Überraschende Entdeckung

Neuer Corona-Ursprung entdeckt? Fledermaus-Kot gibt unerwarteten Aufschluss

  • Judith Braun
    vonJudith Braun
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Auf der Suche nach dem Coronavirus-Ursprung wurden Forscher fündig: Sie entdeckten erstmals außerhalb von China SARS-CoV-2-Verwandte.

  • Wissenschaftler machen eine überraschende Corona-Entdeckung*.
  • Erstmals wurden SARS-CoV-2-verwandte Viren außerhalb Chinas vor 2019 entdeckt.
  • Eingefrorener Kot von Fledermäusen liefert wichtige Erkenntnisse.

Phnom Penh/Kambodscha - Das Coronavirus* hat die Welt immer noch fest im Griff. Während Politiker und Experten alles dafür tun, um das Virus vordergründig zu bekämpfen, suchen Forscher* im Hintergrund weiterhin nach dem Ursprung von SARS-CoV-2. Dadurch sind Wissenschaftler aus Japan und Kambodscha auf eine neue Entdeckung gestoßen: Erstmals wurden dem Virus verwandte Viren außerhalb von China entdeckt. Von chinesischen Wuhan aus hatte sich Corona zunächst verbreitet. Doch offenbar hat es seinen Ursprung nicht allein nur dort.

Corona: Fledermaus-Kot gibt Aufschluss über Virus-Ursprung außerhalb Chinas

Bei zwei seit 2010 in Laborkühlschränken gelagerten Shamel-Hufeisenfledermäusen (Rinolophus shameli) fand ein kambodschanisches Forscherteam des Pasteur-Instituts in Phnom Penh eine dem SARS-CoV-2 sehr ähnliche Virus-Variante, wie das Wissenschaftsjournal Nature berichtete. Gleichzeitig entdeckten Wissenschaftler aus Japan in seit 2013 gefrorenem Kot von Hufeisennasen-Fledermäusen ebenfalls eine verwandte Coronavirus-Variante. Die genannte Rc-o319-Variante ist mit 81 % Virusanteile seines Genoms zu weit entfernt, um Einblicke in die Entstehung der Pandemie zu gewähren. Dennoch bestärkt es die Hinweise darauf, dass SARS-CoV-2 aus Hufeisenfledermäusen stammt. Allerdings ist immer noch nicht klar, ob es von Tieren direkt auf die Menschen übertragen wird oder über einen Zwischenwirt.

Zwar ist das Genom des Virus aus Kambodscha noch nicht ganz sequenziert und veröffentlicht. Stellt sich jedoch eine enge Verwandtschaft zum Coronavirus heraus, könnte es wichtige Informationen zur Übertragung* von Tier auf Mensch, der sogenannten Zoonose, liefern. Zusätzlich könnte es auch Aufschluss über den Ursprung der Pandemie geben. Für den Gewinn solcher Erkenntnisse müssten mehr als 97 Prozent seines Genoms mit SARS-CoV-2 übereinstimmen. Selbst wenn es weniger Verwandtschaft aufweise, könnte es laut Etienne Simon-Loriere, Virologe am Pasteur-Institut in Paris, zu mehr Kenntnissen über die Vielfalt der Virusfamilie beitragen: „Sollte es nur entfernt verwandt sein, ist das Virus trotzdem nützlich, weil es uns mehr über die Vielfalt der Familie der Coronaviren lehren kann“, so der Forscher.

Corona: Wissenschaftler machen überraschende Entdeckung - „Kein brandneues Virus“

Unabhängig davon, wie eng das Virus aus Kambodscha mit SARS-CoV-2 verwandt sein wird, habe die Wissenschaftler bereits jetzt eine wichtige Erkenntnis gewonnen: Beide Entdeckungen bestätigen, dass mit Corona verwandte Viren bei Fledermäusen aus China und sogar außerhalb Chinas relativ häufig sind. „Das haben wir gesucht und gefunden“, sagt Veasna Duong, Virologe am Pasteur-Institut in Kambodscha in Phnom Penh, der die Suche nach den alten Proben leitete. „Es war aufregend und überraschend zugleich.

Aufgrund der neuen Ergebnisse kann man davon ausgehen, dass weitere noch unentdeckte SARS-CoV-2-Verwandte in Laborgefriergeräten gelagert sind, so Aaron Irving, Forscher für Infektionskrankheiten an der Zhejiang-Universität in chinesischen Haining. Somit handelt es sich wahrscheinlich um „kein brandneues Virus“, sagt Tracey Goldstein, stellvertretende Direktorin des One Health Institute an der University of California in Davis, die am kambodschanischen Team beteiligt ist. „Viren in dieser Gruppe gab es, bevor wir 2019 auf sie aufmerksam wurden“, so die Wissenschaftlerin. (jbr) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes

Rubriklistenbild: © Marcel Kusch/dpa

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