Duisburg: Im Johanniter Krankenhaus wird eine Corona-Patientin auf der Intensivstation behandelt. (Symbolbild)
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Duisburg: Im Johanniter Krankenhaus wird eine Corona-Patientin auf der Intensivstation behandelt. (Symbolbild)

„Patienten sehr viel jünger“

Österreichische Krankenhäuser füllen sich mit Ungeimpften - Trend auch in Deutschland erkennbar

  • Patrick Mayer
    VonPatrick Mayer
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Die Zahl der Corona-Patienten in Österreich steigt deutlich. Auf den Stationen landen meist Ungeimpfte. Ein Trend, der auch in Deutschland zu beobachten ist.

München/Wien - Zwischen Wörthersee und Salzburg, zwischen Tiroler Alpen und Millionenmetropole Wien: Die Corona-Zahlen in Österreich steigen Ende August deutlich bis markant. So wurden in der Alpenrepublik zuletzt über 1500 Neuinfektionen täglich registriert. Und das im Hochsommer. Und das, obwohl laut Gesundheitsministerium bis zum 26. August 57,69 Prozent der Gesamtbevölkerung gegen das heimtückische Coronavirus vollimmunisiert waren. Das entsprach zu diesem Zeitpunkt genau 5,15 Millionen Menschen.

Österreich: Kliniken füllen sich wieder mit Corona-Patienten - vor allem Ungeimpfte darunter

Aber: Parallel füllen sich verschiedenen Berichten zufolge die Corona-Stationen in den Krankenhäusern wieder mit Patienten. Stellt sich die Frage, wer in die Kliniken kommt, während die Impfkampagne seit Monaten europaweit auf Hochtouren läuft? Für Aufsehen sorgte bei Twitter ein Posting des Mediziners Arschang Valipour.

Der Leiter der Covid-Station der Klinik Florisdorf in Wien schrieb in einem Tweet vom 23. August: „In den letzten 24 h wurden 10 PatientInnen mit spitalspflichtiger Erkrankung und O2-Bedarf an unserer Abteilung stationär aufgenommen. Davon 9 nicht bzw unvollständig geimpft. Noch Fragen?“

Landen also vor allem Ungeimpfte in den Krankenhäusern und an den Beatmungsgeräten? „In der Zwischenzeit sind es mehr. Wir haben rund 20 Patientinnen und Patienten in der Klinik Florisdorf, davon fünf auf der Intensivstation“, erklärte Valipour am 25. August in der Sendung „Café Puls“ bei Puls4: „Einige haben sich innerhalb kurzer Zeit sehr stark verschlechtert, sodass sie intensivmedizinische Betreuung benötigen.“ Das, was er zuvor getweetet habe, „spiegelt sich tatsächlich wider. Nicht nur bei uns, sondern auch in anderen Kliniken des Wiener Gesundheitsverbundes. Dass rund 80 bis 90 Prozent derjenigen, die stationär aufgenommen werden, nicht geimpft sind oder bestenfalls eine Teilimmunisierung haben“, erklärte der Wiener Arzt in der Sendung.

Coronavirus-Pandemie: Großteil der Corona-Intensivpatienten ist ungeimpft

Der Anteil der hospitalisierten Corona-Patienten, „die vollständig geimpft sind“, sei dagegen „sehr gering. Das sind dann hauptsächlich Personen, die eine Immunschwächung oder schwere Erkrankungen haben, die dazu beitragen, dass der Körper nicht ausreichend Antikörper aufbauen kann“, erklärte er. Wie das Nachrichtenportal oe24.at zeitgleich berichtete, waren am 26. August knapp 80 Prozent der zu diesem Zeitpunkt 306 Covid-Patienten in Österreich ungeimpft oder nur einmalig immunisiert.

„Wir stehen am Anfang der vierten Welle.“

Professor Dr. Stephan Budweiser, Rosenheim

Ein Blick in der Pandemie nach Deutschland: Dort ist derselbe Trend klar erkennbar. Zum Beispiel im bayerischen Rosenheim, unweit der Grenze zum Salzburger Land. Beinahe alle Covid-Patienten, die Ende August im Rosenheimer Romed-Klinikum behandelt werden, seien ungeimpft, berichtet das Oberbayerische Volksblatt (OVB)* unter Berufung auf das Krankenhaus. „Wir stehen am Anfang der vierten Welle“, erklärte der Facharzt für Lungenheilkunde, Professor Dr. Stephan Budweiser.

„Wenn wir eine gewaltige vierte Welle vermeiden wollen, müssen wir noch enorm zulegen“, sagte der Mediziner laut OVB weiter mit Blick auf die Corona-Impfkampagne.

Im Video: Arschang Valipour - Zahl der Corona-Intensivpatienten steigt in Wien markant

Rosenheim dient als Einzelbeispiel für eine gesamtdeutsche Entwicklung: Bereits am 19. August hatte das Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) in seinem wöchentlichen Lagebericht beschrieben, dass über 94 Prozent der Covid-Patienten auf den Corona-Intensivstationen ungeimpft sind. Konkret: Demnach wurden in der Bundesrepublik zwischen Ende Juli bis Mitte August 309 Covid-Patienten auf den Intensivstationen behandelt, nur 17 von ihnen waren geimpft.

Ein weiteres Beispiel: „Was man ganz klar sieht: Etwa 80 Prozent der Patienten, die im August zu uns kamen, waren ungeimpft“, sagte Lungenarzt Cihan Çelik vom Klinikum Darmstadt der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Der Darmstädter Mediziner meinte weiter: „Wie erwartet sind die Patienten jetzt sehr viel jünger, der Altersschnitt unserer Patienten liegt im August bisher bei knapp über 40. Das ist ein Riesenunterschied zu einem Altersschnitt von über 70 in den ersten beiden Wellen.“ Seiner Beobachtung nach hätten viele der Patienten zudem einen sozioökonomisch niedrigeren Status. Sie kämen also, vereinfacht, aus sozial schwächeren und ärmeren Bevölkerungsschichten.

Österreich und Deutschland: Immer mehr Ungeimpfte landen auf den Corona-Stationen

Ob Österreich oder Deutschland: Die Corona-Stationen füllen sich wieder mit deutlich mehr Patienten - und die meisten davon sind übereinstimmenden Berichten zufolge ungeimpft. (pm) *ovb-online.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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