkungen zusammen, die ab Mitternacht von Montag auf Dienstag in Kraft treten - und täglich von 20 Uhr bis um 6 Uhr des Folgetages gelten sollen.

Coronavirus-Pandemie in Österreich: Lockdown samt Ausgangsbeschränkungen tritt um 0 Uhr in Kraft

Erstmeldung vom 02. November: Wien - Ab Dienstag um 0 Uhr tritt in Österreich als Maßnahme zur Eindämmung der rasant steigenden Corona-Infektionszahlen ein zweiter Lockdown bis Ende November in Kraft.

Das verkündete Bundeskanzler Sebastian Kurz am Samstag in Wien. „Es ist notwendig, diesen Schritt zu setzen, um eine Überlastung der Intensivmedizin zu verhindern“, erklärte er. Das Ziel sei es, im Dezember schrittweise wieder zu öffnen und zu einem halbwegs normalen Leben zurückzukehren.

Corona in Österreich: Gesundheitsminister warnt vor Überlastung des Gesundheitssystems

Am Montag meldeten die Behörden in Österreich erneut mehr als 4000 neue Corona*-Fälle innerhalb eines Tages. Zudem wurde innerhalb einer Woche ein Anstieg von 78 Prozent bei der Auslastung der Intensivbetten vermeldet. Am Montag bedurften 336 Patienten intensivmedizinischer Betreuung - 45 Personen mehr als noch am Vortag.

Diese Zahlen präsentierte Gesundheitsminister Rudolf Anschober am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien. Ohne eine Trendwende bei der Zahl der Neuinfektionen steuere Österreich auf eine baldige Überlastung des Gesundheitssystems zu.

Mit einer kritischen Lage wäre dann bereits in der zweiten Novemberhälfte zu rechnen, sagte Anschober. Daher sei es notwendig, dass sich die Bevölkerung strikt an die neuen Maßnahmen im teilweisen Lockdown halte.

Corona in Österreich: Lockdown gilt ab Dienstag

Ab Dienstag wird das öffentliche Leben in Österreich massiv eingeschränkt. Ab Mitternacht gelten unter anderem folgende Regeln:

  • Es gilt eine Ausgangssperre von 20 Uhr bis 6 Uhr morgens. Erlaubt ist das Verlassen des privaten Wohnraums nur zur Erholung im Freien, für Grundbedürfnisse, zur Betreuung oder familiärer Unterstützung, zur Arbeit oder bei Gefahren.
  • Es dürfen sich nur noch bis zu sechs Personen aus zwei Haushalten treffen.
  • Die Gastronomie muss schließen. Der Lieferservice darf rund um die Uhr arbeiten. Die Abholung von Speisen und Getränken ist lediglich zwischen 6 Uhr und 20 Uhr erlaubt.
  • Der gesamte Kulturbetrieb muss für vier Wochen pausieren. Das betrifft die Oper ebenso wie Konzerte, Theater und Kinos. 
  • Kindergärten, Volksschu­len und Unterstufen bleiben weiterhin offen. Für Oberstufenschüler und Studenten gilt Distance Learning.
  • Unternehmen sollen, wenn möglich, auf Homeoffice umstellen.
  • Fitnesstudios, Schwimmbäder und Saunas müssen schließen.
  • Der Profisport darf nicht mehr vor Publikum stattfinden. Der private Kontaktsport, beispielsweise Amateurfußball oder Kampfsport, muss pausieren.
  • Bewohner von Pflegeheimen und Krankenhäusern dürfen nur einen Besucher pro zwei Tagen empfangen. Besucher brauchen zudem einen negativen Corona-Test*.

Der Strafkatalog zum Lockdown sieht drastische Strafen bei Verstößen gegen die neuen Corona*-Regeln vor, wie oe24.at berichtet. Das Nichtbeachten der Maskenpflicht kostet mindestens 25 Euro. Bei einer Verletzung des Mindestabstands muss mit einer Strafe von 50 Euro gerechnet werden. Für einen Verstoß gegen die nächtlichen Ausgangssperren sollen bis zu 1450 Euro fällig werden. Noch höher sind die Strafen für Gastronomen, die gegen den Lockdown verstoßen. Hier können bis zu 30.000 Euro Strafe anfallen.

Corona in Österreich: Kritik an der Regierung - Söder äußert sich zum Vorgehen

Vonseiten der Opposition hagelte es Kritik am Umgang der Regierung mit der Corona-Krise*. „Die Regierung hat die Kontrolle über das Infektionsgeschehen verloren und hat die schwierige Situation, vor der wir jetzt stehen, zu verantworten“, kritisierte SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner. Wiens Stadträtin Ulli Sima schoss auf Facebook gegen Kanzler Kurz. „Zusammenarbeit mit Wien? Fehlanzeige! Vorinformation gibt’s scheinbar maximal für ÖVP-regierte Länder“, bemängelte sie.

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder teilte ebenfalls gegen das Vorgehen des Nachbarlandes in der Corona-Pandemie aus. In der ARD-Sendung Anne Will* sagte er, dass Österreich eine Zeit lang mit den Maßnahmen vor Deutschland war. Man habe sich vieles gut abgucken können.

Österreich habe dann allerdings lange gezögert und auch Probleme mit Masken gehabt und müsse nun ganz scharf und dramatisch nachziehen, urteilte der CSU-Chef. „Immer dann, wenn jemand zu lange gewartet hat, muss er sehr scharf nachziehen“, erklärte Söder. (ph) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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