1. Startseite
  2. Welt

Schwedens Corona-Sonderweg ist gescheitert: Experten ziehen bittere Bilanz

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Sophie Waldner

Kommentare

Schon zu Beginn der Corona-Pandemie stand es der Bevölkerung in Schweden frei, ob sie Vorsichtsmaßnahmen treffen würde, oder eben nicht. Dieser Sonderweg gilt nun als gescheitert.

Stockholm – Die schwedische Regierung stellte sich im Kampf gegen das Coronavirus von Anfang an anders auf, als seine Nachbarländer. Im Zuge des Sonderweges, überließ man es der Bevölkerung, sich zu schützen – ob mit oder ohne Maske und Sicherheitsabstand. Auch blieben die Geschäfte geöffnet, ein Lockdown wurde ausgeschlossen.

Der lockere und normale Tagesablauf der Schweden sollte möglich wenig beeinträchtigt werden. Damals glaube die Regierung noch, dass eine schnelle Herdenimmunität das Virus vertreiben würde. Nun muss sich aber auch Schweden geschlagen geben und einsehen, dass dieser Weg zu einer höheren Sterblichkeit führte.

Corona in Schweden: Höhere Sterblichkeitsrate durch Coronavirus

Im Vergleich zu den Nachbarländern schneidet Schweden bezüglich der Sterblichkeit im Land am schlechtesten ab. Den Kampf gegen das Virus haben in Schweden 14 668 Menschen verloren. Wie die Frankfurter Rundschau berichtet, sind das dreimal mehr als in Dänemark, achtmal mehr als in Finnland und knapp zehnmal mehr als in Norwegen – eine traurige Bilanz. Doch dabei bleibt es nicht. Die Zahl der Neuinfektionen steigt in Schweden stetig an. Die Inzidenz liegt inzwischen bei 11 Ansteckungen je 100.000 Menschen.

Die Professorin am schwedischen Karolinska-Institut, Claudia Hanson, meint dazu gegenüber Business Insider: „Sie haben die Sterblichkeit enorm unterschätzt.“ Sie ist der Meinung, dass das Land vermutlich ähnlich niedrige Zahlen, wie Dänemark und Norwegen aufweisen könnte, wenn Schweden von Anfang an zu strengeren Regeln gegriffen hätte. Der Sonderweg war aus ihrer Sicht „vielleicht keine gute Idee.“

Schweden an Coronavirus gescheitert – Experten kritisieren Sonderweg

Während andere europäische Länder auf strenge Lockdowns setzten, blieb Schweden dem Sonderweg treu: keine Maskenpflicht und kein Lockdown. Unter anderem kritisierte der Professor an der Swedish Defence University, Arash Heydarian Pashakhanlou, den Verzicht auf eine Maskenpflicht. Obwohl auch weitere schwedische Wissenschaftler auf einer Maskenpflicht beharrten, blieb die Regierung ihrem Weg treu.

Im Laufe der Pandemie rief die schwedische Regierung aber doch noch zu sozialer Distanz auf. Im weiteren Verlauf folgte dann unter anderem die Schließung von Bibliotheken, Fitnessstudios und Schwimmbädern. Und auch eine Empfehlung die Maske zu tragen – besonders während der Hauptverkehrszeit in den öffentlichen Verkehrsmitteln – sollte an die Bevölkerung herangetragen werden.

Nun gilt der Sonderweg als gescheitert und Experten, wie die schwedische Professorin Claudia Hanson finden: „Einige Leute haben diesen Tsunami kommen sehen. Warum also sind wir nicht gerannt?“ Und auch Lars Calmfors, Mitglied der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften ist sich gegenüber dem Wall Street Journal sicher: „Länder mit zwangsweisen Beschränkungen haben es besser gemacht als wir“. Seine bittere Bilanz: „Ich kann mein Land nicht mehr erkennen.“ (swa)

Auch interessant

Kommentare