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Booster- und Genesenen-Status: Münchner Studie liefert nun eindeutige Daten - „muss anerkannt werden“

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Von: Felix Durach

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Eine werksärztliche Assistentin zieht in einem betrieblichen Impfzentrum eine Dosis des Impfstoffes von Biontech/Pfizer auf.
Könnte eine Durchbruchsinfektion in Zukunft mit einer Booster-Impfung gleichgestellt werden? Das fordert zumindest die Virologin Ulrike Protzer. © Marijan Murat/dpa

Die Virologin Ulrike Protzer fordert auf Basis einer neuen Studie die Gleichstellung von Booster-Impfung und Durchbruchsinfektion.

München - Die Omikron-Variante des Coronavirus hat in Deutschland längst Delta als dominierende Virusvariante abgelöst und breitet sich weiterhin in der Bundesrepublik aus. 162.613 Neuinfektionen meldete das Robert Koch-Institut am Dienstagmorgen allein in den vergangenen 24 Stunden. Die extrem hohen Neuinfektionszahlen, die in den letzten Wochen täglich gemeldet werden, hängen vor allem mit zwei Aspekten zusammen. Zum einen ist Omikron deutlich ansteckender als Delta und zum anderen schützt eine Impfung gegen das Coronavirus zwar vor einem schweren Verlauf nach einer Infektion mit Omikron, jedoch kaum vor der Infektion an sich.

Zeitgleich mit der Ausbreitung der Omikron-Variante schreitet auch die Booster-Kampagne in Deutschland weiter voran. Mittlerweile haben 53 Prozent der Gesamtbevölkerung eine Auffrischungsimpfung nach einem vollständigen Impfschutz erhalten. In Deutschland werden geboosterte Personen in der Regel von der 2G+-Regelung befreit und müssen keinen tagesaktuellen Schnelltest vorweisen, wenn sie Restaurants oder Schwimmbäder besuchen wollen.

Coronavirus: Durchbruchsinfektion trotz doppelter Impfung - wie gut ist der Schutz?

Doch was ist eigentlich mit denjenigen, die sich trotz vollständigem Impfschutz mit der Omikron-Variante infiziert haben, bevor sie eine Booster-Impfung erhalten konnten? Nach einer sogenannten Durchbruchsinfektion muss man in Deutschland trotzdem noch eine dritte Impfung erhalten, um als geboostert zu gelten. Eine Regel, die nach Einschätzung der Virologin Ulrike Protzer geändert werden sollte.

Die 59-Jährige ist Professorin für Virologie an der Technischen Universität München und eine der Hauptautorinnen einer neuen Studie, die Ende Januar in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Nature erschienen ist. In der gemeinsamen Arbeit von Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität München, der TU München und dem Helmholtz-Zentrum München wurden die Immunantworten auf das Coronavirus nach zweifacher Impfung, dreifacher Impfung und Durchbruchsinfektionen verglichen.

Die Virologin Ukrike Protzer spricht auf einer Pressekonferenz in München.
Die Virologin Ulrike Protzer fordert in Zukunft eine Gleichstellung von Booster-Impfung und Durchbruchsinfektion. © Sven Hoppe/dpa

Studie: Immunantwort nach Durchbruchsinfektion vergleichbar mit Booster-Impfung

Das Ergebnis: Die Wissenschaftler haben in ihren Untersuchungen eine „qualitativ hochwertige Immunantwort“ des Immunsystems auf alle Varianten des Coronavirus inklusive Omikron bei den Probanden feststellen können, welche insgesamt dreimal dem Spike-Protein von Sars-CoV-2 ausgesetzt waren. Die Daten der Veröffentlichung unterstreichen also die Notwendigkeit einer Booster-Impfung, um einen hochwertigen Schutz vor Omikron zu erhalten.

Die Ergebnisse legen jedoch auch nahe, dass die dreifache Exposition mit dem Spike-Protein nicht zwangsläufig über drei Impfungen erfolgen muss, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Auch bei doppelt geimpften Personen, die von einer Durchbruchsinfektion betroffen waren, konnte eine vergleichbar hochwertige Immunantwort festgestellt werden.

Virologin Protzer über hochwertige Immunantwort - „Durchbruchsinfektion muss da auch anerkannt werden“

„Unsere neueste Arbeit, gerade erschienen in Nature zeigt, dass unser Immunsystem dreimal das Spike-Protein gesehen haben muss, um eine qualitativ hochwertige Immunantwort aufzubauen. Wichtig: eine Durchbruchsinfektion muss da auch anerkannt werden“, fasst Ulrike Protzer die Ergebnisse der Studie über Twitter zusammen.

Die von Protzer und ihren Kollegen erhobenen Daten legen also nahe, dass eine Durchbruchsinfektion als Ersatz für eine Booster-Impfung dienen könnte, weswegen die Virologin eine Gleichstellung der beiden Gruppen in Zukunft fordert.

In der politischen Praxis könnte sich eine solche Entscheidung jedoch als schwierig erweisen. Denn Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) verteidigte unter anderem in der vergangenen Woche vehement die Entscheidung, die Gültigkeit des Genesenen-Status in Deutschland von sechs auf drei Monate zu verkürzen. Die Gleichstellung einer Durchbruchsinfektion mit einer Booster-Impfung müsste somit wohl ein Umdenken im Gesundheitsministerium voraussetzen. (fd)

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