Mehrere Menschen sind in einem überdachten Einkaufscenter unterwegs
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Vorsicht, Ansteckungsgefahr! In Israel gehen nun wieder altbekannte Viren um.

Kinder und Erwachsene sind betroffen

Zahl der Virusinfektionen in Israel steigt rasant an und verwirrt Mediziner: „So etwas noch nicht erlebt“

  • Marcus Giebel
    VonMarcus Giebel
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Was kommt nach der Corona-Pandemie? Diese Frage wird bald immer mehr Länder beschäftigen. Der Blick nach Israel scheint eine unerfreuliche Antwort zu bringen.

München - Israel impft schnell und effektiv. Von rund 9,3 Millionen Einwohnern haben 5,6 Millionen Menschen die erste Impfung erhalten, davon sind 5,2 Millionen vollständig gegen Covid-19 geimpft. Und dennoch wird Israel nun von der Realität eingeholt. Auf durchaus besorgniserregende Weise.

Immer mehr Menschen im Land erkranken, berichtet die Jerusalem Post. Die festgestellten Virusinfektionen, die Kinder wie Erwachsene betreffen, seien laut Medizinern eigentlich eher im Winter üblich. Doch weil aktuell Sommer ist, schrillen umso mehr die Alarmglocken.

Virusinfektionen in Israel: „Fälle in den Kliniken sind nur die Spitze des Eisbergs“

„So etwas haben wir noch nicht erlebt“, wird Dr. Tal Brosh zitiert. Der Leiter der Abteilung für Infektionskrankheiten im Samson Assuta Ashdod Hospital warnt: „Wir beobachten Virusinfektionen in Kliniken, aber das ist nur die Spitze des Eisbergs im Vergleich zu dem, was in der Gesellschaft passiert, denn auf jeden Krankenhauspatienten kommen viele weitere Fälle außerhalb.“

Seit dem Frühjahr würden sich Atemwegserkrankungen häufen, seit Mai steige die Zahl der RSV-Infektionen. Hinter dieser Abkürzung verbirgt sich das respiratorische Synzytial-Virus, das besonders die oberen und unteren Atemwege befällt und laut Robert-Koch-Institut „einer der bedeutendsten Erreger von Atemwegsinfektionen bei Säuglingen, insbesondere Frühgeborenen und Kleinkindern“ ist.

Video: Israel hat aktuell zu viel Impfstoff auf Lager

Virusinfektionen in Israel: Symptome von schweren Erkältungen mitten im Sommer

Brosh fühlt sich an die Winter der vergangenen Jahre erinnert. Also die vor der Corona-Pandemie. Denn: „Im Winter 2020/2021 hatten wir nicht einen RSV-Fall.“ Doch das genannte ist nicht das einzige aktuell auflebende Virus. Was sie alle gemeinsam haben: Sie befallen die Atemwege und kommen mit den Symptomen einer schweren Erkältung einher. Allerdings gibt es seit Beginn der Corona-Krise keine Grippewelle mehr in Israel, das nun auch mit der Delta-Mutante konfrontiert wird.

Dr. Tal Snir, Direktor der Kinderklinik im Sourasky Medical Center in Tel Aviv beruhigt jedoch und erklärt in der Jerusalem Post, diese Fälle seien im Nachgang einer Pandemie keineswegs überraschend. „Im Winter haben wir sie nicht gesehen, weil wir Masken getragen haben und im Lockdown waren, aber es sind normale Viren“, betont der Klinik-Chef.

Auch andere Medizin-Experten sehen keinen Grund zur Panik, sondern eher eine Begleiterscheinung der Rückkehr zur Normalität. „Die Kinder gehen wieder zur Schule, treffen ihre Freunde wieder und haben ein normales Leben. Das nutzen die Viren zur Rache“, erklärt Dr. Giora Weiser, Direktorin der Abteilung für pädiatrische Notfallmedizin am Shaare Zedek Medical Center in Jerusalem.

Virusinfektionen in Israel: Hält die Welle bis ins kommende Jahr an?

So ist also der Lauf des Lebens. Allerdings kann keiner der Experten seriös vorhersagen, wie sich die Situation in den kommenden Wochen entwickeln wird. Also auch nicht, ob die Infektionszahlen schnell wieder abnehmen werden.

Brosh erklärt zwar: „Es handelt sich nicht um eine Pandemie.“ Aber die aktuelle Virenwelle könne durchaus mehrere Jahre anhalten: „Das verrückte ist der Zeitpunkt. Wir wissen einfach nicht, ob es bald absterben oder bis in den Winter anhalten wird und was nächsten Winter auf uns zukommt.“ Sicher dürfte nur sein: viel Arbeit auf das Klinikpersonal. (mg)

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