Ein Coronatest wird durchgeführt.
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Pflegeheime sind oft besonders vom Coronavirus betroffen (Archivbild).

Teilweise 80 Prozent der Todesfälle in Heimen

Höhere Corona-Todeszahlen in Deutschland als im Lockdown-freien Schweden - Werte aus Pflegeheimen bedenklich

Was hat der Lockdown gebracht? Die deutschen Zahlen liegen über dem des oftmals kritisierten Lockdown-freiem Schwedens. Doch sind der Grund dafür die Pflegeheime?

München - Deutschland setzt neben Impfungen auf den Lockdown, um Corona zu bekämpfen. Fünf Monate schon ist das Land dicht. Recherchen der Bild stellen diesen Weg nun in Frage - die Zahlen in Deutschland sind teilweise höher als in Ländern ohne Lockdown. Der Grund hierfür soll der unzureichende Schutz gegen das Virus in Alten- und Pflegeheimen sein.

Pflegeheime der Grund für hohe Corona-Todeszahlen? Prozentual sogar über Lockdown-freiem Schweden

Wie die Zeitung berichtet, kam ein Großteil der Corona-Todesfälle in der zweiten Welle aus Pflegeheimen. Laut mehrmaligen Abfragen der Zeitung bei den Gesundheitsministerien der Länder wohnten in vielen Ländern über 80 Prozent der Verstorbenen in Heimen. Das baden-württembergische Sozialministerium bestätigte einen SWR-Bericht, der besagte, dass mehr als 40 Prozent aller Todesfälle dort Pflegeheimen entstammten. In Hessen bestätigte das Regierungspräsidium, dass im November 66 Prozent der Todesfälle auf Heime entfielen. In Schleswig-Holstein waren es laut Gesundheitsministerium in Kiel zwischen 21. September und 14. Dezember sogar 89 Prozent. In Schweden gehen Experten laut ARD von etwa 50 Prozent aus.

Experten wie der Virologe Hendrik Streeck (Uni Bonn) oder Jonas Schmidt-Chanasit (Uni Hamburg) hatten bereits im Herbst besseren Maßnahmen für die Heime gefordert, wie FFP2-Masken oder Schnellstests. Diese Warnungen kamen bei den Verantwortlichen jedoch offenbar nicht ausreichend an, auch wenn der Schutz der Pflegeheime durch Tests vor Besuchen etwa erhöht worden war.

Durch die Heime ließe sich demnach erklären, warum es Deutschland trotz hartem Lockdown nicht geschafft habe, seine Corona-Zahlen unter ein Land wie Schweden zu drücken, wo in den letzten Monaten pro Einwohner meist weniger Menschen an Covid-19 gestorben sind als hierzulande. Konkret starben laut Robert-Koch-Institut im 83-Millionen-Einwohner-Land Deutschland vom 1. November bis zum 27. Februar 59.564 Menschen an dem Virus, in Schweden (10,3 Millionen Einwohner) waren es 6769. Prozentual bedeutet das 0,066 Prozent in Schweden gegenüber 0,072 Prozent in Deutschland. Schweden hatte Schulen, Geschäfte und Gaststätten im Herbst und Winter unter strengen Corona-Auflagen geöffnet gelassen.

Corona: Harter Lockdown ja oder nein? Kubicki kritisiert Regierung, Lauterbach mahnt

Der FDP-Politiker und Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki kritisiert, dass sich die Bundesregierung und einige Ministerpräsidenten „dem schwedischen Weg gegenüber fachlich und moralisch überlegen gefühlt“ hätten. Laut Kubicki brauche Deutschland „eine bessere Balance zwischen Gesundheitsschutz und der Wahrung der Grundrechte“.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach dagegen verteidigt den Lockdown-Weg der Regierung - er kritisiert dagegen beispielsweise Österreich für vorschnelle Öffnungen. „Österreich lockert in die B117-Welle hinein“, schreibt er bei Twitter. „Das werden dort viele mit dem Leben bezahlen, wenn man es ehrlich beschreiben darf. Zum Schluss wird dann wieder ein Lockdown kommen, für den sich die Verstorbenen nichts kaufen können. Kein Beispiel für uns.“

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