„Die meisten könnten noch leben“

„Inneres Ersticken“: Pathologe zieht bedenkliches Fazit - Bislang unbekannte Veränderung an Organen entdeckt

  • Christina Denk
    vonChristina Denk
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Das Coronavirus kann langwierige Schäden im Körper von Betroffenen verursachen. Wie diese aussehen hat nun ein Pathologe nach 130 Obduktionen festgehalten. Er löst gemischte Gefühle aus.

Augsburg - Das Coronavirus: Ein Begriff, der seit Anfang des Jahres 2020 in aller Munde ist. Doch was macht das Virus genau mit dem Körper der Infizierten? Welche Gefahren birgt es? Fragen, denen auch Ärzte der Uniklinik Augsburg, darunter Pathologe Bruno Märkl, nachgegangen sind. Insgesamt hat er bislang 130 an Covid-19 gestorbene Patienten obduziert. Er zieht ein aufrüttelndes Fazit.

Corona: Das Virus baut die Lunge um - Pathologe erklärt erschreckendes Vorgehen in Organen Infizierter

Das Coronavirus löst keine altbekannten Veränderungen im Körper auf. Bei den Obduktionen der an Corona verstorbenen Patienten haben Pathologe Bruno Märkl und seine Kollegen an der Uniklinik einen bislang unbekannten Wandel in den Organen Betroffener festgestellt: „Das ist auf jeden Fall etwas, was wir erst seit ungefähr einem Jahr kennen“, gibt Oberärztin Tina Schaller im Beitrag des BR an. „Wir kennen solche massiv umgebauten Lungen durch eine infektiöse Erkrankung erst durch Covid.“

Bereits in einem früheren Interview machte Märkl deutlich: „Die Menschen entwickeln einen diffusen Alveolarschaden.“ Es würden sich mit der Zeit Narben bilden. „Der Raum in der Lunge, in dem noch Luft ist, wird immer kleiner.“ Am Ende sei es ein „inneres Ersticken“, so der Pathologe.

Corona: Erkenntnisse nach 130 Obduktionen - Pathologe zieht bedrückendes Fazit

Die Zahl der verstorbenen Covid-Patienten spricht meist von Menschen, die an oder mit dem Virus gestorben sind. Märkl jedoch macht im Beitrag klar: "Die Menschen, die jetzt bei uns auf den Intensivstationen landen oder die mit diesen schweren Lungenerkrankungen ins Krankenhaus kommen, die sterben an Covid und nicht mit, definitiv", so der Chef-Pathologe der Uniklinik. Das Virus wäre gefährlich. Und so lässt der Pathologe auch die Schimpftiraden im Netz über sich ergehen, die seine deutlichen Worte teilweise auslösen.

Bei Covid-19-Patienten treten Veränderungen der Lunge auf, die von anderen Krankheiten nicht bekannt waren. (Symbolbild)

Die steigenden Coronazahlen, die in ganz Europa und weltweit derzeit zu beobachten sind, bereiten den Medizinern aktuell Sorgen. Vor allem in den Mutationen sieht Märkl ein Problem. „Diese neuen Varianten sind sehr, sehr gefährlich, sie sind ansteckender und für die britische Variante wissen wir jetzt sicher, dass sie auch tödlicher verläuft“, so Märkl. Studien aus England und Schottland bestätigten zuletzt die schwereren Verläufe. „Es werden jetzt vermehrt jüngere Patienten betroffen sein und ich sehe da mit Sorge in die nächste Zukunft“, so der Pathologe weiter. Ebenfalls eine Schilderung, die in manchen Ländern bereits sichtbar ist. So alarmierte das RKI zuletzt Eltern aufgrund der sich wandelnden Rolle von Kindern in der Pandemie.

Eine Entwicklung, die nicht nur dem Pathologen Sorgen bereitet. Sein Fazit nach den 130 Obduktionen steht dagegen fest: „Die meisten könnten noch leben, wenn sie sich nicht mit dem Coronavirus infiziert hätten“, sagte Bruno Märkl vor ein paar Wochen gegenüber der „Augsburger Allgemeinen“. Eine bedrückende Erkenntnis. (chd)

Rubriklistenbild: © Antonio Calanni/AP/dpa

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