Verdacht: Schwerer Fall des Betrugs

Gefälschte Corona-Testergebnisse? Razzia der Polizei und Staatsanwaltschaft in Testzentrum

  • Christina Denk
    vonChristina Denk
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Möglicherweise sind in einem Testzentrum in Lübeck Befunde von PCR-Tests gefälscht worden. Eine Kundin bemerkte Unstimmigkeiten. Doch der Verdacht reicht noch weiter.

Lübeck - Betrug im Corona-Testzentrum? In Lübeck haben Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitag (19.3.) ein Testzentrum durchsucht. Der Verdacht: Schwerer Fall von Betrug und Titelmissbrauch.

Lübeck: Berliner Student betreibt Zentrum in Lübecker Altstadt - Razzia nach nur zehn Tagen

Erst seit zehn Tagen betreibt eine Berliner Firma das Corona-Testzentrum in der Altstadt von Lübeck, informiert der NDR. Betreiber und Leiter vor Ort ist laut Informationen des Rundfunksenders ein Student aus Berlin. Die Ermittlungen richten sich demnach gegen ihn und eine Mitarbeiterin. Vor allem Gratis-Schnelltest standen bei dem Lübecker Testzentrum auf dem Tagesprogramm. Doch auch PCR-Tests für 120 Euro führte das Zentrum durch. Diese können beispielsweise für Reisen ins Ausland verwendet werden. Anders als Schnelltests ist bei ihnen jedoch eine Laboranalyse nötig. Und hier ist der Haken an dem Fall.

Lübeck: Razzia im Testzentrum - Kundin wundert sich über schnelles Testergebnis aus Berlin

Eine Kundin in dem Testzentrum ließ für ihre Mutter einen PCR-Test beim Lübecker Anbieter machen. Abstrich und Laboruntersuchung kosteten 120 Euro. „Ich schaute am nächsten Tag in meine Mails, ungefähr gegen 9.30 Uhr. Ich sah, dass ich schon um 7.55 Uhr einen Vermerk hatte, dass das Testergebnis da war“, schilderte sie gegenüber dem NDR. Das Ergebnis war nach etwa 15 Stunden im Postfach der Frau. Laut einer Bescheinigung stammte der PCR-Befund aus einem Berliner Labor. Weil sie misstrauisch wurde, fragte sie dort nach. Doch das Resultat: Dort hatte man weder ihren Test, noch einen anderen Abstrich aus dem Lübecker Testzentrum untersucht. Die Kundin zeigte die Ungereimtheiten bei der Polizei an.

Lübeck: Schwerer Fall von Betrug und Titelmissbrauch - Razzia soll Ungereimtheiten aufdecken

Die Staatsanwaltschaft hat nun ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Es bestehe der Verdacht auf einen besonders schweren Fall des Betrugs und des Titelmissbrauchs, sagte die Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft. Der Betrug bezieht sich auf die nicht oder nicht ordnungsgemäß durchgeführten PCR-Tests. Die Bescheinigungen waren zudem von einer Mitarbeiterin mit einem Doktortitel unterschrieben. Sie soll jedoch nie promoviert haben. Titelmissbrauch. In Folge der Razzia wurden daher nicht nur die Räume des Testzentrums, sondern auch die Geschäftsräume in Berlin und die Privatwohnungen der Verdächtigen untersucht. (chd)

Rubriklistenbild: © Clara Margais/dpa

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