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„Es ist riskant“: Mediziner widerspricht Lauterbach - und fordert Maskenpflicht für alle in Innenräumen

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Von: Patrick Mayer

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Wegen der Corona-Regeln für den Herbst im Fokus: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD).
Wegen der Corona-Regeln für den Herbst im Fokus: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). © IMAGO / Political-Moments

Karl Lauterbach will ab Herbst bei der Maskenpflicht in Innenräumen zwischen frisch Geimpften und allen anderen unterscheiden. Ein Epidemiologe kritisiert das Planspiel des Gesundheitsministers - und rät zu mehr.

München/Berlin - Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will Deutschland mit neuen Corona-Regeln für den Herbst und Winter rüsten. Für jene Monate also, in denen das Virus bessere Bedingungen vorfindet, um sich auszubreiten.

Corona-Regeln in Deutschland: Ausnahme für frisch Geimpfte bei der Maskenpflicht?

Im Fokus steht eine Maskenpflicht. Diese soll, so die Vorstellung der Ampel-Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP, in Flugzeugen und im Fernverkehr sowie in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen gelten. Das neue Infektionsschutzgesetz, das ab 1. Oktober gelten soll (insofern der Bundestag zustimmt), sieht zudem eine optionale Maskenpflicht in allen öffentlich zugänglichen Innenräumen vor.

Diese soll bei einer angespannten Corona-Lage zum Beispiel auch in der Gastronomie oder im Kino gelten. Wenn sich die einzelnen Bundesländer dafür entscheiden. Laut dem Gesetzesentwurf könnten indes jene von einer Maskenpflicht in Innenräumen befreit werden, bei denen eine Impfung gegen das Virus weniger als drei Monate zurückliegt. Doch: Genau diese geplante Ausnahme sorgt teils für hitzige Diskussionen.

Im Video: Corona-Herbst - Karl Lauterbach fordert Maskenpflicht für Innenräume

„Wir begrüßen, dass eine Maskenpflicht in Innenräumen weiter möglich sein soll“, sagte der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, der Rheinischen Post: „Die Ausnahmen für Geimpfte sind aber völlig unpraktikabel und widersprechen deshalb dem Ziel eines guten Infektionsschutzes.“ Lauterbach verteidigte am Dienstag (9. August) die geplante Corona-Regel für Herbst im Gespräch mit den Tagesthemen der ARD: „Die Maske wird die Regel sein. Am Anfang werden ja die Allerwenigsten frisch geimpft sein.“

Corona-Maskenpflicht in Deutschland: Karl Lauterbach verteidigt umstrittene Regel

Kritisiert worden war auch, wie die Maskenpflicht-Ausnahme überhaupt kontrolliert werden soll. Der Rheinländer meinte in den Tagesthemen dazu: „Hier ist zum Beispiel vorgesehen, dass man sofort auf der Corona-Warnapp an der Farbe des Impfzertifikats erkennen kann, ob das eine frische Impfung ist oder nicht.“ Medizinisch sei aber „absolut“ unsinnig, „dass sich dann Leute alle drei Monate impfen lassen sollen“, erklärte der 59-Jährige. Wäre die Folge ein Durcheinander? Auffällig ist, dass es immer mehr Fürsprecher für eine Maskenpflicht in Innenräumen aus Politik und Medizin gibt.

Einem frisch Geboosterten oder Geimpften zu gestatten, die Maske abzunehmen, ist nicht hilfreich.

Epidemiologe Prof. Dr. Timo Ulrichs, Akkon Hochschule Berlin

Er begrüße, „dass das Thema Maske im Innenraum eine Bedeutung erlangt“, sagte der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) im Gespräch mit dem TV-Sender SAT.1. Jetzt warb auch der Epidemiologe Prof. Dr. Timo Ulrichs von der „Akkon Hochschule Berlin“ für eine generelle Maskenpflicht in Innenräumen – unabhängig von der Aktualität des Impfstatus. Es sei ratsam, mit einer Maskenpflicht in Innenräumen die „Ausbreitung im Herbst und Winter hemmen zu wollen“, erklärte der Mediziner im Interview mit n-tv.

Den Impfschutz und eine Maskenpflicht zusammenzubringen, ist seiner Meinung nach dagegen schwierig. „Einem frisch Geboosterten oder Geimpften zu gestatten, die Maske abzunehmen, ist nicht hilfreich, weil dann auch hier nicht ausgeschlossen ist, dass man sich trotzdem eine Infektion einfängt“, meinte der Wissenschaftler: „Auch wenn mit der Impfung das Risiko sehr stark gemildert ist, eine Covid-19-Erkrankung zu entwickeln.“

Mediziner und Epidemiologe: Prof. Dr. Timo Ulrichs von der Akkon Hochschule Berlin.
Mediziner und Epidemiologe: Prof. Dr. Timo Ulrichs von der Akkon Hochschule Berlin. © IMAGO / teutopress

Maskenpflicht-Ausnahme für frisch Geimpfte: Corona-Regel von Karl Lauterbach sorgt für Diskussionen

Auch frisch Geimpfte hätten noch ein geringes Ansteckungsrisiko, erklärte Ulrichs n-tv, wenn sie oder er keine Maske trägt. Dass aktuell Geimpfte sich nicht infizieren können, sei nicht richtig, meinte der Berliner Mediziner weiter: „Das war immer die Hoffnung ganz am Anfang der Impfkampagne. Das hat sich leider nicht bewahrheitet. Man muss ganz klar unterscheiden zwischen dem Schutz vor Infektion und dem Schutz vor Erkrankung. Letzteres leistet die Impfung sehr wohl. Aber leider nicht einen Komplettschutz gegen die Infektion.“

Seiner Ansicht nach stünde zu befürchten, „dass auch der Omikron-spezifische Impfstoff das nicht leisten kann. Jedenfalls nicht komplett. Deshalb ist es riskant, Ausnahmen zuzulassen, nur weil man den Geimpften und Geboosterten einen Vorteil verschaffen möchte“, sagte er und kritisierte damit das Vorhaben von Gesundheitsminister Lauterbach. Ulrichs rät: „Maskentragen in Innenräumen ist generell eine gute Idee. Damit hindert man das Virus daran, sich weiter auszubreiten.“ (pm)

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