Ein Hin und Her: die Corona-Regeln für Schüler in der Coronavirus-Pandemie.
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Ein Hin und Her: die Corona-Regeln für Schüler in der Coronavirus-Pandemie.

„Mir fehlen die Worte!“

Eklat in der Corona-Welle: Dortmund will Schulen schließen - aber Laschets Regierung verbietet es

  • Patrick Mayer
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Die Großstadt Dortmund und Armin Laschets Regierung sind heftigen Streit geraten. NRW verbietet Schulschließungen - trotz steigender Corona-Infektionen. Die Entrüstung ist groß.

Update vom 17. März, 15.11 Uhr: Beim Streit um die Schulöffnungen lässt Dortmunds Oberbürgermeister Thomas Westphal nicht locker. Spätestens am Montag sollen die Schulen in Dortmund wieder schließen, fordert OB Westphal am Mittwoch in einem Statement vor der Presse. Die Stadt werde sich erneut mit einem Antrag an die Landesregierung richten, um am Montag nicht wieder zu öffnen. Mit Blick auf die Infektionszahlen sei es einfach viel zu riskant.

„Wir sehen das doch in den Zahlen. Bei den unter 20-Jährigen sind die Infektionszahlen angestiegen“, sagt Westphal. Nur mit der Inzidenz zu argumentieren halte er für falsch. Die Infektions-Dynamik müsse jetzt durchbrochen werden. „Es handelt es sich am Ende des Tages um fünf Präsenztage, die wir den Kindern angeboten haben“, erklärt Dortmunds OB.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann erteilte den Forderungen eine Absage. Der Grundsatz laute, dass Unterricht in Präsenz stattfinden solle, soweit das vertretbar sei, sagte der CDU-Politiker am Mittwoch im WDR. Die 7-Tage-Inzidenz liegt in Dortmund laut Angabe des Robert-Koch-Instituts am Mittwoch bei 78,0.

Eklat in der Corona-Welle: Großstadt will Schulen schließen - aber Laschets Regierung verbietet es

Erstmeldung vom 16. März 2021

München/Dortmund - Der nächste Zoff in der Coronavirus-Pandemie in Deutschland kündigt sich an. Im Mittelpunkt: die Schulen. Am Dienstagnachmittag (16. März) kündigte die Stadt Dortmund (rund 588.000 Einwohner) unter anderem auf Twitter an, alle Schulen wegen der Corona-Zahlen „sofort schließen“ zu wollen. Man erwarte eine kurzfristige Zusage des Ministeriums für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen, hieß es vonseiten der Stadtverwaltung.

Coronavirus-Pandemie: NRW verbietet Dortmund Schließung von Schulen

Aber: Diese Zusage kam nicht. Im Gegenteil: Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) aus der Landesregierung von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) lehnte am Nachmittag eine Schließung der Bildungseinrichtungen wegen steigender Covid-19-Fallzahlen an Schulen ab.

„Wir sind der festen Überzeugung, dass es in diesem Moment überhaupt keinen Sinn macht, die Schulen zu öffnen. Deswegen haben wir den dringenden Appell an die Schulministerin, die Schulöffnung und das Hochfahren des Präsenzunterrichts sofort zu beenden“, hatte Oberbürgermeister Thomas Westphal (SPD) zuvor gesagt. Westphal hatte seine Bitte auch mit dem vorläufigen Impfstopp mit dem Astrazeneca-Impfstoff in Deutschland begründet.

Schulen in Dortmund: Trotz steigender Corona-Zahlen - Land NRW untersagt Schließung von Schulen

Doch sein Antrag wurde von der Landesregierung in Düsseldorf abgelehnt. Bis Dienstagabend, 20.15 Uhr, blieb es anschließend still auf dem Twitter-Kanal der Stadtverwaltung. Zeitgleich solidarisierte sich die Stadt Bochum (rund 366.000 Einwohner) mit den Dortmunder Kollegen.

„Mit Sorge haben wir die Absage der Landesregierung auf die von Dortmund beabsichtigte Aussetzung des Präsenzunterrichtes zur Kenntnis nehmen müssen“, erklärte Bürgermeister und Parteigenosse Thomas Eiskirch (SPD) auf Twitter: „Infektionen an 29 Schulen sind mehr als ein Alarmzeichen. Ministerin Gebauer hatte bei sinkenden Inzidenzzahlen die Rückkehr in Schulen mit Wechselunterricht abgelehnt. Jetzt will sie mit aller Macht den Wechselunterricht – trotz steigender Zahlen - durchziehen.“

Yvonne Gebauer (FDP), Ministerin für Schule und Bildung, sowie Gesundheitsminister Laumann stehen jetzt in der Kritik. Auf Social Media war die Entrüstung groß. Ein Nutzer schrieb bei Twitter: In #Dortmund sollen die Kinder morgen wieder zur Schule gehen sagt #Laumann! Er lehnt eine Schließung ab! Mir fehlen die Worte!“ In der Restrepublik scheint unterdessen eine Welle von Öffnungs-Absagen anzulaufen.

Corona-Zoff zwischen Dortmund und NRW: Große Entrüstung auf Twitter und Social Media

Eine Userin meinte: „Vorort erkennen die Verantwortlichen die Dringlichkeit. Jede Schutzmaßnahme wird aus Düsseldorf untersagt. Ich habe keine Worte mehr. Nur noch Wut.“ Und ein Twitter-Nutzer kritisierte: „Sehr geehrter Herr #Laumann, unsere Kinder können nichts dafür, dass ein OB mehr zu ihrem Schutz tut als der verantwortliche Landesminister!“

Die Verwirrung war groß. Und, Stand Dienstagabend, 20.30 Uhr, war nicht klar, wie es in Dortmund und NRW mit den Schulen weitergeht. Sicher war nur: Das Thema polarisierte in der Corona-Krise zu diesem Zeitpunkt bereits gewaltig. (pm)

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