Ärzt:innen verwenden das Mittel in der Geburtshilfe, um künstliche Wehen einzuleiten.
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Für Schwangere besteht ein größeres Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf. Auch für das Kind scheint eine Infektion Gefahren zu bergen.

Daten von über 340.000 Frauen

Corona-Infektion bei Schwangeren: Forscher vermuten erhöhtes Risiko für Totgeburten

  • Luisa Billmayer
    VonLuisa Billmayer
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Schwangere haben ein erhöhtes Risiko nach einer Corona-Infektion schwer zu erkranken. Auch für die Gesundheit des Kindes scheint die Infektion Folgen zu haben.

London ‒ Mit einer Corona-Infektion könnte bei Schwangeren ein erhöhtes Risiko einer Totgeburt bestehen. Dieses Ergebnis hat eine britische Forschungsgruppe in der Fachzeitschrift American Journal of Obstetrics and Gynecology veröffentlicht. Das Team hat Gesundheitsdaten, die in Krankenhäusern gesammelt wurden, von 342.080 Schwangeren, die zwischen dem 29. Mai 2020 und dem 31. Januar 2021 in England ein Kind bekommen haben, ausgewertet.

Coronavirus: Britische Forscher erkennen höheres Risiko für Totgeburten

3527 der berücksichtigten Personen wurden während der Geburt positiv auf das Coronavirus* getestet. Innerhalb der Gruppe der Positiv-Getesteten brachten 30 Frauen ein totes Kind zur Welt. Das entspricht einem Wert von 8,5 je 1000 oder 0,85 Prozent. In der anderen Gruppe hat das Forschungsteam einen Wert von 3,4 je 1000 oder 0,34 Prozent berechnet. Auch wenn die Chancen generell recht klein sind, weisen die Ergebnisse darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Totgeburt bei Corona*-Infizierten deutlich erhöht ist. Die Forschenden haben einen statistisch signifikanten Zusammenhang festgestellt.

Ähnliches konnte für Frühgeburten festgehalten werden. Während nur 5,8 Prozent der Negativ-Getesteten ihr Kind vor der 37. Schwangerschaftswoche auf die Welt brachten, waren es unter den Positiv-Fällen 12,1 Prozent. Auch dieser Zusammenhang ist statistisch signifikant. „Anhand dieser Befunden sollten Schwangere über die Risiken einer SARS-COV-2-Erkrankung während der Schwangerschaft beraten werden. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass schwangere Frauen vorrangig geimpft werden sollten“, heißt es abschließend in der Studie.

Corona in der Schwangerschaft: Studie vermutet höheres Risiko für Frühgeburt

In Deutschland werden Schwangere aktuell nur in Einzelfällen geimpft. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt es aktuell nicht, obwohl Studienergebnisse schon länger auf schwere Verläufe bei Schwangeren hinweisen. Dass in der Schwangerschaft ein erhöhtes Risiko besteht, ist schon länger bekannt. Die Bundesregierung hat das in ihrer Corona-Impfverordnung* berücksichtigt. So kann jede Schwangere zwei enge Kontaktpersonen benennen, die dann in der Gruppe 2 (erhöhte Priorität) geimpft werden können.

Video: Corona-Impfung in der Schwangerschaft

Über die Impfung der Schwangeren selbst schreibt die STIKO in einer Pressemitteilung vom 10. Mai: „Bisher liegen keine Erkenntnisse aus kontrollierten Studien zum Einsatz der COVID-19-Impfstoffe in der Schwangerschaft vor. Alleine auf Grundlage der kürzlich publizierten Beobachtungen aus den USA wird die STIKO keine generelle Impfempfehlung für Schwangere aussprechen.“ Bei Vorerkrankungen oder bei besonderen Lebensumständen sei jedoch eine Nutzen-Risiko-Abwägung möglich. Nach ausführlicher ärztlicher Aufklärung könne ab dem 4. Schwangerschaftsmonat ein mRNA-Impfstoff angeboten werden. Die Vakzine der Firmen Biontech* und Moderna* sind mRNA-Stoffe. (lb) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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