Warteschlangen vor einer Corona-Teststation in Bibione.
+
Warteschlangen vor einer Corona-Teststation in Bibione.

„Wollen einfach nur nach Hause“

Testpflicht für Einreisende: Oberbayer wartet seit Stunden in italienischem Touristenort – „Ein einziges Chaos!“

  • Franziska Schwarz
    VonFranziska Schwarz
    schließen

Corona-Tests sind seit kurzem bei der Einreise Pflicht – aber auch gut zu bekommen? Ein Oberbayer und seine Familie schlossen den Italien-Urlaub sehr unschön ab.

Bibione - Seit wenigen Tagen gilt in Deutschland bei der Einreise eine Testpflicht. Die meisten Reisenden sind guten Willens und halten sich daran – auch wenn ziemliche Hürden auf sie zukommen können. Das zeigt das Beispiel eines Oberbayern, der nach Italien gefahren war. „Wenn ich gewusst hätte, dass es so abläuft, wäre ich nicht verreist“, sagte der Mann zu Merkur.de.

Mit seiner Frau und den drei Kindern stellt er sich an diesem Donnerstagmorgen um 8:30 Uhr vor einer kostenlosen Corona-Teststation in dem Touristenort Bibione an. Der einzigen weit und breit, wie er schildert. Und mit ihm unzählige weitere Touristen und Einheimische. Auf 1200 schätzt der Familienvater die Zahl.

Chaos an Corona-Teststation: Oberbayer berichtet von stundenlangem Warten

Zum Zeitpunkt des Telefonats war es bereits 15 Uhr nachmittags, „und nichts in der Schlange bewegt sich. Ich denke, wir kommen heute schon noch dran. Aber die Menschen 20 Meter hinter uns wohl nicht, und die 500 Meter entfernten erst recht nicht“, verzweifelt der 38-Jährige.

Eine einzige Dixi-Toilette gebe es für die Wartenden, die teils ihre schlafenden Kinder auf den Armen hielten. Keine Möglichkeit, Wasser oder einen Snack zu kaufen, und die Sonne brenne. „Die ganze Ortschaft ist vollgeparkt.“ Die Abläufe kommen dem Oberbayern „total unorganisiert“ vor, eine „einzige Katastrophe, ein Chaos!“. Mit seinem Smartphone hat er Fotos geschossen (siehe oben).

Italien-Tourist berichtet: „40 Euro für einen Corona-Test können sich viele nicht leisten“

Eine andere Option wäre die zweite Teststation im Thermalbad des Ortes. Doch dort koste der Corona-Test 40 Euro pro Person - auch für Kinder - „und das können sich viele hier nicht leisten“, glaubt der Deutsche. Sein Reiseveranstalter, bei dem er eine Ferienwohnung in dem Ort angemietet hatte, habe auch keine weiteren Infos. Er habe ihm und seinen Nachbarn am Abend zuvor einen Zettel mit der Anschrift der Teststation gegeben. An der er jetzt mit seiner Familie seit Stunden steht.

Einige italienisch sprechende Menschen hätten zwar geflucht, aber gekippt sei die Stimmung nicht. Das hatte er kurz befürchtet. „Wenn man sieht, wie ruhig die Leute hier geblieben sind statt auszuflippen, kann man sich nur wundern“, berichtet der Mann. „Die Menschen wollen einfach nur nach Hause.“ Eine weitere Nachfrage um 16 Uhr: Jetzt hat es geklappt. „Wir haben gerade in der Nase gestochert und warten nun auf unser Ergebnis“, klingt er erleichtert.

Corona-Testpflicht bei der Einreise nach Deutschland kam kurzfristig

Seit vergangenem Sonntag gelten die neuen Regeln. Alle Menschen ab zwölf Jahren müssen bei der Einreise nach Deutschland nachweisen können, dass sie entweder negativ auf das Coronavirus getestet, gegen Covid-19 geimpft oder genesen sind. Sie gilt für alle Verkehrsmittel. Wer dagegen verstößt, muss mit einem Bußgeld rechnen.

Kurzfristig hatte die Bundesregierung die Neuerung verkündet. Offenbar zu kurzfristig, um in allen Touristenorten mehr Teststationen aus dem Boden zu stampfen. Millionen Deutsche urlauben jährlich in Italien. (frs)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare