Französische Grenzgänger protestieren am Samstag (27.3.2021) am Grenzübergang Saarbrücken Goldene Bremm gegen die Einreisebeschränkungen.
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Polizei Saarbrücken: Die saarländischen Beamten hatten am Samstag alle Hände voll zu tun - am Abend nach den Grenzgänger-Protesten kam es in der Landeshauptstadt zu Randalen von Feiernden und Fußballfans.

Landesweite Konsequenzen

Party-Randale in Corona-Modellstadt: Hunderte Menschen feiern ungehemmt - dann eskaliert der Abend

Das Saarland ermöglicht seinen Bürgern mehr Freiheiten als andere Bundesländer. In Saarbrücken kam es nun zu Ausschweifungen und Angriffen auf Polizisten.

Update vom 18. April 2021: Der Samstagabend wird für eine „Vielzahl von Personen“ rechtliche Folgen haben, erklärt die Polizei Saarbrücken der Deutschen Presse-Agentur. In der Hauptstadt der Modell-Region Saarland haben am Wochenende etliche Menschen über die Stränge geschlagen.

Etwa 400 bis 500 Personen hätten auf dem St. Johanner Markt gefeiert, teilt die Behörde mit. Die Corona-Regeln hätten bei der Party in der Saarbrücker Innenstadt wenig Beachtung gefunden. In der Dunkelheit seien allerdings zunächst nicht alle Personalien feststellbar gewesen.

Fußballfans haben die Situation demnach endgültig entgleisen lassen. 30 bis 40 Anhänger des 1. FC Saarbrücken hätten Polizisten beleidigt und mit Flaschen beworfen. Zuvor hatte der Drittligist das Derby gegen den 1. FC Kaiserslautern verloren. Auf sie kämen jetzt „besondere Konsequenzen“ zu.

Nach der unschönen Erfahrung am Samstag kündigt die Polizei nun Konsequenzen für das ganze Saarland an. Teile der Bevölkerung beachten die Appelle der Beamten offensichtlich nicht. Deshalb werde die Polizei ihre Präsenz landesweit verstärken und Kontrollen durchführen.

Saarland-Modellprojekt trotz steigender Inzidenz verlängert: Doch einige Regeln werden angepasst

Update vom 17. April 2021: Das Modellprojekt Saarland steht seit Tagen auf der Kippe. Die Infektionszahlen steigen. Die „Saarland-Ampel“ steht auf Gelb und das soll so bleiben. In den vergangenen Tagen sah es durchaus anders aus. Die Stufe Rot scheint jetzt noch nicht erreicht. Allerdings verschärft das Saarland „aufgrund des gesteigerten Infektionsgeschehens“ seine Corona-Maßnahmen (siehe unten). Das teilt die Landesregierung am Samstag (17. April) mit.

„Unser Saarland-Modell war nie als ein reines Lockerungsmodell gedacht“, so Ministerpräsident Tobias Hans in einer Pressemitteilung. „Vielmehr ist und bleibt es ein Steuerungsmodell, das auf eine langfristige Strategie setzt und anhand eines Ampelsystems flexibel und verantwortungsvoll auf die jeweilige Infektionsentwicklung reagiert.“ Bei einer Überlastung des Gesundheitssystems werde die Ampelstufe rot aktiviert.

Regierungschef Hans appelliert in seinem Statement „weiterhin Kontakte im privaten wie auch im beruflichen Bereich deutlich reduzieren“ und empfiehlt sich auch bei privaten Treffen zu testen.

Im Saarland liegt die 7-Tage-Inzidenz am Samstag (17. April) laut RKI-Dashboard bei 114,4. In den vergangenen 24 Stunden wurden 137 Coronavirus-Neuinfektionen verzeichnet.

  • In allen Bereichen, wo bisher eine Pflicht zur Mund-Nasen-Bedeckung bestand, ist ab Montag eine medizinische Maske wie etwa eine OP-Maske oder FFP2 Pflicht.
  • In Außengastronomie, Theater und Konzerten - müssen alle Personen einen negativen Coronatest vorlegen - es gibt hier keine Ausnahmen mehr.
  • An Grund- und Förderschulen wird eine Testpflicht vorbereitet. Es soll in allen Bereichen mehr Kontrollen geben.

Corona-Zahlen steigen seit Tagen stark an: Floppt der Lockdown-Alleingang? Saarlands-Konzept vor dem Aus

Erstmeldung vom 15. April 2021

Saarbrücken - Völlig losgelöst vom Lockdown-Modus erklärte sich das Saarland zur Modellregion. „Impfen - Testen - Öffnen“ - so lautet das Motto des Saarland-Modells. Kaum eine Woche nach dem Start am 6. April muss das Saarland wohl die Notbremse ziehen. Die Rückkehr zum harten Lockdown steht bevor, sollte sich die Lage nicht kurzfristig ändern.

Eine Expertengruppe des saarländischen Gesundheitsministeriums rät, die Ampel im „Saarland-Modell“ auf Rot zu stellen, wenn sich die Infektionslage am Donnerstag nicht verbessere, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Die Entscheidung könnte demnach dann schon an diesem Freitag (16. April) getroffen werden. Die Experten verweisen unter anderem auf den gestiegenen R-Wert (1,5) und die Verdopplung der Mutations-Fälle innerhalb eines Tages.

Video: Das „Saarland-Modell“ vor dem Aus?

Corona in Deutschland: Saarland-Modell vor dem Aus? Inzidenz steigt an

Die höchste Alarmstufe Rot bedeutet die „Rücknahme aller Öffnungsschritte und konsequenter Lockdown“, wie es der „Drei-Stufen-Plan“ im Saarland-Modell vorsieht. Die Stufe 3 steht laut der Landesregierung für „drohende Überlastung des Gesundheitswesens“.

Seit Montag steht die Ampel bereits auf Gelb - weil die 7-Tage-Inzidenz an drei Tagen hintereinander über 100 gestiegen war. Seitdem gilt eine erweiterte Testpflicht - im Einzelhandel und bei Friseuren (allen körpernahen Dienstleistungen). Ausnahmen davon gibt es lediglich für das Einkaufen im Supermarkt und Bankdienstleistungen oder medizinischen Behandlungen. In allen bisher geöffneten Bereichen muss ein negativer Corona-Test (nicht älter als 24 Stunden) vorgelegt werden. Momentan liegt die 7-Tage-Inzidenz laut Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) bei 117,7 (15. April). Am Starttag des Saarland-Modells - am 6. April - hatte der Wert noch bei 88,9 gelegen. In den zwei vergangenen Wochen im Saarland ist diese Entwicklung bei den Corona-Fallzahlen besonders stark, heißt es im aktuellen RKI-Lagebericht. Das RKI meldete am Donnerstag beklemmende Infektionszahlen.

Saarland: Wie überlastet sind die Intensivstationen?

Die Saarländische Krankenhausgesellschaft warnte am Donnerstag vor einer Überlastung der Intensivstationen im Saarland. „Die Lage ist ernst. Sie ist sehr angespannt“, sagte Geschäftsführer Thomas Jakobs. Rund 90 Prozent der Plätze seien belegt - wobei die große Auslastung weniger von den Covid-Patienten herrühre. Es handele sich in vielen Fällen um Patienten „aus einem Stau von Behandlungen“ aus dem Jahr 2020, die wegen Corona verschoben worden seien. Am Mittwoch lagen 172 Covid-Patienten im Krankenhaus, davon 55 auf der Intensivstation, teilte das Gesundheitsministerium mit. Die Lage in anderen Kliniken spitzt sich derweil schon zu. Intensivmediziner in Deutschland warnen eindringlich vor der dritten Corona-Welle.

Beim Impfen legt das Saarland Tempo vor. Ab diesen Donnerstagabend (ab 18 Uhr) können sich über 60-Jährige für einen Impftermin anmelden. Das Gesundheitsministerium öffnet dann nach eigenen Angaben die Impfliste zur Priorisierungsgruppe 3.  

Corona in Deutschland: Saarland-Modell vor dem Aus

Regierungschef Tobias Hans (CDU) soll am Freitag mit seinen Ministern zusammenkommen, berichtet die Saarbrücker Zeitung. Dann könnte der Ministerrat die Umstellung der Corona-Ampel und eine erneute Verschärfung der Regeln beschließen. Mit der Freiheit in der Corona-Pandemie ist es dann wohl vorbei. Nach Ostern durften Lokale ihren Außenbereich öffnen, wenn die Gäste reserviert hatten und die Kontaktnachverfolgung gesichert war. Auch Kinos, Fitnessstudios und Theater durften, mit Kontaktnachverfolgung und einem negativen Corona-Test für Besucher öffnen. Wenn alles gut läuft, hatte Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) weitere Öffnungsschritte nach dem 18. April angekündigt. Dieser Plan ist angesichts der Infektionszahlen in weite Ferne gerückt. (ml/dpa)*Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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