Experte in der Corona-Pandemie: Christian Drosten von der Berliner Charite.
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Experte in der Corona-Pandemie: Christian Drosten von der Berliner Charite.

Bericht über brisante Mail

Zwist unter deutschen Corona-Virologen? Drosten soll Streeck heftig kritisiert und ausgeschlossen haben

  • Patrick Mayer
    VonPatrick Mayer
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Die Virologen Christian Drosten und Hendrik Streeck sollen in der Coronavirus-Pandemie in Deutschland nicht das beste Verhältnis haben. Jetzt sickern angeblich brisante Infos zum Experten-Streit durch.

München/Berlin - Es gilt als angespannt: das Verhältnis zwischen den Virologen Christian Drosten von der Berliner Charité und Hendrik Streeck vom Uniklinikum Bonn in der Coronavirus-Pandemie.

Virologen-Zwist in Coronavirus-Pandemie: Christian Drosten und Hendrik Streeck sind andere Meinung

Ein Rückblick: Im Frühsommer 2020 hatte Corona-Experte Drosten den ersten Lockdown in Deutschland immer wieder verteidigt. Insbesondere gegen Virologen-Kollege Streeck, der im Nachhinein den Lockdown infrage gestellt hatte. „Die weiteren Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen hätte ich dann vom tatsächlichen Verlauf abhängig gemacht, auch um zu sehen, wie die einzelnen Beschränkungen wirken und ob zusätzliche Schritte wirklich nötig sind“, hatte Streeck Anfang Juni 2020 der Osnabrücker Zeitung gesagt. Deutschland sei „zu schnell in den Lockdown gegangen“, kritisierte der 44-jährige Wissenschaftler damals.

Drosten hielt diesem Ansatz unter anderem eine Studie des Imperial College London entgegen, wonach ohne scharfe Kontaktbeschränkungen viel höhere Todesfälle durch Covid-19 zu erwarten gewesen wären. Stand 12. Juni 2020 belief sich die Infektionsrate in Deutschland laut der Studie auf 0,8 Prozent der Bevölkerung. Zum Vergleich: In Frankreich hatten sich laut der Studie aus Großbritannien zeitgleich 3,4 Prozent der Bevölkerung, in Italien 4,6 Prozent der Bevölkerung, in England 5,1 Prozent der Menschen und in Spanien 5,5 der Einwohner*innen mit dem Coronavirus infiziert.

Im Video: Virologe Hendrik Streeck kritisiert bei Markus Lanz 2G-Regel

Drosten führte diesen Unterschied zu Deutschland auf die früheren Lockdown-Maßnahmen in der Bundesrepublik zurück. Nicht nur, dass die beiden Wissenschaftler bei diesem Thema nicht einer Meinung waren. In seinem NDR-Podcast kritisierte der 49-jährige Mediziner aus Berlin schon im April 2020, also zu einem frühen Zeitpunkt der Coronavirus-Pandemie, die Kommunikationsstrategie bei der sogenannten Heinsberg-Studie - für die Streeck federführend verantwortlich war.

Damit nicht genug: Später, im Herbst, schilderte Streeck im Gespräch mit dem Spiegel, dass die beiden seit Monaten nicht mehr miteinander reden würden. Der Zwist zwischen den mittlerweile prominenten Virologen soll aber noch größer sein. So berichtet nun die BILD von einer angeblich brisanten Mail vom 26. September 2020. In dieser soll Drosten erklärt haben, er habe „im Sinne des Konsortiums zu bedenken gegeben, dass seine (Streecks, d. Red.) Äußerungen sich mit dem Gedankenspektrum von ‚Querdenkern‘ überschneiden. Das ist in der Öffentlichkeit bekannt. Deshalb hätte seine Teilnahme Auswirkungen auf das Ansehen des Projekts“.

Virologen-Zwist in Coronavirus-Pandemie: Christian Drosten und Hendrik Streeck sollen Streit haben

Zur Einordnung: Besagtes Konsortium führte für die Institute Forsa und ifo Umfragen durch, die die Folgen der Pandemie für das Leben der Deutschen skizzieren sollten. Es handelte sich dabei um die sogenannte Corona-BUND-Studie. Auftraggeber: das Bundesgesundheitsministerium von Ressortleiter Jens Spahn (CDU). Drosten soll sich laut dem Bericht vehement dagegen ausgesprochen haben, Streeck in das Konsortium aufzunehmen. Stand 8. September gab es keine Stellungnahmen beider Seiten zu dem Bericht. Polarisierend dürfte es im Virologen-Zwist in jedem Fall bleiben. (pm)

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