Der Leiter des Nationalen Referenzzentrums für invasive Pilzinfektionen in Würzburg hält eine Petrischale mit dem Hefepilz Candida Auris.
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Candida auris in einer Petrischale: Der Pilz breitet sich in der Corona-Pandemie stärker aus.

Erste Fälle auch in Deutschland

Mitten in Corona-Pandemie: Forscher warnen vor „Killer-Pilzen“ - Besorgniserregende Ausbreitung

  • Franziska Schwarz
    vonFranziska Schwarz
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In einem besorgniserregenden Tempo breitet sich „Candida auris“ aus. Der Pilz kann tödlich sein - eine weitere Herausforderung für das Gesundheitspersonal.

  • Intensivstationen weltweit sind mit Covid-19-Patienten gefüllt, deren Immunsystem geschwächt ist.
  • Das macht es für einen bestimmten Pilz einfacher, sich auszubreiten.
  • In Deutschland gab es bereits Fälle - einem Bericht zufolge auch in Österreich.

Druid Hills /Georgia - „Was den Pilz so beängstigend macht ist seine Fähigkeit, lange auf leblosen Oberflächen zu überleben“: Forscher der US-Gesundheitsbehörde CDC warnen vor dem Hefepilz Candida auris, der sich in der Corona-Pandemie verstärkt ausbreite. Johanna Rhodes berichtete im New Scientist zum Jahreswechsel überdies, dass der Pilz sehr widerständig sei. „Killer-Pilze sind die Bedrohung, der wir uns jetzt stellen müssen“, überschrieb das Fachblatt seinen Artikel (hinter Bezahlschranke).

Warum? „Im Mai 2020 haben sich Schätzungen zufolge fünf bis 20 Prozent der Covid-19-Patienten in englischen Kliniken angesteckt“, heißt es in dem Bericht. Inzwischen habe sich die Situation dort zwar verbessert, doch 90 Prozent der Candida-auris-Infektionen reagierten demnach nicht mehr auf ein weitverbreitetes Antipilzmittel. Der Erreger verbreitet sich vor allem in Krankenhäusern, wo er laut CDC-Webseite Blutvergiftungen, Wundinfektionen und Ohrenentzündungen hervorrufen kann.

Ob er auch für Lungen- oder Blaseninfektionen verantwortlich sei, sei noch unklar (Stand November 2019). „Basierend auf Daten einer begrenzten Anzahl Patienten schätzen wir, dass 30 bis 60 Prozent von ihnen mit einer Candida-auris-Infektion starben. Viele von ihnen hatten schwere Vorerkrankungen“, schreibt die Behörde.

Tödlicher Pilz breitet sich in Corona-Pandemie aus: „Haben eine Affinität für Katheter-Plastik“

Der Direktor des Hygienezentrum Bioscientia, Georg-Christian Zinn, ordnete die Gefahr gegenüber RTL ein: Der Pilz habe es aktuell leicht, da viele Menschen wegen Covid-19 auf Intensivstationen behandelt werden - Patienten mit schwachem Immunsystem sind besonders gefährdet. Eine Pilz-Blutvergiftung sei schwer behandelbar. „Das macht die Pandemie gerade bei den schwerstkranken Patienten nochmal komplizierter“, zitiert ihn RTL. „Diese Pilze haben eine Affinität für das Plastik der Katheter. Da gehen die gerne dran und verkomplizieren dann das Krankheitsbild von beispielsweise Corona-Patienten.“

Jedoch: Gesunde Menschen trügen nicht zur Verbreitung bei. „Das ist wirklich ein Problem der Intensivstationen, der Tumorstationen“, so Zinn. „Jeder hat Pilze oder Pilzspuren im Mund und wir leben damit glücklich und zufrieden. Wenn ich aber schwer erkrankt bin oder eine Immunschwäche habe, dann können sich diese Candida-Pilze ausbreiten.“

Pilz-Plage wegen Corona: „Viele diagnostische Labors sind unzureichend vorbereitet“

Den bislang größten Candida-auris-Ausbruch verzeichnete in den Jahren 2015 und 2016 Großbritannien in einem Londoner Krankenhaus. Auch in Österreich gab es laut oe24.at 2018 erstmals einen Fall. Der Pilz wurde 2009 in Japan* entdeckt, lässt sich laut CDC aber bis auf ein Auftreten 1996 in Südkorea nachverfolgen.

„In Deutschland ist Candida auris bisher nur in Einzelfällen nachgewiesen“, warnte das Leibniz-HKI bereits 2017 - aber man müsse dem Thema frühzeitig Aufmerksamkeit zu schenken, denn: „Auch für Deutschland wird zukünftig mit mehr Fällen gerechnet und nach Einschätzung des Nationalen Referenzzentrums sind viele diagnostische Labors noch unzureichend vorbereitet.“ (frs)

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