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Miserable Corona-Lage: Sachsen verhängt Quasi-Lockdown für Ungeimpfte - „Wir stehen vor einer Tsunami-Welle“

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Von: Martina Lippl

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Luftbild Dresden  Elbe
Corona-Lage in Sachsen spitzt sich zu. Die Landesregierung in Dresden (Foto) will die Corona-Maßnahmen verschärfen. © Sylvio Dittrich/imago

Sachsen verschärft jetzt die Corona-Regeln für Ungeimpfte. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) ist in Corona-Quarantäne. Vor einer „Tsunamie-Welle“ warnen Experten.

Update vom 2. November, 14.16 Uhr: Sachsen verhängt einen Quasi-Lockdown für Ungeimpfte. Der Freistaat beschließt ein flächendeckendes 2G-Konzept. Künftig sollen nur noch Geimpfte und Genesene Innenräume von Gastronomie und Konzerte oder Freizeiteinrichtungen besuchen dürfen. Die G2-Regel gilt auch für Clubs und Bars. Für Fußballfans im Stadion ändert sich auch etwas. Bei Großveranstaltungen wie eben Fußballspielen sollen die 2G-Regel gelten.

Die neue Corona-Schutzverordnung soll ab dem 8. November in Kraft treten, berichtet der MDR. Das Tragen einer FFP2-Maske soll demnach im öffentlichen Nahverkehr wieder Pflicht werden. Darüber informierte das Kabinett bei einer Pressekonferenz am Dienstag. Am Freitag will das Kabinett nach einer verkürzten Anhörungsphase über die neue Corona-Verordnung entscheiden.

Der Corona-Verdacht bei Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer ist zunächst noch nicht ausgeräumt (siehe unten Erstmeldung), doch Sachsens Kulturminister Christian Piwarz (CDU) hat sich mit dem Coronavirus infiziert. Nach Auftreten von Erkältungssymptomen habe das sowohl ein Schnelltest als auch ein anschließender PCR-Test bestätigt, teilte das Kultusministerium am Dienstag mit. Piwarz (46), der vollständig geimpft sei, befinde sich seit Montag in häuslicher Quarantäne. Seinen Dienstaufgaben gehe er so weit möglich von Zuhause aus nach, hieß es. Auswärtige Termine würden für die Dauer der Quarantäne abgesagt. 

Sachsen verschärft Corona-Regeln für Ungeimpfte. Der Freistaat führt die 2G-Regel (Foto) ein.
Sachsen verschärft Corona-Regeln für Ungeimpfte. Der Freistaat führt die 2G-Regel (Foto) ein. © imago

Miserable Corona-Lage in Sachsen: „Wir stehen vor einer Tsunami-Welle“

Erstmeldung vom 2. November 2021

Leipzig - Sachsen gehört inzwischen wieder zu den Corona-Hotspots in Deutschland. Die Inzidenz liegt an diesem Dienstag noch unter der 300er-Marke - bei 284,4. Nur Thüringen weist momentan einen höheren Wert (306,5) auf. Die Zahl der Corona-Neuinfektionen gibt das Robert-Koch-Institut (RKI) mit 816 an. Zudem sind innerhalb der vergangenen 24 Stunden zehn weitere Todesfälle verzeichnet worden. Die Intensivbetten in den Krankenhäusern füllen sich. Es scheint nur eine Frage der Zeit, dann befindet sich der Freistaat wieder komplett im Krisenmodus.

Corona in Sachsen: Kretschmer stimmt Bevölkerung auf Corona-Maßnahmen ein

„Die pandemische Lage ist nicht beendet. Im Gegenteil: Die Infektionszahlen steigen dramatisch, die Krankenhäuser schlagen Alarm“, twittert Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Und weiter: „Wir müssen zügig weitere Maßnahmen ergreifen. Das Ziel: Die Überlastung des Gesundheitssystems abwenden, Schulen & Kitas offenhalten.“

Sachsens Ministerpräsident in Corona-Quarantäne

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) ist nach einem positiven Corona-Test in seiner Familie in häusliche Quarantäne, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Seine Frau sei positiv getestet worden und habe auch leichte Symptome, sagte Kretschmer am Montagnachmittag bei einer Online-Konferenz mit Medizinern. Bei ihm selbst sei das nicht der Fall. Wenn das so bleibe und ein weiterer PCR-Test am Freitag negativ bleibe, werde er auch wieder in der Öffentlichkeit präsent sein. Zuerst hatte die Sächsische Zeitung berichtet.

Der Regierungschef sagte bis auf weiteres öffentliche Auftritte ab. Er arbeite nun von zu Hause aus, hieß es. Kretschmer ist doppelt geimpft mit dem Impfstoff von Astrazeneca.

Miserable Impfquote in Sachsen

Experten sind von der Corona-Lage in Sachsen alarmiert. Zum einen ist die Corona-Impfquote am niedrigsten in Deutschland. Lediglich 56,8 Prozent der Bevölkerung sind vollständig geimpft, 59 Prozent haben mindestens eine Impfdosis erhalten. Das geht aus den Daten des Impfdashboards des Bundesgesundheitsministeriums am Dienstag hervor. Zum Vergleich: In Hamburg sind bereits 81,1 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft.

Noch gibt es zwar Unterschiede beim Infektionsgeschehen in Sachsen. Doch die Lage auf den Intensivstationen in den Krankenhäusern steuert auf eine Überbelastung hin.

Corona in Sachsen: „Wir sind vor einer Tsunami-Welle“

„Wir sind vor einer Tsunami-Welle“, sagte Christoph Josten, Medizinischer Vorstand des Leipziger Universitätsklinikums im focus.de. Die Unikliniken in Dresden und Leipzig stünden demnach deutschlandweit bei der Belastung mit Covid-Patienten an Nummer 5 und 6.

Sein Haus sei jetzt schon dabei, Leistungen um mindestens 30 Prozent zu reduzieren. „Das heißt: Geimpfte konkurrieren um Behandlungsplätze mit Nichtgeimpften.“ Das sei eine ethische Fragestellung, die aufkomme, wenn man an das Ende der Ressourcen gelange. 

In der dritten Welle schilderte Christoph Josten vom Uniklinikum Leipzig eine verzweifelte Lage auf den Intensivstationen. „Wir sind an der Belastungsgrenze“, sagte Josten damals im April 2021. Zu dieser Zeit langen nach den Daten des DIVI-Intensivregisters um die 400 Corona-Patienten auf den Intensivstationen der Krankenhäuser. Und das war nach der zweiten Welle im Dezember 2020. Nun steht der nächste Corona-Winter 2021 an. Stand heute müssen in Sachsen 198 Covid-Patienten auf einer Intensivstation versorgt werden. (ml)

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