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Nach Vorwürfen auch durch Söder: Drosten kontert mit RKI-Papier - „Müsste jeder Entscheider kennen“

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Von: Patrick Mayer

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Corona-Experte und Virologe: Christian Drosten.
Corona-Experte und Virologe: Christian Drosten. © Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Bayerns Markus Söder kritisiert Wissenschaftler und Virologen, dass diese angeblich die vierte Corona-Welle nicht kommen sahen. Jetzt reagiert Christian Drosten bei Twitter - und das sehr deutlich.

München/Berlin - Es ist die immer gleiche Geschichte, die der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) erzählt, wenn es um die Einschätzung der vierten Welle in der Coronavirus-Pandemie geht: Die Wissenschaftler haben angeblich diese Winter-Welle nicht kommen sehen.

Vierte Corona-Welle in Deutschland: Markus Söder (CSU) kritisierte Virologen

„Es ist sehr beeindruckend, dass nahezu alle Virologen, Epidemiologen und Wissenschaftler die Wirkung dieser neuen Welle in ihrer Wucht und Geschwindigkeit nicht richtig eingeschätzt haben“, meinte der Regierungschef aus München Mitte November in der BR-Sendung „Kontrovers – Das Politikmagazin“. Diesen Einschätzung wiederholte der 54-Jährige am 23. November bei einer Regierungserklärung im Landtag: „Die Dynamik und Geschwindigkeit, die haben viele nicht gesehen, ich auch nicht“, sagte der Franke vor Abgeordneten im bayerischen Landesparlament. Bei TV-Interviews bekräftigte Söder seine These. Die nicht stimmt?

Viele haben die Dynamik und Geschwindigkeit nicht gesehen, ich auch nicht.

Markus Söder (CSU) über die vierte Welle

Am Mittwoch (1. Dezember) reagierte der bekannte Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité auf die Vorwürfe. Er nannte zwar Söder nicht namentlich, dieser gilt dennoch als prominentester Vertreter der These, dass die Wissenschaft angeblich nicht früh und ausdrücklich genug vor hohen Corona-Infektionszahlen im Winter gewarnt habe.

„Ich lese derzeit öfter, die Wissenschaft habe nicht rechtzeitig die Themen Winterwelle, Impfquote und Booster-Impfung adressiert“, schrieb Drosten bei Twitter und teilte den Link zu einem Experten-Papier des Robert-Koch-Instituts (RKI): „Hier eine Stellungnahme des RKI - ein Bundesinstitut. Veröffentlicht 7. Juli 2021. Müsste eigentlich jeder Entscheider kennen.“ Klare Worte von Christian Drosten in Richtung Kritiker.

Vierte Corona-Welle: Christian Drosten reagiert auf Kritik von Markus Söder (CSU)

Was im Papier steht, das am 7. Juli veröffentlicht wurde? In einem Fazit heißt es: „Auf Basis der hier präsentierten mathematischen Modellierungen und der Resultate aus den Surveys zur Impf-Akzeptanz halten wir eine Ziel-Impfquote (Impfschutz durch vollständige Impfung) von 85 % für die 12– 59-Jährigen sowie von 90 % für Personen ab dem Alter von 60 Jahren für notwendig.“

Vierte Corona-Welle in Deutschland: Virologe Christian Drosten verweist auf RKI-Papier

Und weiter wird durch das RKI erklärt: „Bei rechtzeitigem Erreichen dieser Impfquote scheint eine ausgeprägte 4. Welle im kommenden Herbst/Winter unwahrscheinlich, sofern sich die Bevölkerung zusätzlich zur Impfung weiter an die Basis-Hygienemaßnahmen hält und bei möglicherweise wieder ansteigenden Infektionszahlen Kontakte zu einem gewissen Grad reduziert.“ Steigende Infektionszahlen wurden demnach von der Bundesbehörde keinesfalls ausgeschlossen.

Stattdessen zeichnete das RKI klare Grenzen für Impfquoten in der Bevölkerung vor, ab denen die Wahrscheinlichkeit einer vierten Welle geringer gewesen wäre. Das Problem: Diese Impfquoten wurden teils deutlich verfehlt. So waren laut Impfdashboard von RKI und Bundesgesundheitsministerium, Stand 1. Dezember, gerade mal 68,7 Prozent der Gesamtbevölkerung vollständig geimpft. Eine Quote von 85 bis 90 Prozent wurde in manchen Altersgruppen deutlich verpasst, was sich bereits im Sommer abgezeichnet hatte.

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Das RKI hatte bereits in seinem Papier von Anfang Juli gewarnt: „Mit einer zunehmenden Dominanz der Delta-Variante ist in den kommenden Wochen zu rechnen. Diese wird sich auf die ITS-Belegung (Intensivstationen, d. Red.) vor allem dann auswirken, wenn die Impfquoten bei den 12– 59-Jährigen bei 75 % oder gar 65 % stagnieren und gleichzeitig eine komplette Öffnung stattfindet. Je niedriger im Herbst die erreichten Impfquoten sind, desto weniger sind bei Dominanz der Delta-Variante die Basis-Hygienemaßnahmen ausreichend und weitere kontaktreduzierende Maßnahmen wären notwendig.“

Vierte Corona-Welle in Deutschland: Politik um Ampel-Koalition muss Regeln nachschärfen

Alles das, was das RKI prophezeite, trat nun ein, weswegen die deutsche Politik um die künftige Ampel-Bundesregierung in weiteren Corona-Gipfeln die Regeln Anfang Dezember nachschärfen muss. Andere Länder wie Italien kommen durch viel mehr Erst- und Zweitimpfungen gegen Corona dagegen wesentlich besser in den Pandemie-Winter. Und wahrscheinlich auch durch diesen hindurch. (pm)

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