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Corona-Schutz für Krebs-Patienten: Neuer Impfstoff CoVac-1 aus Tübingen zeigt große Wirkung

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Von: Anna Lorenz

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Tübinger Forscher stellten auf der Jahrestagung der kalifornischen Krebsforschungsgesellschaft einen neuen Impfstoff zum Schutz vor Corona vor. Die ersten Studien brachten bereits verheißungsvolle Ergebnisse.

Tübingen – CoVac-1, so heißt der Impfstoff, an dem Forscher der Universität Tübingen derzeit arbeiten. Während sich die Gemüter um einer potenzielle Impfpflicht im Rahmen der Corona-Pandemie nämlich langsam wieder ein wenig abkühlen, bleibt die Frage, inwieweit bestimmte Bevölkerungsgruppen trotz Impfung nicht von der Schutzwirkung des Vakzins im Kampf gegen Covid-19 profitieren können, virulent wie eh und je. Bisherige Untersuchungen hatten gezeigt, dass im Rahmen von Immunschwächen, wie sie insbesondere auch wegen einer Chemo- oder Immuntherapie bei einer Krebserkrankung vorkommen, oftmals trotz Impfung mit Biontech, Moderna und Konsorten keine adäquate Schutzwirkung hinsichtlich Covid-19 eintritt.

CoVac-1: Neuartiger Impfstoff aus Tübingen soll insbesondere Krebspatienten vor Corona schützen

Grund ist, dass die bisher gängigen Corona-Impfstoffe sich vor allem die Wirkweise der B-Zellen im Immunsystem zunutze machen. Demnach wird durch die Impfung der Bauplan für das Spike-Protein, welches das Coronavirus wie Stacheln bedeckt, injiziert. Der Körper bildet dieses dann nach. Die sogenannten B-Zellen erkennen dieses Protein daraufhin als nicht körpereigen und bilden sogenannte Antikörper. Sind Patienten allerdings in ihrer Immunabwehr eingeschränkt, weil sie beispielsweise eine Chemotherapie durchlaufen, sind nur sehr wenige B-Zellen vorhanden. Daher können infolge einer Impfung nicht genug Antikörper gebildet werden, um den intendierten Schutz gegen Corona zu erreichen.

Die Forscher aus Tübingen fokussieren sich daher, wie focus.de berichtet, bei der Entwicklung des Impfstoffs CoVac-1 auf die andere Abwehrriege des Immunsystems: Die T-Zellen. „Die T-Zell-vermittelte Immunität ist für die Entwicklung einer schützenden, antiviralen Reaktion unverzichtbar, und frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass T-Zellen Covid-19 auch in Abwesenheit neutralisierender Antikörper bekämpfen können“, so Claudia Tandler von der Universität Tübingen bei der Vorstellung der ersten Forschungsergebnisse auf der Jahrestagung der kalifornischen Krebsforschungsgesellschaft.

Corona-Impfung bei Krebs: So funktioniert das Tübinger Vakzin CoVac-1

Die T-Zellen, die neben den B-Zellen die spezifischen Immunreaktionen bestimmen, lassen sich in mehrere Gruppen einteilen; besonders wichtig sind im Rahmen von CoVac-1 die zytotoxischen T-Zellen, die früher auch „Killerzellen“ genannt wurden. Sie erkennen, vereinfacht gesagt, kranke Körperzellen und lösen deren Zelltod aus. Daneben macht sich das neue Vakzin auch die T-Gedächtnis-Zellen zunutze: Diese merken sich sozusagen die Reaktion auf die erkrankte Körperzelle und speichern sie für spätere, gleichgelagerte Infektionen ab.

Neben dem, von der mRNA-Impfung bekannten Spike-Protein enthält CoVac-1 fünf weitere Peptide, also Proteinbestandteile, des Coronavirus. Die T-Zellen sollen hierdurch aktiviert werden und lernen, sämtliche dieser Peptide auch in Zukunft zu bekämpfen. Durch die Bandbreite an eingeschleusten Proteinen soll die Impfung nicht nur besonders viele T-Zellen auf den Plan rufen und eine starke Immunantwort provozieren, sondern auch bewirken, dass künftige Mutationen des Coronavirus, bei denen sich ein Proteinbestandteil eventuell verändert hat, trotzdem als Eindringlinge erkannt werden.

Corona-Vakzin bei Krebserkrankung: CoVac-1 aus Tübingen bringt vielversprechende Ergebnisse

„Soweit wir wissen, ist CoVac-1 zurzeit der einzige peptidbasierte Impfstoffkandidat, der speziell für Menschen mit Immunschwäche entwickelt und evaluiert wird“, so Juliane Walz, die das Team des Universitätsklinikums Tübingen leitet. Und die Aussichten für das neuartige Vakzin sind bis dato verheißungsvoll: In einer Kleinstudie mit 14 Patienten konnte die Impfung mit CoVac-1 bei 13 Probanden eine deutliche T-Zellen-Reaktion verzeichnen. Dieses hervorragende Ergebnis soll nun in einer klinischen Studie weiter untersucht werden, um künftig auch Immungeschwächten, sowie Menschen mit B-Zell-Defekt, die schließlich besonders vor Corona geschützt werden müssen, eine effektive Impfung zu ermöglichen. (askl)

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