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Prognose lässt aufhorchen: Lauterbach sieht Corona-„Sommerwelle“ kommen

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Von: Yasina Hipp

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Prof. Dr. Karl Lauterbach, Bundesminister für Gesundheit.
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). © imago/Chris Emil Janssen

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach dämpft den Optimismus bezüglich dem Ende der Corona-Pandemie. Der SPD-Politiker sieht die Gefahr steigender Infektionszahlen im Sommer.

Berlin - In wenigen Tagen ist es so weit: Am 20. März fällt ein Großteil der derzeit noch bestehenden Corona-Schutzmaßnahmen, nur noch „niedrigschwellige Basisschutzmaßnahmen“ sollen weiterhin gelten, wie es in dem entsprechenden Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz heißt. Es winkt also ein Sommer, der sich fast normal anfühlen könnte, ein entspannteres öffentliches Leben mit Großveranstaltungen, geöffneten Clubs und Diskotheken und ohne sonstige Einschränkungen. Doch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach sieht die bevorstehenden Sommermonate weniger rosig und warnt vor einer „Sommerwelle“.

Lauterbach bekräftigt Neuausrichtung des Infektionsschutzgesetz

Verschiedene Faktoren lassen den SPD-Politiker vorsichtig sein und warnen. Die aktuellen Virus-Varianten Delta und Omikron können auch in den warmen Sommermonaten weiterhin gefährlich bleiben. Gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe sagt Lauterbach, dass zunehmende Kontakte und der nachlassende Impfschutz zu steigenden Infektionszahlen führen könnten. „Wir müssen mit einer Sommerwelle rechnen“, so Lauterbach.

Deswegen plädiert er für eine Anpassung des Infektionsschutzgesetz, welches den Ländern eine flexible und frühzeitige Umsetzung von Maßnahmen ermöglicht, sofern diese nötig wären. Dies solle vorrangig die Maskenpflicht und Kontaktbeschränkungen beinhalten. „Es sollte möglich sein, Obergrenzen für private Treffen und öffentliche Veranstaltungen festzulegen sowie Zutrittsregeln etwa für die Gastronomie, also 2G- oder 2G-plus-Regelungen“, meint Lauterbach. Genauso sollten auch Testregeln weiterhin durchgesetzt werden können.

Die Ampel-Koalition hat für die Änderung des Infektionsschutzgesetzes, die eben solche Maßnahmen ermöglichen soll, einen sehr straffen Zeitplan vorgesehen. Am 9. März soll ein Entwurf beschlossen werden, der am 14. März vor dem Gesundheitsausschuss angehört werden soll. Am 16. März wird dieser dann dem Parlament vorgelegt werden. Für die zweite und dritte Lesung ist vor der Abstimmung eine Debatte von gerade einmal 70 Minuten vorgesehen. Infektionsschutzrechtlerin Andrea Kießling bezeichnet das Vorgehen auf Twitter als „eilig und überhastet“. Staatsrechtler Josef Franz Lindner bezeichnet das „Durchdrücken in drei Tagen“ als „Armutszeugnis“.

Lauterbach pessimistisch - Reinhardt setzt auf Eigenverantwortung

Mit der Ankündigung einer weiteren Welle dämpft Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach die Aussichten auf einen, mit Blick auf das Coronavirus, völlig unbeschwerten und normalen Sommer ein wenig. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, setzt hingegen auf eigenverantwortliches Handeln der Bevölkerung. Man solle lernen, im Alltag mit Ansteckungsrisiken „vernünftig“ umzugehen, sagt Reinhardt gegenüber der Rheinischen Post. Dazu zähle er das Tragen von FFP2-Masken im ÖPNV und im Handel, die Impfung und freiwillige Tests vor privaten Veranstaltungen.

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck hält einen ganz anderen Weg für den richtigen und plädiert im Podcast „Die Wochentester“ für das Ende der Maskenpflicht im Sommer: „Wir müssen in einen Sommerreifen- und Winterreifen-Modus übergehen. Im Herbst und Winter Maske, im Sommer nicht.“ Gleiches erklärte er kürzlich auch im Interview mit Merkur.de.

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