Impfen alleine hilft nicht

Corona-Mutante B.1.1.7: Impf-Hoffnung hinfällig? Besorgniserregende Studie zu Herdenimmunität

  • Kai Hartwig
    vonKai Hartwig
    schließen

Die Corona-Impfung ist das zentrale Mittel gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Doch es braucht offenbar weitere Anstrengungen, wie eine Studie beweist.

London – Die dritte Corona-Welle hat Europa erreicht. Das Coronavirus nimmt aktuell wieder Fahrt auf, die Zahl der Neuinfektionen steigt rapide an.

Corona: Britische Mutation wie ein Brandbeschleuniger

Dabei wirkt die britische Corona-Mutation B.1.1.7 wie ein Brandbeschleuniger. Sie sorgt für eine deutlich schnellere Verbreitung des Virus, davon sind offenbar ganz besonders jüngere Menschen betroffen. In dieser Bevölkerungsgruppe ist hierzulande fast jeder noch ungeimpft.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte trotz schleppender Impf-Kampagne in Deutschland die Devise im Kampf gegen das Coronavirus ausgegeben. „Impfen, impfen, impfen“ müsse man, das sollen zeitnah auch die Hausärzte in ihren Praxen. Doch hilft das Impfen allein?

Eine neue britische Studie ist da skeptisch. Nach Ansicht der Forscher kann eine angestrebte Herdenimmunität in Großbritannien keinen positiven Einfluss auf die Corona-Zahlen nehmen. Jedenfalls nicht ohne weiter Maßnahmen.

Corona-Mutante B.1.1.7: Herdenimmunität durch Impfen hilft nicht ohne AHAL-Regeln

„Selbst wenn alle Personen über 50 Jahren geimpft sind, sind immer noch starke Maßnahmen erforderlich, um Infektionsschübe zu vermeiden“, heißt es in der Studie. Die AHAL-Regeln müssten zusätzlich bleiben. Würde man bei einer Herdenimmunität auf Abstandhalten, Hygieneregeln, Maske und regelmäßiges Lüften verzichten, hätte dies fatale Folgen, glauben die britischen Forscher.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rechnet schon bei 60 bis 70 Prozent Geimpften mit einer erreichten Herdenimmunität. Die Studie aus Großbritannien ging verschiedene Szenarien durch, bei denen eine Herdenimmunität besteht, aber alle Corona-Maßnahmen abgeschafft wären. Und die Ergebnisse sind erschreckend.

Die Forscher gehen sogar bei einer Impfquote von 85 Prozent innerhalb der britischen Bevölkerung von zusätzlichen 21.400 Corona-Toten aus. Bei 60 Prozent Geimpften wäre man laut Studie bei knapp 100.000 Tote.

Corona-Mutante: Lauterbach stützt Ergebnisse der britischen Studie

Auf Twitter stützte auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach diese These. „Würden wir nach Impfung aller Impfwilligen alle AHAL-Regeln fallen lassen, sterben viele“, schrieb Lauterbach in Bezug auf die Studie. Doch nicht nur hier liegt ein großes Risiko, auch ein langsames Impftempo und fehlende Impfbereitschaft innerhalb der Bevölkerung könnten schlimme Auswirkungen haben.

Die Wissenschaftler aus Großbritannien befürchten, dass die dritte Welle nicht die letzte gewesen sein könnte. Gelingt es nicht, die Impfdosen schnell genug den Menschen zu verabreichen, steigt die Gefahr weiterer Corona-Wellen. Und die hätten dann vermutlich viel mehr Todesopfer als die vorherigen zu verzeichnen. (kh)

Rubriklistenbild: © Andreas Arnold/dpa

Auch interessant

Kommentare