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Regel-Überblick: Lockern oder Lockdown? So grundverschieden geht Europa mit Omikron um

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Von: Sebastian Horsch, Stefan Sessler, Christian Deutschländer, Marc Beyer

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Jede Menge 2G-Plus-Hinweise.
Jede Menge 2G-Plus-Hinweise. Aber wie sieht es eigentlich in unseren Nachbarländern mit den Corona-Regeln derzeit aus? © picture alliance/dpa | Marcus Brandt

Ein Blick auf die aktuellen Corona-Strategien in sieben ausgewählten Ländern Europas zeigt, wie unterschiedlich dort Omikron angegangen wird.

München - „Kurs halten!“, war die Devise des Bund-Länder-Gipfels Anfang der Woche. An den Corona-Regeln in Deutschland haben Bundeskanzler Scholz und die Länderchefs - mit Ausnahme von Markus Söder - nur minimal gedreht. Doch wie begegnen eigentlich andere Länder der Omikron-Wand? Ein Überblick.

Corona-Regeln in Großbritannien: „Masken runter!“, meint Boris Johnson

Die Infektionszahlen in Großbritannien sind zuletzt um die Hälfte gesunken – aber immer noch imposant. Gestern betrug die Inzidenz 954,2. Angesichts der positiven Tendenz (und des politischen Gegenwinds aus allen Richtungen) kündigte Premier Boris Johnson zuletzt umfassende Lockerungen der ohnehin schon großzügigen Regeln in England an.

Die anderen Landesteile verfahren ähnlich. Ab Donnerstag (27. Januar) entfällt die Maskenpflicht, auch die Arbeit im Homeoffice wird nicht mehr offiziell empfohlen. Ende März soll für positiv Getestete sogar die Quarantänepflicht aufgehoben werden. Johnsons Begründung: Man zwinge sie ja auch nicht zur Isolation, „wenn sie die Grippe haben“. Ab Mitte Februar entfällt zudem für Geimpfte bei der Einreise die Testpflicht.

Was machen die Nachbarn? Lockdown bald vorbei! Das sind die Corona-Regeln in Österreich

Während in wenigen Tagen die Impfpflicht in Kraft tritt, hebt die österreichische Regierung am kommenden Montag den Lockdown für Ungeimpfte auf. Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) kündigte die Maßnahme gestern an und berief sich auf ein Experten-Gremium, das trotz weiterhin hoher Infektionszahlen keine Überlastung der Intensivkapazitäten mehr befürchtet. Einschränkungen gelten für Ungeimpfte weiterhin in großen Teilen des öffentlichen Lebens, wo die 2G-Regel Bestand hat.

Am Mittwoch (26. Januar) meldete das Gesundheitsministerium in Österreich mehr als 34 000 neue Corona-Fälle. Auf Deutschland hochgerechnet ergäbe das mehr als 300 000 Patienten. Die aktuelle Sieben-Tage-Inzidenz beträgt 2026. Die Experten erwarten in den nächsten zwei Wochen einen Anstieg auf über 40 000. Sobald der Höhepunkt der fünften Welle überwunden sei, solle über Lockerungen nachgedacht werden, sagte Nehammer. Besonders umstritten ist die Sperrstunde in der Gastro um 22 Uhr.

Skifahrer stehen vor einer Informationstafel mit der Aufforderung nach FFP2-Masken und 2G-Nachweis
Skifahrer stehen vor einer Informationstafel mit der Aufforderung nach FFP2-Masken und 2G-Nachweis im Skigebiet Altenmarkt-Zauchensee. © picture alliance/dpa/APA | Barbara Gindl

Niederlande: Der harte Corona-Kurs endet - der Lockdown hat nichts gebracht

Die Niederlande waren in diesem Omikron-Winter das einzige westeuropäische Land, das es noch einmal mit einem harten Lockdown versucht hat. Dieser Versuch ist gescheitert, die Sieben-Tage-Inzidenz steigt und steigt, derzeit liegt sie bei 2034 – obwohl wegen der Menge der Fälle nicht mehr alle Infektionen rechtzeitig in die Statistik einfließen.

Da gleichzeitig die Zahl der Intensivpatienten sinkt und die Diskussion über den Lockdown immer hitziger wurde, lockert die neue Regierung von Ministerpräsident Mark Rutte die Maßnahmen – auch wenn der eigene Gesundheitsminister warnt. Vor elf Tagen wurde der Lockdown beendet, gestern gab es weitere Lockerungen. So dürfen die Gastronomie sowie Kultureinrichtungen mit 3G wieder bis 22 Uhr öffnen. Die Stadien dürfen im Freien wieder zu einem Drittel mit Zuschauern gefüllt werden. Schüler unter 18 müssen nach dem Kontakt mit einer infizierten Person künftig nicht mehr in Quarantäne, sofern sie keinerlei Beschwerden haben.

Corona-Regeln in der Schweiz: Strengere Linie hält

Streit über die Corona-Regeln? Dann eben ein Volksentscheid. Mit direkter Demokratie haben die Schweizer den Krach etwas entschärft. Ende November fand sich eine 62-Prozent-Mehrheit für das Covid-19-Gesetz. Die aus vier Parteien zusammengewürfelte Regierung der Schweiz – anfangs sehr zögerlich und von manchen Kantonen gebremst – steuerte auf eher strenge Regeln zu. 2G und Maskenpflicht für Kultur, Freizeit, Sport, Gastronomie, sogar 2G-Plus für Bars, Bäder und die Blasmusik.

Der Rahmen gilt bis Ende März, für die freiheitsliebenden Schweizer ist das viel und lang. Rufe nach Lockerungen werden allmählich wieder laut, vor allem aus der Wirtschaft. Tenor: Die Fallzahlen mögen exorbitant sein – 43 000 pro Tag –, aber die Intensivstationen leeren sich etwas, derzeit zu 76,4 Prozent ausgelastet. Die Impfquote ist mit 68 Prozent aber niedrig. Keine Impfpflicht.

Omikron erwischt Dänemark gerade voll: Auf der Karte sieht man die täglichen Corona-Fälle pro eine Million Einwohner.
Omikron erwischt Dänemark gerade voll: Auf der Karte sieht man die täglichen Corona-Fälle pro eine Million Einwohner. © Merkur-Grafik

Italiens Corona-Maßnahmen: Die Omikron-Welle flacht ab

Italien scheint den Höhepunkt der Omikron-Welle gerade hinter sich gebracht zu haben. Anfang Januar verzeichneten die Behörden teilweise über 200 000 Ansteckungen am Tag, nun gehen die Zahlen wieder zurück. Trotz aber immer noch hoher Inzidenzen sind Geschäfte und Restaurants für Geimpfte und Genesene offen. Im Land gilt eine Corona-Impfpflicht für Über-50-Jährige und bestimmte Berufe. Die Impfquote liegt bei rund 90 Prozent.

Bereits seit dem Sommer gilt in Italien landesweit der sogenannte „Grüne Pass“, in dem Impfungen, Genesungen und Tests festgehalten werden. Nur mit diesem Pass ist es möglich, zum Beispiel Sportveranstaltungen, Konzerte oder Theater zu besuchen. „Der nächste Schritt sollte sein, dass für dreifach Geimpfte noch weniger Einschränkungen gelten werden“, sagte Vize-Gesundheitsminister Pierpaolo Sileri der „Welt“.

Dänemark: Keine Angst vor Covid - keine Beschränkungen mehr

Dänemarks Gesundheitsminister Magnus Heunicke will die Einstufung von Covid-19 als Bedrohung für die Gesellschaft ab dem 1. Februar aufheben – trotz extrem hoher Fallzahlen. Wenn das Parlament zustimmt, würden de facto alle Corona-Restriktionen wie etwa die Gesundheitspass-Pflicht, die Maskenpflicht und verkürzte Öffnungszeiten für Lokale aufgehoben. Dänemark wäre damit das erste EU-Land, das in der Omikron-Welle ein Ende aller Corona-Beschränkungen beschließt.

Am Dienstag (25. Januar) registrierte Dänemark rund 46 000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Die Krankenhäuser des 5,8-Millionen-Einwohner-Landes sind jedoch nicht überlastet. Heunicke begründete sein Vorhaben mit der hohen Impfquote in Dänemark. 3,5 Millionen Menschen und damit mehr als 60 Prozent der Bevölkerung in Dänemark haben bereits eine Booster-Impfung erhalten.

Corona-Beschränkungen in Irland: Der Sturm ist vorbei - es wird gelockert

Irland steigt aus. Das Land wird am Samstag den größten Teil seiner im vergangenen Monat eingeführten strikten Beschränkungen wieder aufheben. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt mit 764 nur knapp unter der deutschen Inzidenz von 941. Die Gesundheitslage habe sich deutlich verbessert, sagte Regierungschef Micheal Martin kürzlich. „Wir haben den Omikron-Sturm überstanden.“

Ab Samstagmorgen (29. Januar, 6 Uhr) wird für den Besuch von Pubs, Restaurants und Nachtclubs kein Nachweis einer Impfung oder Genesung mehr verlangt. Kneipen, Bars und Restaurants müssen nicht mehr am frühen Abend schließen, auch die Abstandsregeln werden aufgehoben. Die Besucherzahl von Veranstaltungen im Innen- und Außenbereich wird nicht mehr beschränkt, private Treffen zu Hause sind nun uneingeschränkt wieder möglich .Ab Montag (31. Januar) können Arbeitnehmer zudem schrittweise an ihren regulären Arbeitsplatz zurückkehren. Einzig die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr und in den Geschäften soll in Irland bis mindestens Ende Februar weiter gelten. (hor/cd/sts/mb)

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