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Corona nur der Anfang? Experten mit düsterer Prognose - „wird häufiger zu Pandemien kommen“

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Von: Anna-Katharina Ahnefeld

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Pandemien wie Corona könnten zunehmen, sich schneller verbreiten und noch gefährlicher werden. Das berichtet der Weltbiodiversitätsrat. Doch sie haben eine Gegenstrategie.

Bonn - Die ersten Sätze des aktuellen Berichts der Biodiversitätsrates (IPBES) haben es in sich: „Ohne Präventionsmaßnahmen treten Pandemien häufiger auf, breiten sich schneller aus, töten mehr Menschen und beeinflussen die Weltwirtschaft mit verheerenderen Auswirkungen als je zuvor.“

Was klingt wie ein Horror-Szenario könnte nach Angabe der Experten Realität werden. Sie sehen einen fatalen Zusammenhang zwischen Umweltzerstörung und dem Ausbruch von Pandemien. Den Auftrag erhielten die Wissenschaftler von rund 130 Regierungen. Der Bericht erscheint in einer Zeit, in der Deutschland aktuell mit der zweiten Welle in der Coronavirus-Pandemie* zu kämpfen hat.

Ist Corona nur der Anfang? Zeitalter der Pandemien: Wissenschaftler mit erschreckendem Bericht

Die 22 internationalen Wissenschaftler sind sich in ihrem Bericht einig: In Zukunft werden Krankheitserreger häufiger von Wildtieren auf den Menschen überspringen. Grund dafür sei, dass der Mensch immer stärker in entlegene Gebiete vordringe, die von Wildtieren bewohnt werden. Auch der Handel mit diesen nehme zu. All das bringe Mensch und Tier näher zusammen. Und erhöhe das Risiko einer Infektionskrankheit – und schließlich, wie im Fall von Corona – einer Pandemie.

NameBiodiversitätsrat (IPBES)
AufgabeBeratung zu biologischer Vielfalt und Ökosystemleistungen
Gründung2012, Sitz in Bonn
Mitglieder132 Staaten inklusive Deutschland

Corona: Schuppentiere unter Verdacht - Tierische Wirte als Risiko für den Menschen

70 Prozent der Krankheiten entstehen laut den Wissenschaftler auf diese Weise. Dazu zählen Ebola, Zika, Aids - und natürlich das Coronavirus. Denn auch wenn die Herkunft des neuartigen Virus noch nicht abschließend geklärt ist, stehen Schuppentiere als Ursprungswirt unter Verdacht. Diese Krankheiten werden auch Zoonosen genannt und von Mikroben tierischen Ursprungs ausgelöst.

„Eine Übertragung kann durch einen direkten Kontakt, über Vektoren wie z.B. Zecken und Mücken, aber auch über Milch, Eier, Fleisch oder andere Lebensmittel erfolgen. (...) Durch Faktoren wie ein schnelles Bevölkerungswachstum, zunehmende Mobilität, veränderte Tierzucht und -haltung sowie Klimaveränderungen gewinnen Zoonosen immer mehr an Bedeutung“, ist der Website der Nationalen Forschungsplattform für Zoonosen zu entnehmen. Bereits im Juli haben zwei Wissenschaftler eine beunruhigende Prognose abgegeben.

Covid-19 ist mindestens die sechste globale Gesundheitspandemie seit der Großen Influenza-Pandemie von 1918“, ist dem Bericht zu entnehmen. Gemeint ist die Spanische Grippe, die bis 1920 und 20 bis 50 Millionen Todesopfer forderte. Die Risikofaktoren, die zu solchen Ausbrüchen führen, sind der Analyse zufolge folgende:

Pandemien: Jedes Jahr fünf weitere Krankheiten

„Dieselben menschlichen Aktivitäten, die den Klimawandel und den Verlust der biologischen Vielfalt antreiben, führen auch zu einem Pandemie-Risiko durch ihre Auswirkungen auf unsere Umwelt“, sagt Dr. Peter Daszak, Präsident der EcoHealth Alliance und Leiter der IPBES Arbeitsgruppe, die den Bericht, der am 29. Oktober veröffentlicht wurde, erstellt hat.

Das Erschreckende an den Erkenntnissen ist, dass jedes Jahr etwa fünf weitere Krankheiten auftauchen, die sich – zumindest theoretisch – zu einer Pandemie ausweiten könnten. In Tieren gibt es schätzungsweise nach Angaben der Wissenschaftler 1,7 Millionen noch nicht entdeckte Viren. Und zumindest die Hälfte davon sei für den Menschen potenziell eine Bedrohung. Das bedeutet: Mit bis zu 850.000 Viren können sich demzufolge Menschen infizieren.

Nach Corona: „Ära der Pandemien“ - Prävention als Mittel gegen Infektionskrankheiten

Doch der Report gibt auch Hoffnung, denn es gibt eine Methode dieser Entwicklung entgegenzuwirken: Naturschutz. Die zentrale Forderung des Biodiversitätsrates lautet, im Kampf gegen Pandemien verstärkt auf die Prävention zu setzen. Die Natur müsse besser geschützt, der Wildtierhandel eingedämmt werden. Anstatt Krankheiten unter Kontrolle zu bringen, nachdem sie bereits ausgebrochen sind – beispielsweise durch Impfstoffe* – empfiehlt Dr. Daszak folgendes: „Wir können der Ära der Pandemien entkommen, aber dies erfordert neben der Reaktion einen viel stärkeren Fokus auf Prävention.“

Die Analyse richtet sich gezielt an die Politik und listet Handlungsmöglichkeiten auf, unter anderem:

Nach Corona: Naturschutz im Kampf gegen Pandemien - Kosten durch Prävention geringer

Der Vorteil eines solchen Vorgehens würde sich ebenfalls in Zahlen niederschlagen. 100-Mal geringer würden die Kosten einer Prävention im Vergleich zu den Maßnahmen nach einem Krankheitsausbruch ausfallen. Im Sommer wurden die Kosten der Corona-Pandemie nach Angaben des Berichts mit 8 bis 16 Billionen US-Dollar beziffert. Allein in den USA könne bis Ende 2021 16 Billionen an Kosten entstehen. Doch, wie die Experten zusammenfassen: „Vor allem bietet es eine Vision unserer Zukunft, in der wir der gegenwärtigen „Pandemie-Ära“ entkommen sind.“ (aka) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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