Coronavirus - Symbolbild - eine Frau geht an einem Coronavirus-Graffito vorbei
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Fakten zum Virus

Corona: Immunität, Dunkelziffer, Ausstiegsszenario - Münchner Mediziner räumt mit Gerüchten auf

  • Maximilian Kettenbach
    vonMaximilian Kettenbach
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  • Kathrin Reikowski
    Kathrin Reikowski
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Coronavirus-Krise: Vieles wird vermischt in Debatten - ein Münchner Forscher über Begriffe und Fakten, die für langfristige Strategien wichtig sind.

  • Viele Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus* orientieren sich an Fallzahlen und Anzahl der Menschen in Krankenhäusern.
  • Für langfristige Strategien ist aber mehr Wissen nötig.
  • Der Leiter des Münchner Tropeninstituts mit einer Übersicht über Begriffe wie Dunkelziffer und Immunität.

München - Michael Hölscher, Leiter des Münchner Tropenistituts, führt derzeit eine Studie mit 3000 Münchnern durch. Sie soll Aufklärung bringen, wie hoch die so genannte Dunkelziffer der Infektionen bereits ist, wie nah wir an der Herdenimmunität sind - und wie sich die Situation in den nächsten 12 Monaten entwickeln könnte. 

An ähnlichen Studien arbeitete er bereits in Afrika und Asien und Südamerika. In einem Zeit-Interview brachte er Licht ins Dunkel der Diskussionen um Fakten und den aktuellen Verlauf der Epidemie in Deutschland.

Video: Coronavirus - Robert-Koch-Institut braucht Rachenabstriche

Coronavirus: Wie hoch ist die Dunkelziffer in Deutschland?

Bis zu einer Herdenimmunität von 60 bis 70% wird es noch dauern - darüber ist sich die Forschung* einig. Aktuell vermuten manche, dass bereits zehn Prozent der Menschen infiziert gewesen sein könnten und damit eine gewisse Immunität aufweisen würden. Das sieht Hölscher anders:

„In ganz Deutschland werden wir derzeit maximal bei einer Durchseuchung von einem halben bis einem Prozent der Bevölkerung liegen“, meint Hölscher am 12. April in der Zeit. Die Dunkelziffer werde aber noch ansteigen - bei steigenden Infektionsraten.

Coronavirus: Was gilt zur Immunität?

Jüngere Berichte aus Südkorea legen nahe, dass ehemals erkrankte Patienten erneut positiv auf das Virus getestet werden können - und damit keine Immunität erreichen. Hölscher sagte dazu in der Zeit: „Unsere Erwartungshaltung ist, dass wir einen hoffentlich mehrjährigen Schutz haben, und dass, wenn man es ein zweites Mal bekommt, die Erkrankung sehr viel sanfter sein wird.“ Andere Szenarien seien für niemanden zu durchdenken. Trotzdem mahnt er klar zur Vorsicht: Auch Menschen mit einer überstandenen Infektion sollten sich nicht hemmungslos ins Sozialleben stürzen.

Ein anderer Arzt gab am 9. April bei Bild Entwarnung. Dr. Martin Stürmer, Virologe von der Universität Frankfurt, war selbst mit Corona infiziert und hat die Krankheit überstanden.

„Ich teile die Meinung vieler anderer Kollegen auch, dass man erst mal genau nachgucken muss, ob da nicht im Testprinzip irgendetwas schiefgelaufen ist. Denn es ist doch interessant, dass wir das Phänomen so geballt in Südkorea sehen, aber sonst keine Berichte aus anderen betroffenen Ländern hören“, so der Mediziner.

Er rät zu Geduld: „Wir müssen uns noch ein bisschen Zeit nehmen, bis die Daten geprüft sind und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dazu Stellung genommen hat.“

Coronavirus: Wie genau sind die Tests aktuell?

Schlechte aktuelle Tests würden aktuell etwa zehn Prozent fälschlicherweise positive Tests produzieren, gute Tests etwa zwei Prozent. Hier soll sich in den nächsten vier bis sechs Wochen aber etwas tun: Durch kombinierte Testverfahren aus Screening-Tests, die keine Antikörperpositiven übersehen und Bestätigungstests, die Infektionen* bestätigen.

Corona in Deutschland: Wie kann ein Ausstiegsszenario aussehen?

Der Münchner Tropenmediziner rechnet damit, dass sich die arbeitende Bevölkerung auf ein Leben mit Mundschutz einstellen muss, dass Schulen und Universitäten wieder öffnen werden - dabei aber Menschen mit Erkrankungen oder hohem Alter weiterhin besonders geschützt werden müssen.

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