Neue Erkenntnisse in der Corona-Pandemie

Britische Corona-Variante: Doch nicht tödlicher? Forscher mit neuen Studien-Ergebnissen

  • Julia Cuprakowa
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Die britische Corona-Variante B.1.1.7 hat sich, auch in Deutschland, stark ausbreitet. Die Mutante ist deutlich ansteckender als das ursprüngliche Virus. Neue Studien sehen aber keine Belege für eine erhöhte Sterblichkeit.

Das Coronavirus hat Deutschland und damit auch Baden-Württemberg* weiterhin fest im eisernen Griff, wie echo24.de* in seinem Corona-Ticker berichtet. Mittlerweile treten aber auch immer mehr neue Coronavirus-Variante auf und breiten sich länderübergreifend aus. So auch die britische Corona-Variante B.1.1.7. Etwa ein halbes Jahr nach ihrer Ausbreitung in Großbritannien, ist die Mutante B.1.1.7 mittlerweile die dominierende Corona-Variante in Deutschland, wie das Robert-Koch-Instituts (RKI) berichtet.

Die britische Coronavirus-Variante B.1.1.7Diese Variante des Coronavirus ist seit November 2020 aus Großbritannien bekannt, wo sie sich rasant verbreitete. Auch in Deutschland hat die britische Variante den bis dahin vorherrschenden Wildtyp und andere Varianten weitgehend verdrängt.
Die südafrikanische Coronavirus-Variante B.1.351Sie ist nach derzeitigem Wissensstand wohl etwas weniger ansteckend als die britische Variante B.1.1.7 – aber immer noch ansteckender als bisherige Varianten.
Die brasilianische Coronavirus-Variante P.1Auch diese Variante steht im Verdacht, ansteckender zu sein als die ursprünglichen Varianten des Coronavirus. Das Robert-Koch-Institut hält eine erhöhte Übertragbarkeit für denkbar.

Lange Zeit galt die britische Variante als besonders gefährlich und somit auch tödlicher als das ursprüngliche Virus. Neuen Studien-Ergebnissen aus Großbritannien zufolge konnten Wissenschaftler diese These mittlerweile aber widerlegen.

Corona-Studien aus Großbritannien: Forscher präsentieren neue Ergebnisse zur Corona-Variante B.1.1.7

Bereits zuvor hatten Untersuchungen ergeben, dass die britische Corona-Variante B.1.1.7 sich leichter von Mensch zu Mensch überträgt als die in Wuhan entdeckte Wildform des Virus. Allerdings war in diesen Studien teilweise auch eine höhere Sterblichkeit bei mit B.1.1.7 Infizierten festgestellt worden.

Dass die britische Corona-Mutante deutlich ansteckender ist, wurde, laut Studien-Ergebnissen, bestätigt. Zu hoher Sterblichkeit der Variante heißt es in einer Mitteilung von „The Lancet Public Health“ nun: „Eine beobachtende Studie von Patienten in Londoner Krankenhäusern legt nun nahe, dass die Variante B.1.1.7 nicht mit schwereren Verläufen und mehr Todesfällen einhergeht.“ Allerdings gilt es bei der Interpretation zu berücksichtigen, dass die Studien nur anhand ihrer Stichproben, Aussagen über die Mutante machen können. Bei den Stichproben handelt es sich um Menschen, die mit Covid-19 im Krankenhaus behandelt wurden, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet.

Bei der Studie untersuchten die Forscher des University College London mit PCR-Tests die Viruslast von Infizierten. Außerdem werteten sie, die in diesem Zeitraum aufgetretenen schweren Verläufe und Todesfälle aus. Bei Infizierten mit der sogenannten britischen Variante stellten sie eine höhere Viruslast fest. Diese gibt die Menge eines im Blut, Blutplasma, Sputum oder Rachenabstrich gefundenen Virus an. Der Anteil der Patienten, die an Covid-19 starben, war jedoch bei der Variante nicht erhöht.

Zweite Corona-Studie aus Großbritannien: Britische Variante B.1.1.7 deutlich ansteckender

Die andere, in „The Lancet Public Health“ veröffentlichte Studie, wertete Symptome von Covid-19-Patienten aus, die diese über eine App des Gesundheitssystems meldeten. Auch diese Studie soll keine auffälligen Unterschiede zur ursprünglichen Wild-Variante, wie zum Beispiel bei der Schwere der Symptome sowie bei nachweisbaren Langzeitwirkungen einer Infektion, feststellen. „Die B.1.1.7-Variante konnte weder mit Veränderungen der berichteten Covid-19-Symptome noch mit deren Dauer assoziiert werden“, heißt es bei „The Lancet Public Health“.

Die Forscher wiesen jedoch für die britische Variante eine deutliche Erhöhung des R-Wertes (Reproduktionszahl) nach, der die Entwicklung der Pandemie beschreibt. Das spricht für eine erhöhte Übertragbarkeit der Variante. Ein Grund für die schnellere Ausbreitung der britischen Virus-Variante sollen Mutationen sein, die das sogenannte Spike-Protein betreffen und dafür sorgen, dass das Virus besser an Zielzellen andocken kann. Doch wie verlässlich sind diese neuen Studien eigentlich?

Corona-Studien aus Großbritannien: Wie verlässlich sind die Ergebnisse?

Wie die dpa weiter berichtet, wurden beide Studien im vergangenen Winter in London und Südengland durchgeführt. Zu dieser Zeit breitete sich die Variante B.1.1.7 dort rapide aus. Aufgrund dessen hatten die Forscher eine gute Vergleichbarkeit zwischen der Mutante und der Wildform des Virus.

Die Ergebnisse der Studien hören sich beruhigend an: Das Risiko zu sterben ist wohl doch nicht so hoch, wie anfangs gedacht, aber eine Frage scheint außerdem wichtig zu sein. Wirkt der Corona-Impfstoff gegen die britische Variante B.1.1.7?

Wirkt der Corona-Impfstoff gegen die britische Variante B.1.1.7?

Hinweise auf eine „verringerte Wirksamkeit der Impfstoffe“ durch B.1.1.7 gibt es laut RKI derzeit nicht, wie ZDF weiter berichtet. Anlass zur Sorge gibt aber die Sonderform der Variante, genannt B.1.1.7 E484K. Diese weist eine zusätzliche Mutation auf, die „das Virus unempfindlicher gegen bereits gebildete neutralisierende Antikörper macht“, so das RKI. Im Klartext heißt das: „Deswegen wird vermutet, dass die derzeit erhältlichen Impfstoffe gegen diese Variante eine geringere Wirksamkeit aufweisen könnten“.

Diese Mitteilung des Robert-Koch-Instituts klingt weniger beruhigend, da die negativ Schlagzeilen sich rund um den Corona-Impfstoff häufen. Viele Menschen sind mittlerweile misstrauisch, denn immer wieder berichten die Medien, so auch echo24.de, über schwere Nebenwirkungen des Vakzins von AstraZeneca. Jetzt haben Forscher aber eine Vermutung, woher die Hirnvenenthrombosen kommen könnten*. *echo24.de ist Angebot von IPPEN.MEDIA.

 

Rubriklistenbild: © National Institute of Infectious Diseases/Zuma Wire/Imago Images

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