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Corona-Pandemie – Virologe Stöhr watscht Lauterbach öffentlich ab: „Unterirdisch“

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Von: Anna Lorenz

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Zu sehen ist Klaus Stöhr am 29. Oktober 2020 in Markus Lanz gleichnamiger Sendung.
Virologe und Epidemiologe Klaus Stöhr. © teutopress/imago

Ist Corona zu Ende? Virologe Klaus Stöhr teilt seine Einschätzung über die Pandemie, die Zukunft und die Bundesregierung – mit verheerendem Urteil über den Gesundheitsminister.

Berlin – In einem Interview mit der Welt stand Virologe und Epidemiologe Klaus Stöhr am Sonntag (3. April) Rede und Antwort hinsichtlich der Corona-Pandemie. Der 63-jährige Wissenschaftler aus Sachsen-Anhalt äußerte sich dabei nicht nur über Impfpflicht, Pandemieverlauf und Versäumnisse im Krisenmanagement – er attestierte außerdem Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), entscheidenden Anteil an der derzeitigen Situation zu haben.

Corona-Experte Stöhr zur Covid-Infektion: „Da müssen jetzt alle durch“

„In der letzten Phase werden sich alle infizieren“, so die Ansicht des Virologen zu der momentanen epidemischen Lage. Jede Pandemie ende gleich, diese Einsicht müsse erfolgen. „In Deutschland“, so der Wissenschaftler, „gibt es immer noch Menschen, die glauben, dass man die Infektion verhindern kann.“ Gerade in Anbetracht der Lockerungen durch das neue Infektionsschutzgesetz müsse man es laut Stöhr, wie andere Nationen machen und die „nicht verhinderbaren Infektionen“ ebenfalls zuzulassen. „Da müssen jetzt alle durch.“

Corona-Experte Stöhr: Impfung sei „tolles Geschenk der Zeit“

Von einer Einführung einer allgemeinen Impfpflicht – hier gibt es aktuell eine brisante Entwicklung auf Bundesebene – hält der Virologe eher weniger. Das Hinauszögern des Infektionsgeschehens sei sinnvoll gewesen, solange es noch keine Medikamente, Impfung oder ausreichende Kapazitäten in Krankenhäusern und Intensivstationen gab. Doch damit sei das Ende der Fahnenstange auch erreicht. „Dass das immer noch nicht selbst medizinisch auch belesene Personen verstanden haben, dass man jetzt mit Masken das Drama immer nur weiter nach hinten verschiebt, das kann ich gar nicht nachvollziehen“, so der Virologe.

Die Impfung, ein „tolles Geschenk der Zeit“, so Stöhr, sei als Pflicht daher nicht zielführend, da seiner Ansicht nach die ungeimpften Personen hierzulande keine Gefahr für das Allgemeinwohl darstellten. Vielmehr mache der Virologe sich um die Zahl der „nicht natürlich Immunisierten“ Sorgen und fordert, die viel genannten „Impflücken“ wissenschaftlich gründlich zu untersuchen.

Corona-Experte Stöhr kanzelt Minister ab: „Unterirdisch“

Dass Stöhr mit der momentanen Situation nicht zufrieden ist, wird deutlich. Auf Nachfrage weist er aber die Schuldfrage hinsichtlich der Wissenschaftler zurück. Diese könnten nichts dafür, wenn ihnen von der Politik keine Struktur und kein Krisenmanagement an die Hand gegeben würde, dass eine fundierte Risikobewertung zulasse. Die Regierung, so der Virologe, hätte proaktiv Wissen einfordern, den Diskurs fördern und Strategien, sowie Alternativen zur Bekämpfung des Virus erarbeiten müssen.

„Der Prozess hat einfach nicht gestimmt“, urteilt Stöhr, der vor allem anprangert, dass es kein stehendes Gremium gab, das der Regierung allzeit zur Verfügung stand, sondern Forschende nur zu Expertenmeetings zusammengerufen wurden. Welchen Missstand der Bundesgesundheitsminister hingegen beklagt, zeigt dieses Video:

Doch die Schelte des Virologen endet hier noch nicht. „Unterirdisch“, so sei die Krisenkommunikation der Politik gewesen und habe dadurch Raum für Vermutungen und Überzeichnung gelassen. Stöhr attackierte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach direkt: So sehe er letztlich auch diesen maßgeblich in der Verantwortung für die „große Angst“ in der Bevölkerung – ohne Fundament habe Lauterbach die Pferde scheu gemacht. Diesen Vorwurf der Verbreitung von Fake News betitelte Stöhr scharfzüngig als „Warnen auf evidenzfreier Grundlage“. Ob und was der Minister auf diese öffentliche Anklage erwidert, bleibt abzuwarten. (askl)

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