Ein Mitarbeiter des Gesundheitswesens in einem Schutzanzug kümmert sich um einen infizierten Patienten auf der Intensivstation des Universitätskrankenhauses
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US-Studie zeigt: Nur weil man mit Corona nicht im Krankenhaus landet, ist es nicht weniger gefährlich. (Symbolbild)

Kritiker zweifeln an Repräsentativität

US-Studie zu Long Covid: Sterberisiko könnte monatelang erhöht sein - auch bei mildem Verlauf

  • Raffael Scherer
    vonRaffael Scherer
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Die Langzeitschäden einer Corona-Erkrankung sind laut einer Studie aus den USA stärker als gedacht. Long Covid könnte unter anderem die Sterberate erhöhen.

Saint Louis - Amerikanische Wissenschaftler haben in einer Studie herausgefunden, dass Corona über die direkte Erkrankung hinaus weitreichende Folgen haben kann. Wie sie in einem Artikel des Magazins nature.com erklärten, kann die Krankheit - trotz mildem Verlauf - sich langfristig negativ auf fast alle Organe auswirken. Sogenanntes „Long Covid“.

Für die Studie nutzten die Wissenschaftler die Daten des US-Veteranenministeriums. Dort beobachteten sie über 73.000 Personen mit einem Durchschnittsalter von 61 Jahren, 88 Prozent davon waren Männer. Diese Veteranen hatten sich mit dem Virus infiziert und galten nach einem milden Krankheitsverlauf - also ohne eines Aufenthalts im Krankenhaus - nach 30 Tagen als genesen.

Nach Corona-Erkrankung: 60 Prozent mehr Tote als ohne Infektion

Als Vergleich betrachteten sie die Daten genau so vieler nicht-infizierter Veteranen, mit einem Durchschnittsalter von rund 67 Jahren, 90 Prozent männlich. Beide Gruppen wurden ein halbes Jahr lang beobachtet. Dabei stellten sie fest, dass bei den Genesenen nicht nur mehr körperliche und geistige Beschwerden auftraten. Auch die Sterberate lag deutlich höher als bei der gesunden Vergleichsgruppe.

So fanden die Wissenschaftler rund um Dr. Ziyad Al-Aly von der Washington University in Saint Louis School of Medicine laut der New York Times heraus, dass alle Covid-19-Genesenen eine etwa 60 Prozent höhere Sterbequote aufwiesen, als von der Pandemie Verschonte. So verstarben in dem beobachteten halben Jahr von den 73.345 genesenen Patienten genau 1672 - etwa 2,3 Prozent.

Long Covid: Corona-Langzeitschäden in allen Bereichen des Körpers festgestellt - „Wir fanden alles“

Darüber hinaus bemerkten sie bei den Probanden nicht nur, dass es nach der Krankheit selbst immer noch vermehrt Probleme in den Atemwegen gab, sondern etwa auch Störungen des Nervensystems. Außerdem traten im Vergleich auch mehr kognitive Schäden, psychische Störungen, Stoffwechselstörungen, Herz-Kreislauf-Störungen und Magen-Darm-Störungen auf.

Ebenso verzeichneten die Wissenschaftler lange nach der Ansteckung Probleme wie Unwohlsein, Müdigkeit, Schmerzen des Bewegungsapparates und Anämie. „Wir fanden alles“, so Al-Aly. Long-Covid-Betroffene bräuchten nach der „Genesung“ außerdem häufiger Medikamente, wie etwa Schmerzmittel, Antidepressiva oder Mittel gegen zu hohen Blutdruck. Etwa 20 Prozent mehr, als die Gesunden.

Außerdem stellten sie in den Organen der Testpersonen regelmäßig laboratorische Abweichungen von den erwarteten Soll-Werten fest - nicht nur im Bereich der Atemwege. Beim Vergleich mit einer „schweren Grippe“ machten sich ebenfalls schwerwiegendere, langfristige Probleme deutlich. Den Wissenschaftlern fehlt jedoch noch weiterhin die Erkenntnis, welcher Teil des Coronavirus genau für die Langzeitschäden verantwortlich ist.

Kritiker weißen auf mangelnde Repräsentativität anhand verwendeter Daten der Studie hin

Kritisiert wurde an der Studie, dass die Daten aufgrund des verschiedenen Alters und der verschiedenen Aufteilungen der Probanden nicht repräsentativ sein könnten. Genauso könnten weitere Faktoren wie etwa von den Patienten eingenommene Medikamente - inklusive deren Nebenwirkungen - ebenfalls eine Rolle gespielt haben, die in das Ergebnis nicht mit einfließen. Es gibt Hilfe für Long-Covid-Betroffene, wie 24vita.de berichtet. *Merkur.de und 24vita.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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