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Symptome, Impfschutz, Südafrikas Impfquote: Was wir über die neue Corona-Variante wissen - und was nicht

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Von: Martina Lippl

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Das Coronavirus unter dem Elektronenmikroskop.
Das Coronavirus unter dem Elektronenmikroskop. © NIAID-RML/AP/dpa

Eine neue Corona-Variante (B.1.1.529) breitet sich in Südafrika aus. Führende Experten schlagen Alarm. Doch was wissen wir bisher über die Mutation?

Johannesburg - In Südafrika ist laut Wissenschaftlern eine neue Corona-Variante namens B.1.1.529 am 24. November 2021 entdeckt worden. B.1.1.529 wurde bislang auch in Botswana und Hongkong bei Reisenden aus Südafrika festgestellt. Noch sind die Fallzahlen gering, doch die Virologen in Südafrika sind besorgt. Die Corona-Variante „weist eine sehr hohe Anzahl von Mutationen auf“, sagte der Virologe Tulio de Oliveira auf einer Pressekonferenz am Donnerstag, wie die Nachrichtenagentur afp berichtet. Sie gebe in dem Land „Anlass zur Sorge“. Corona-Forscher befürchten, dass die neue Corona-Variante eine weitere Krankheitswelle auslösen könnte. Die Wirksamkeit der Vakzine gegen diese Virusvariante sei noch unklar.

Corona-Variante Omikron (B.1.1.529) in Südafrika entdeckt

Südafrikas Gesundheitsminister Joe Phaahla bezeichnete die Variante als „ernsthaft besorgniserregend“ und als Ursache für einen „exponentiellen“ Anstieg der gemeldeten Fälle in Südafrika.

Nur zehn Fälle in drei Ländern sind bislang durch Genomsequenzierung bestätigt worden, berichtet der britische The Guardian am Mittwoch. In Botswana, wo die neue Corona-Variante zuerst entdeckt worden sei, wurden inzwischen drei Fälle sequenziert. Sechs weitere Fälle seien in Südafrika bestätigt worden und einer in Hongkong bei einer Reisenden aus Südafrika.

Wie das südafrikanische nationale Institut für übertragbare Krankheiten NICD am Donnerstag mitteilte, wurden in Südafrika bisher 22 Infektionsfälle mit der neuen Corona-Variante B.1.1.529 nachgewiesen. In der Provinz Gauteng mit der Wirtschaftsmetropole Johannesburg sei derzeit ein rascher Anstieg bei der Zahl der Neuinfektionen insgesamt sowie der Positivrate zu beobachten, erklärte das NICD weiter. B.1.1.529 ist inzwischen in Europa angekommen. Belgien meldet einen ersten Fall mit der neuen Corona-Variante - Stand Freitag, den 26. November 2021.

Impfschutz gegen Corona-Variante B.1.1.529 aus Südafrika - was Experten bisher sagen

Die Variante B.1.1.529 weist 32 Mutationen im Spike-Protein auf. Mutationen im Spike-Protein können die Fähigkeit des Virus - Zellen zu infizieren und sich auszubreiten - verändern. Aber auch Immunzellen den Angriff auf den Erreger erschweren. Experten befürchten, dass die derzeit verfügbaren Impfstoffe weniger effektiv gegen die Coronavirus-Variante schützt.

Beim britischen Virologen Dr. Tom Peacock vom Imperial Collage London schrillen bei der ungewöhnlichen Anzahl der Spike-Mutationen die Alarmglocken. „Wegen dieses schrecklichen Spike-Profils sollte es sehr, sehr gut überwacht werden“, twittert Peacock in einer Reihe von Tweets. Es könne sich aber auch um einen sehr kleinen Varianten-Cluster in Südafrika handeln, der nicht sehr ansteckend ist, führt er weiter aus.

Es gab schon Corona-Varianten, die auf dem Papier beängstigend aussahen - und dann aber zu nichts führten. So zum Beispiel am Anfang des Jahres die Beta-Variante - sie konnte dem Immunsystem entkommen. Doch am Ende war es die Delta-Variante, das die Welt eroberte. Doch die Hinweise verdichten sich, dass die neue Variante sich schneller verbreitet.

Prof. Ravi Gupta von der University of Cambridge sagte im BBC: „Beta war alles Immunabwehr und nichts anderes. Delta hatte Infektiosität und eine bescheidene Immunabwehr, dies hat möglicherweise beides in hohem Maße.“

SPD Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte in der Nacht auf Freitag vor der Corona-Variante. Lauterbach teilte eine Grafik von Data-Journalist John Burn-Murdoch. Sie zeigt einen Vergleich der Varianten Delta und Beta mit der neuen B.1.1.529. Es handelt sich dabei nur um „sehr“ vorläufige Daten, betont Burn-Murdoch. Sollten sich diese bestätigen, wären diese extrem alarmierend.

Wie gefährlich ist die neue Corona-Variante Omikron (B.1.1.529)?

Ob die neue Corona-Variante gefährlich ist - als „besorgniserregende Variante“ (Variants of Concern) eingestuft werden muss, prüft die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Am Freitag (26. November) hat die WHO die neue Corona-Variante B.1.1.529 als - VOC - besorgniserregende Variante eingestuft und den griechischen Buchstaben „Omikron“ als Namen gewählt. Die erste nachweisliche Infektion mit der neuen Coronavirus-Variante B.1.1.529 sei am 9. November 2021 in einer Probe nachgewiesen worden.

Ob B.1.1.529 tatsächlich ansteckender oder aggressiver ist als bisherige Varianten, wird sich laut WHO erst in einigen Wochen herausstellen. „Es wird ein paar Wochen dauern, bis wir verstehen, welchen Einfluss diese Variante hat“, sagte WHO-Expertin Maria van Kerkhove am Donnerstag in einem Briefing.

Besorgniserregende Varianten - Variants of Concern (VOC)

Laut der Definition der WHO sind „besorgniserregende Varianten“ leichter übertragbar oder führen zu schwereren Verläufen der Atemwegserkrankung Covid-19. Außerdem können sie die Wirksamkeit von Impfstoffen, Medikamenten, Virustests oder Corona-Maßnahmen herabsetzen.

Eine der „Variants of Concern“ ist etwa die derzeit in Deutschland vorherrschende Delta-Variante des Coronavirus.

Südafrikas Impfquote und die aktuelle Corona-Lage im Land

Die Zahl der täglich gemeldeten Infektionen stieg in Südafrika am Mittwoch auf mehr als 1200. Anfang des Monats waren es noch rund 100 Neuansteckungen. Südafrika ist mit rund 2,95 Millionen Corona-Fällen und mehr als 89.600 Toten das am schwersten betroffene Land in Afrika. In Südafrika war vergangenes Jahr bereits die Beta-Variante des Corona-Virus entdeckt worden.

Die Impfkampagne in Südafrika ist schleppend angelaufen. 41 Prozent der Menschen haben eine Erstimpfung erhalten, 35 Prozent sind vollständig geimpft. In Afrika sind allerdings erst 6,6 Prozent der Bevölkerung vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Die niedrige Impfquote begründete John Nkengasong von der Gesundheitsorganisation der Afrikanischen Union (Africa CDC) am Donnerstag unter anderem mit logistischen Problemen und rief dazu auf, in den einzelnen Staaten wieder verstärkt zu testen.

Besorgniserregende Corona-Varianten - „Variants of concern“ (VOC) laut WHO (Stand 26. November2021)

Variants of Concern - VOCNameVOC-Sublinien
AlphaB.1.1.7Mutation E484K oder E484Q
BetaB.1.351B.1.351.1, B.1.351.2 und B.1.351.3
GammaP.1P.1.1 und P.1.2
DeltaB.1.617.2AY.1, AY.2 und AY.3.
Omikron (26. November 2021)B.1.1.529k.A.

Immer wieder tauchen neue Corona-Mutationen auf. Im Sommer war es die Delta-Variante AY.3, die in Großbritannien für Unruhe sorgte. Die Delta-Variante Mu (alternativ auch My) aus Kolumbien stufte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Anfang September als „Variante von Interesse“ (englisch: Variants of Interest) ein. Karl Lauterbach warnte via Twitter vor der Virusvariante Mu. Sie sei auch für Geimpfte und Genesene gefährlich.

Symptome der neuen Corona-Mutation

In Deutschland dominiert momentan die Delta-Variante. Die Form hat die Alpha-Variante völlig verdrängt. Der ursprüngliche Wildtyp des Sars-CoV-2-Virus ist fast völlig von der Bildfläche verschwunden. Die Symptome bei einer Corona-Mutation unterscheiden sich kaum. Einige Mutationen wie die Delta-Variante haben sich als ansteckender erwiesen. Der Krankheitsverlauf einer Infektion und auch die Symptome sind laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) allerdings sehr variabel. Es gibt Verläufe ohne Symptome bis hin zu schweren Lungenentzündungen mit Lungenversagen. Die häufigsten Symptome von Covid-19 sind laut RKI:

Weitere Symptome einer Corona-Infektion sind laut RKI: Halsschmerzen, Atemnot, Kopf- und Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Bindehautentzündung (Konjunktivitis), Hautausschlag, Lymphknotenschwellung, Apathie, eine krankhafte Schläfrigkeit (Somnolenz).

Wichtig: Wenn Sie das Gefühl haben schwerer Luft zu bekommen als sonst, sollten Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt verständigen.

„Symptome sind anders“: Südafrika-Ärztin beobachtete ungewöhnliche Nebenwirkung der Omikron-Variante

Dr. Angelique Coetzee, Vorsitzende des südafrikanischen Ärzteverbands, hat wohl als erste Ärztin die Behörden in Südafrika über die neue Coronavirus-Variante Omikron informiert. Die Hausärztin hatte zuvor ungewöhnliche Covid-19-Symptome bei ihren Corona-Patienten beobachtet.

Corona „Variante von Interesse“ - „Variants of Interest“ (VOI)

Variants of Interest VOIsLinieErste Dokumentation
LambdaC.37Peru, Dezember 2020
MuB.1.621Kolumbien, Januar 2021

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