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Corona-Jahr 2022: Top-Virologe hofft auf „Normalität“ im Frühjahr - „Könnten es schaffen“

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Von: Andreas Schmid

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Wie lange ist Deutschland noch von Corona gezeichnet? Virologe Martin Stürmer sieht das Covid-Jahr 2022 optimistisch. Schon bald könnte es Entspannung geben.

München - Corona, ein Thema, das auch 2022 aktuell bleiben wird. In welcher Form, scheint derzeit noch nicht absehbar. Reicht die Impfquote von 71 Prozent (Stand: 1. Januar)? Wie beeinflusst die Corona-Variante Omikron das Pandemiegeschehen? Kommt es zur „massiven fünften Welle“, die Gesundheitsminister Karl Lauterbach Mitte Dezember prognostiziert hat? Und wann entspannt sich die Corona-Lage wieder?

Corona: Immunologe optimistisch - „wir könnten Normalität im Frühjahr oder Sommer schaffen“

Der Virologe Martin Stürmer äußert sich zum Jahresanfang zuversichtlich. „Es ist wichtig, den Menschen aufzuzeigen, dass wir auf einem guten Weg sind: Wir könnten es schaffen, im Frühjahr oder Sommer wieder zur Normalität zurückzukehren“, sagte der 53-Jährige der Bild.

Damit Deutschland vor einem coronastressfreien Jahr 2022 steht, brauche es laut Stürmer allerdings mehr Tempo beim Boostern. Alle Bevölkerungsteile - auch zum Beispiel Unter-Fünfjährige - sollten eine Auffrischimpfung erhalten. „Das ist wichtig, damit wirklich alle anderen gut geschützt sind, weil es immer Menschen geben wird, die sich nicht impfen lassen wollen.“ In Israel, einem der Vorreiterländer in Sachen Boosterimpfung, wird aktuell schon die vierte Impfung verabreicht.

Virologe Dr. Martin Stürmer, Leiter eines Medizinlabors und Lehrbeauftragter für Virologie an der Universität Frankfurt.
Virologe Dr. Martin Stürmer, Leiter eines Medizinlabors und Lehrbeauftragter für Virologie an der Universität Frankfurt. © teutopress/imago

Corona: Impfung schützt vor schwerem Verlauf

Die Impfung bleibe der Schlüssel zum Ende der Pandemie. Diesen immer wieder von der Bundesregierung betonten Aspekt stützt auch Andreas Radbruch, Präsident der Europäischen Föderation der Immunologischen Fachgesellschaften. „Die hohe Rate der vollständig zweimal Geimpften von mehr als 80 Prozent bei den über 18-Jährigen und mehr als 85 Prozent bei den über 60-Jährigen hat zu einer deutlichen Senkung der Krankheitslast beigetragen“, sagte Radbruch dem Blatt und verwies auf den Schutz einer Impfung vor schweren Erkrankungen.

Mehr als sechs Monate nach der zweiten Impfung beträgt der Schutz vor einem schweren Verlauf laut Radbruch „bei Infektion mit allen bisherigen Varianten von SARS-CoV-2 noch über 95 Prozent“. Bei Omikron gehe man laut aktuellen Erkenntnissen von einem Schutz von 70 Prozent aus. Da Omikron erst kürzlich aufgetreten ist, können sich diese Erkenntnisse jedoch rasch ändern.

Übrigens werden in Zukunft neue Impfstoffe verfügbar sein. Vakzine wie Novavax oder Valneva unterscheiden sich vom Impfstofftyp von den bisher gängigen Impfstoffen, könnten einen Teil der Ungeimpften womöglich von einer Impfung überzeugen - und damit wohl ebenfalls zu einem schnelleren Ende der Pandemie beitragen. Aktuell sind Nicht-Geimpfte nach übereinstimmenden Experten-Äußerungen deutlich schlechter vor Omikron geschützt als Immunisierte. Lauterbach sagte am Sonntag, er sei „sehr, sehr in Sorge um die Ungeimpften, die jetzt in die Omikron-Welle laufen“.

Omikron-Panik? Neue Corona-Variante ansteckender, aber auch milder

Aktuell deutet vieles daraufhin, dass Omikron zwar ansteckender, aber im Krankheitsverlauf milder ist als seine Vorgänger wie etwa Delta. Heißt: Es infizieren sich deutlich mehr Menschen, was an den Rekordinfektionszahlen in ganz Europa zu sehen ist. Aber: Weniger Infizierte landen aufgrund eines schweren Verlaufs auf der Intensivstation. Das zeigt die sogenannte Hospitalisierungsrate. Sie gibt an, wie viele Menschen von 100.000 innerhalb einer Woche wegen Covid-19 ins Krankenhaus müssen. Aktuell liegt sie durchschnittlich bei 3,12 (Stand: 2. Januar). Zum Vergleich: Anfang Dezember bewegte sich die Hospitalisierungsrate um Werte von 12, an Weihnachten 2020 erreichte sie mit knapp 16 den bisherigen Rekordwert.

Der Virologe Klaus Stöhr warnt daher auch vor etwaiger Panik. Er könne nicht ganz nachvollziehen, woher die teilweise dramatische „Linguistik“ komme, mit der in Deutschland die Ausbreitung der neuen Corona-Variante beschrieben werde, sagte Stöhr dem NDR. „Das Virus hat sich jetzt angepasst. Dadurch dass die oberen Atemwege betroffen sind - also Nase und Rachen, nicht die Lunge - wird der Erkrankungsverlauf milder.“ Dieser milde Verlauf habe unmittelbare Auswirkungen auf das Gesundheitssystem. „Die Realität ist dann in den Krankenhäusern zu sehen“, sagte Stöhr mit Verweis auf die niedrige Hospitalisierungsrate. Dennoch gehe es weiterhin darum, das Infektionsgeschehen einzudämmen und unnötige Kontakte zu vermeiden. Wann die viel zitierte Normalität zurückkehrt, scheint insgesamt noch nicht vollends klar. (as)

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