Zwei Schulkinder stehen mit Schulranzen auf der Straße.
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Wie glücklich sind Kinder in Deutschland? Eine Studie des Kinderhilfswerks Unicef liefert ein ernüchterndes Ergebnis.

Covid-19 als „gesellschaftlicher Brennspiegel“

Jedes vierte deutsche Kind unglücklich: Unicef-Studie zeigt bittere Realität - Abrechnung mit Corona-Politik

  • Andreas Schmid
    vonAndreas Schmid
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Kinder in Deutschland sind laut einer Unicef-Studie nicht so zufrieden wie in Nachbarländern. Ändert sich in der Bundesrepublik nichts, droht ein Fiasko.

  • In Deutschland ist nicht jedes Kind zufrieden mit seinem Leben.
  • Die Bundesrepublik schneidet in einer aktuellen Unicef-Studie schlechter ab als andere Industrieländer.
  • Eine entscheidende Rolle spiele die Coronavirus-Pandemie*.

Köln - Wie glücklich sind Kinder in Deutschland? Nach einer repräsentativen Studie des Kinderhilfswerks Unicef geben in Deutschland 75 Prozent der Mädchen und Jungen an, mit ihrem Leben sehr zufrieden zu sein. Die Lebenszufriedenheit ist damit geringer als in anderen Industrieländern. In den Niederlanden sind das 90 Prozent, in der Schweiz 82 Prozent und in Frankreich 80 Prozent. Der niedrigste Wert wurde mit 53 Prozent in der Türkei gemessen, gefolgt von Japan und Großbritannien.

„75 Prozent ist einerseits ein guter Wert, man kann es aber auch umdrehen und sagen: Jedes vierte Kind ist nicht sehr zufrieden“, sagte der Sprecher von Unicef Deutschland in Köln, Rudi Tarneden. „Und das ist im internationalen Vergleich eben gar nicht so gut.“ Doch wie kommt dieser Wert zustande?

Unicef-Studie: Viele Kinder sind mit ihrem Körper nicht zufrieden

Auffällig ist, dass in Deutschland lediglich 72 Prozent der Mädchen und Jungen sagen, es falle ihnen leicht, Freundschaft zu schließen. In Rumänien sagen das 83 Prozent. Deutschland liegt hier im unteren Bereich. Das bedeute, dass die Förderung sozialer Kompetenzen in der Schule größeres Gewicht bekommen müsse, sagte Tarneden. Neben Estland und Polen gibt es in Deutschland auch die meisten Heranwachsenden, die sich zu dick oder zu dünn finden. Trotz einer langen Phase der Hochkonjunktur sei auch die Kinderarmut in der Bundesrepublik relativ konstant geblieben, sagte Tarneden.

„Wohlstand bedeutet nicht automatisch, dass alle Kinder sich gut entwickeln können“, sagte Tarneden. „Was wir in den westlichen Industriegesellschaften haben, ist eine Vielfalt von kindlichen Lebenslagen. Die perfekte Familie aus dem Werbefernsehen ist eine Illusion. Viel zu viele Kinder werden abgehängt, auch bei uns.“

Unicef-Studie: Corona als „gesellschaftlicher Brennspiegel“

Eine weitere Rolle spielt gewiss, dass die Eltern vieler deutscher Kinder stärker sorge- und angstgetrieben seien als in anderen Ländern. „Wenn die Erwachsenen wenig Zuversicht vermitteln, spiegelt sich das in den Einstellungen der Kinder.“ Das entscheidendste Kriterium für die Werte sei allerdings die Corona-Pandemie, da die daraus resultierenden Belastungen für Kinder enorm seien.

Vor allem die langen Schulschließungen hätten die mentale und körperliche Gesundheit vieler Kinder gefährdet. „Es ist ja für jeden einsichtig, dass Kinder, die ein stabiles Zuhause haben und dort gefördert und unterstützt werden, besser aus der Krise kommen werden als diejenigen, die tagsüber allein in einer Hochhaussiedlung sitzen und sich mit Spielen am PC oder auf dem Handy ablenken“, sagte Tarneden. Generell gelte, dass Corona alle sowieso schon vorhandenen Probleme noch einmal verstärke. „Insofern wirkt Corona wie ein gesellschaftlicher Brennspiegel“, sagte Tarneden.

Unicef-Studie: Kinderhilfswerk propheziet düstere Zukunft

„Viele der reichsten Länder der Welt, die eigentlich über genügend Ressourcen verfügen, scheitern, wenn es darum geht, allen Kindern eine gute Kindheit zu ermöglichen“, meint Gunilla Olsson, Direktorin von Unicef Innocenti. „Wenn Regierungen nicht schnell und entschlossen handeln und der Schutz von Kindern nicht Teil der Reaktion auf die Covid-19-Pandemie ist, müssen wir mit steigenden Armutsraten, einer Verschlechterung mentaler und physischer Gesundheit sowie einer wachsenden Kluft bei der Qualifikation von Kindern rechnen. Die Unterstützung von Kindern und ihren Familien während der Covid-19-Pandemie ist erschreckend unzureichend. Es muss mehr getan werden, um Kindern eine sichere und gute Kindheit zu ermöglichen – jetzt.“

Für die Studie, erstellt vom Unicef-Forschungszentrum Innocenti in Florenz, wurde das Wohlbefinden von Kindern in 41 Ländern der OECD und der Europäischen Union verglichen. Dabei ging es um mentale und körperliche Gesundheit sowie um soziale und intellektuelle Kompetenzen. (as/dpa) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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