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Sachsens Kliniken vor Triage: Mediziner fürchtet schlimme Entscheidung zwischen Geimpften und Ungeimpften

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Die Corona-Zahlen steigen weiter an, in Sachsen ist von einer drohenden Triage die Rede. Es gibt Gegenstimmen. Aber sie klingen nicht vollends überzeugt.

Dresden - In Sachsen gab es seit Pandemiebeginn mehr als 10.000 Corona-Tote. Mit einem Wert von 935,8 hat das Bundesland vier Wochen vor Heiligabend deutschlandweit die höchste Inzidenz. Der Anteil der zweifach geimpften Einwohner liegt bei geringen 57,8 Prozent. Jetzt steht das Wort „Triage“ im Raum, das Bevorzugen bestimmter Patienten.

„Auch Ungeimpfte werden behandelt, keine Frage. Aber wenn es zur Abwägung kommt, hat der womöglich schlechtere Chancen“, warnte Erik Bodendieck jetzt erneut. Er ist Präsident der Landesärztekammer Sachsen. Wenn sich an den Infektionszahlen nichts ändere, könnten die Kliniken in Sachsen schon Ende dieser Woche überlastet sein, sagte er der dpa. Schon jetzt suchten Mediziner hier zwei Stunden, um einen Platz auch für Schlaganfall- oder Herzinfarkt-Patienten zu finden.

Mögliche Triage: „Wenn zwei Patienten um einen Beatmungsplatz konkurrieren“

Triage bedeutet, dass Mediziner aufgrund von knappen Ressourcen entscheiden müssen, wem sie zuerst helfen. Bodendieck betonte, es werde natürlich jeder Patient behandelt, auch wenn die Klinik-Überlastung eintritt.

Aber er schränkte ein: „Die Frage ist nur, was möglich ist. Wenn zwei beatmungspflichtige Patienten um einen Beatmungsplatz konkurrieren, dann muss danach entschieden werden, welcher Patient die bessere Behandlungschance hat. Dem würde der Behandlungsplatz zugewiesen werden.“ Es werde im Einzelfall entschieden und abgewogen.

Ärztekammer Sachsen zur Corona-Lage: „Reißt euch alle am Riemen“

Um eine solche Situation zu vermeiden, brauche es jetzt eine deutliche Kontaktreduzierung. „Ich bin Optimist und sage: Jetzt reißt euch alle am Riemen.“ Jeder solle Abstand zu anderen halten und FFP2-Masken tragen. Auch Geimpfte sollten sich täglich testen.

Aber es gibt Widerspruch zu Bodendiecks Einschätzung. Laut Krankenhauskoordinator Michael Albrecht ist Sachsen noch weit von einer Triage entfernt. Eine Prognose vom 22. November sage voraus, dass es am 6. Dezember 669 Intensiv-Patienten im Freistaat geben werde, sagte Albrecht. „Derzeit liegen wir bei knapp 350, das bedeutet fast eine Verdopplung der jetzigen Intensiv-Patientenzahlen in 14 Tagen.“

Rekord-Inzidenz in Sachsen: Mediziner bereiten sich auf Triage vor

Wenn die neuen Corona-Regeln nicht wirkten, müsse man tatsächlich überlegen, wie die Patienten optimal versorgt werden könnten. Albrecht sagte zugleich, dass kein Krankenhaus in die Situation kommen müsse, zu triagieren. Stattdessen sollen Patienten verlegt werden.

Dennoch habe man bereits grundsätzlich mit Bodendieck über das Thema Triage gesprochen. Es sei sinnvoll, nicht erst in einer absolut eskalierten Situation zu überlegen, wie man damit umgehe. „Deshalb sollte man in Ruhe diskutieren und ein Expertengremium zusammenstellen, um in diesem Rahmen Regelwerke zu entwickeln, um sie dann den Medizinern an die Hand zu geben.“ So etwas halte er für grundsätzlich sinnvoll, „aber nicht, weil wir es diese Woche bräuchten.“ (dpa/frs)

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