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Vier Szenarien: So könnte es nach Omikron mit Corona weitergehen

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Von: Yasina Hipp

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Alltag in einer Kleinstadt-
Steht uns ein ganz normaler Sommer bevor? Und wie geht es danach mit der Corona-Pandemie weiter? © imago/Nicolas Economou

Experten aus Großbritannien stellen Szenarien auf, wie sich das Pandemiegeschehen in den nächsten Monaten entwickeln könnte. Die Ergebnisse sind auch auf Deutschland übertragbar.

London - Nach und nach scheint es, als würde die Corona-Pandemie ihren Schrecken verlieren. Die Omikron-Welle scheint in Deutschland gebrochen zu sein. Und die Bundesregierung verkündete eine schrittweise Lockerung der Schutzmaßnahmen, bis hin zum sogenannten „Freedom Day“ am 20. März. Dann sollen nahezu alle momentan noch gültigen Regeln fallen. Diese Entwicklungen drängen die Frage auf, ob ab dem 20. März dann alles vorbei ist. Ist die Pandemie dann beendet? Wie geht es im Sommer weiter? Ein Expertengremium aus Großbritannien (Scientific Advisory Group for Emergencies, SAGE) entwickelte als Antwort auf diese Frage vier Szenarien für ihr Land. Aber: Die Ergebnisse können auch für Deutschland interessant sein.

Ende der Corona-Pandemie: Vier Parameter zur Einschätzung neuer Varianten

Dass Corona vollständig aus unseren Leben verschwinden wird, wird nicht passieren. Darin sind sich die Wissenschaftler einig. Sie erwarten weitere Corona-Wellen in den nächsten Monaten und Jahren. Allerdings in geringeren Ausmaßen. Zur Aufstellung der vier möglichen Szenarien, zur Entwicklung in den nächsten zwölf bis 18 Monaten, bedienen sich die Experten vier Parameter zur Bewertung neuer Varianten:

Diese Parameter werden in drei Farbkategorien zur Bewertung eingeteilt: „niedriger, also besser“ (grün), „gleichbleibend“ (orange), „höher, also schlechter“ (rot). Aus der Zusammensetzung der Farben ergeben sich dann die vier möglichen Szenarien.

Vier Szenarien: Best-Case, optimistisch, pessimistisch, Worst-Case

In der Variante 1 „Best-Case-Szenario“ gibt es weitere Corona-Varianten, deren Übertragbarkeit wird sich aber nicht erhöhen und auch Ansteckungen führen nicht mehr zu schweren Verläufen. Der Impfschutz bleibt weiterhin erhalten und Auffrischungsimpfungen könnten nur für vulnerable Gruppen notwendig sein. Die Prognose lautet, dass im Herbst und Winter auch nur kleine Wellen zu erwarten sind, die keine schweren Erkrankungen mit sich bringen.

Szenario zwei ist das „optimistische Szenario“. Es kennzeichnet sich durch Infektionswellen und Zyklen mit guten und schlechten Jahren. In schlechten Jahren könnte die Übertragbarkeit und der intrinsische Schweregrad ähnlich hoch wie bei Delta sein. Aber: „Eine zunehmende globale Immunität führt zu einem allgemein geringeren realisierten Schweregrad“, so schreiben die Experten. Schwere Verläufe gibt es dann immer noch, allerdings würden diese nur vorerkrankte, ältere Menschen und Personen ohne Immunschutz treffen. Auffrischungsimpfungen könnten je nach gutem oder schlechtem Jahr für alle oder nur für vulnerable Gruppen notwendig sein.

Die Prognose der Experten für Herbst und Winter lautet, dass saisonale Infektionswellen, die der aktuellen Omikron-Welle ähneln, drohen.

Vier Szenarien: Zwei optimistischere und zwei pessimistischere Varianten

Etwas schlechter sind die Aussichten beim dritten Szenario, dem „pessimistischen Szenario“. Eine hohe globale Inzidenz und eine zunehmende Immunität der Bevölkerung macht das Auftreten von neuen Varianten unvorhersehbar. Diese können dann vom Schweregrad ähnlich schlimm sein wie Delta. Dennoch bieten Impfungen weiterhin einen guten Schutz gegen schwere Verläufe. Jährlich aktualisierte Impfstoffe könnten dann allen Bevölkerungsgruppen verabreicht werden müssen, um eine Überlastung des Gesundheitssystems zu vermeiden.

Die Prognose der Experten für Herbst und Winter im „pessimistischen Szenario“: Eine besorgniserregende Variante führt zu einer großen Infektionswelle. Schwere Erkrankungen und Todesfälle bleiben jedoch auf vulnerable Gruppen konzentriert.

Wie die Bezeichnung schon verrät, ist Szenario Nummer vier der „Worst-Case“. Durch eine hohe globale Inzidenz und unvollständige Impfungen treten wiederholt neue Varianten auf. Unvorhersehbare Veränderungen in den Mutationen können die Rate, das Altersprofil, schwere Verläufe und Todesfälle verändern. Deswegen wären dann jährliche Impfungen für alle notwendig.

Die Prognose für den Herbst und Winter sieht in diesem Szenario ebenfalls düster aus. Die Experten sehen eine große Infektionswelle mit Ansteckungen und schweren Verläufen in breiten Teilen der Bevölkerung. Besonders schlimm könnte es dann vulnerable Gruppen und Personen ohne Impfung treffen.

Vier Szenarien: So schätzen die Experten die Wahrscheinlichkeit ein

Auf welches dieser Szenarien wir uns jetzt einstellen müssen, lassen die Experten offen. Auch Informationen zu langfristigen Entwicklungen fehlen. Über die Jahre hinweg solle sich jedoch ein „relativ stabiles, sich wiederholendes Muster“ einstellen. Zudem sind diese vier Szenarien, den britischen Experten zufolge, nicht die einzig möglichen. Auch eine zeitliche Verschiebung von einem in ein anderes Szenario könnte möglich sein.

Da Großbritannien in der Entwicklung des Pandemiegeschehens Deutschland immer einige Wochen voraus war, könnten diese vier Szenarien auch für hier interessant sein.

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