Berlin: In einem Zimmer der Intensivstation wird ein Patient mit einem schweren Covid-19 Krankheitsverlauf behandelt.
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Berlin: In einem Zimmer der Intensivstation wird ein Patient mit einem schweren Covid-19 Krankheitsverlauf behandelt.

Bestimmte Gruppe gefährdet

Israelische Studie: Schwere Corona-Erkrankung trotz vollständiger Impfung - Diese Menschen trifft es

  • Marc Dimitriu
    VonMarc Dimitriu
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Wer geimpft ist, ist nur selten von schweren Corona-Verläufen betroffen. Eine israelische Studie hat nun untersucht, welche Gruppen es trotzdem treffen kann.

Ashdod - Viele Länder werden gerade von einer vierten Corona-Welle getroffen, auch in Deutschland steigen die Zahlen wieder. Doch in den Ländern mit einer hohen Impfquote bleiben die Hospitalisierung und auch die Todeszahlen auf einem niedrigen Niveau, das nicht mit den letzten Wellen vergleichbar ist. Die Impfungen wirken also.

Corona-Infektion trotz Impfung: Israelische Studie untersucht Gründe

Und auch, wenn schon von Anfang an klar war, dass sich auch Geimpfte infizieren können, bereiten Meldungen über Menschen, die trotz vollständiger Impfung in Krankenhäuser eingeliefert werden müssen, Sorgen. Doch das muss nicht beunruhigen, denn die Fälle sind sehr vereinzelt. Die meisten sind nach ihrer Impfung vor schweren Verläufen und dem Tod durch Corona geschützt. Eine israelische Studie hat nun erforscht, welche Gruppen es aber nach der zweiten Impfung trotzdem treffen kann.

Das Team um Tal Brosh-Nissimov vom Samson Assuta Ashdod University Hospital untersuchte in ihrer Studie, die in der Fachzeitschrift „Clinical Microbiology and Infection“ veröffentlicht wurde, 152 Covid-19-Patienten, die in 17 verschiedenen Krankenhäusern behandelt wurden. Alle Teilnehmer hatten eine zweifache Impfung mit dem Biontech-Impfstoff und erkrankten frühestens acht Tage nach der zweiten Impfung. Im Mittel lagen zwischen der zweiten Impfung und Hospitalisierung knapp 40 Tage.

Corona-Studie: Großteil der infizierten Geimpften leidet an Vorerkrankungen

Von den 152 Menschen, die trotz Impfung schwer an Corona erkrankten, waren nur sechs zuvor gesund. Bei den restlichen 146 Betroffenen wurde mindestens eine Grunderkrankung diagnostiziert. Die meisten waren von Bluthochdruck (71 Prozent der Erkrankten) betroffen, gefolgt von Diabetes (48 Prozent) und chronischem Nierenversagen (32 Prozent). Weitere Vorerkrankungen waren Herzleiden (28 Prozent), Lungenleiden (24 Prozent), Krebs (24 Prozent) und Demenz (19 Prozent).

Ein weiterer Faktor spielten wohl langfristige Kortison-Behandlungen, Chemotherapien oder Organtransplantationen. Bei etwa 40 Prozent der Betroffenen war das Immunsystem deswegen herunterreguliert. Wenn das Immunsystem durch eine solche Behandlung beeinträchtigt ist, kann es bei einer Impfung nur einen eingeschränkten Schutz aufbauen, wie spiegel.de berichtet.

Die Forschenden entdeckten bei der Studie auch Gemeinsamkeiten mit Menschen, die 2020 ohne Impfschutz schwer erkrankten. Betroffene waren bei den Geimpften aus der aktuellen Studie, genauso wie bei den Ungeimpfte, vor allem Männer. Das mittlere Alter lag bei 71 Jahren. Allerdings hatten die Geimpften noch häufiger Vorerkrankungen als die Ungeimpften, die schwer an Covid-19 erkrankten.

Corona-Infektion trotz Impfung: Vorerkrankte und Immungeschwächte brauchen vermutlich Auffrisch-Impfungen

Der Verlauf der Covid-19-Erkrankung bei den Geimpften in der Studie war ebenfalls ähnlich mit denen der Ungeimpften. Die meisten (61 Prozent) entwickelten einen schweren Krankheitsverlauf, 22 Prozent starben an den Folgen.

In ihrem Fazit schreiben die israelischen Forscher: „Zusätzliche Studien sind dringend erforderlich, um Prädiktoren für eine Impfstoffdurchbruchinfektion und einfache Korrelate des Impfschutzes zu identifizieren.“ Auch um Personen mit höherem Risiko zu identifizieren. Für diese müssten womögliche weiterhin strenge Vorsichtsmaßnahmen gelten und möglicherweise müssten weitere Impfungen durchgeführt werden. „Darüber hinaus wird ein indirekter Schutz gefährdeter Personen am besten durch Massenimpfungen erreicht, die zu einer Herdenimmunität führen.“ Israel hat schon Anfang Juli damit begonnen, Patienten mit einem geschwächten Immunsystem Auffrischimpfungen anzubieten.

Die Studie liefert jedoch keine Antwort auf die Frage, wie häufig Geimpfte an Corona erkranken. Es ist außerdem noch unklar, ob es sich überhaupt bei allen Fällen um Impfdurchbrüche gehandelt hat. Zwei Drittel der Studienteilnehmer wurden zwar aufgrund ihrer Covid-19-Erkrankung in der Klinik aufgenommen. Bei mehr als einem Drittel war aber auch die Grunderkrankung die Ursache. Auch andere Studien beschäftigen sich mit Geimpften, die an Corona erkranken. (md)

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