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Düstere Prognose für Deutschland

Corona in Deutschland: Wie gefährlich Mutationen sind - Arzt spricht Klartext

  • Jason Blaschke
    vonJason Blaschke
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Die Mutationen des Coronavirus beschäftigen ganz Deutschland. Ein Chefarzt aus Sinsheim macht eine ernüchternde Entdeckung und geht damit an die Öffentlichkeit.

Trotz der aktuell sinkenden Zahl an Coronavirus-Infektionen* ist sich RKI-Chef Lothar Wieler sicher: „Die Situation ist noch lange nicht unter Kontrolle“, erklärte der Leiter des Robert-Koch-Instituts kürzlich in einer Pressekonferenz. „Das Virus ist noch nicht müde – im Gegenteil: Es hat gerade einen Boost bekommen.“

Wieler weist mit seiner Aussage auf die neuen Mutationen des Coronavirus hin, die sich auch in Deutschland weiter ausbreiten. Wie echo24.de* berichtet, sind auch in den GRN Kliniken in Sinsheim, Weinheim und Schwetzingen erste Mutationen des Coronavirus* aufgetaucht.

Corona-Mutationen in Deutschland: Chefarzt aus Sinsheim spricht Klartext

Insgesamt fünf Patienten mit einer mutierten Variante des Coronavirus werden aktuell in Sinsheim, Wertheim und Schwetzingen behandelt. Wie es zum plötzlichen Auftauchen der Mutationen kam, welche Behandlung durchgeführt werden und was die Klinik unternimmt, um Patienten und Mitarbeiter weiterhin zu schützen, weis Johannes Berentelg, Chefarzt der Inneren Medizin an der GRN-Klinik Sinsheim. In der Pandemie kämpft der Mediziner jeden Tag um das Leben seiner Patienten.

Wie kommt es eigentlich, dass uns trotz sinkender Fallzahlen und der Corona-Impf-Kampagne* in Deutschland die Mutationen des Coronavirus heimsuchen? Die genau Antwort auf diese Frage kennt auch Berentelg nicht. „Viren haben aber grundsätzlich die Eigenart, sich zu verändern. Sie verändern ihre Gene und damit einhergehend auch oft ihre Oberflächeneigenschaften.“ Dass die neuen Coronaviren das tun, sei schon länger bekannt, erklärt der Experte für innere Medizin aus Sinsheim.

Corona-Mutationen in Deutschland: Wie schlimm sind die neuen Varianten?

Alle Patienten mit einer mutierten Form des Coronavirus würden die südafrikanische/brasilianische Variante aufweisen, erklärt Berentelg im Blick auf seine Station in Sinsheim. Die gute Nachricht: Bislang beobachtet der Mediziner dort keinen schwereren Verlauf der Krankheit, als bei den bisher bekannten Corona-Fällen. Auch die Wissenschaft geht größtenteils davon aus, dass die mutierten Varianten des Coronavirus keinen schwereren Verlauf haben, als die ursprüngliche Variante.

Coronavirus VarianteMutmaßliche Eigenschaft
Britische Variante B.1.1.7.Erhöhte Übertragbarkeit
Südafrika-Variante B.1.351Reduzierte Wirksamkeit der Immunantwort nach Infektion/Impfung
Manaus-Variante B.1.1.28 P.1Hinweis auf mögliche Wiederansteckung

Die Ansteckungsgefahr bei mutierten Formen des Coronavirus sei allerdings etwas höher, betont Berentelg. Bei der südafrikanisch/brasilianischen Variante des Coronavirus gebe es zudem Hinweise darauf, dass die Antikörper, die der Körper nach einer Infektion oder einer Impfung bildet, nicht so gut wirksam sind, wie die Antikörper, die durch das „normale“ Virus oder eine der Impfung hervorgerufen werden. Heißt: Der Körper ist nicht allzu lange immun gegen eine erneute Infektion.

Corona-Mutationen in Deutschland: So werden betroffene Patienten behandelt

Alle Patienten, die wegen einer Coronavirus-Infektion stationär behandelt werden müssen, bekommen in Sinsheim die gleiche Behandlung. Berentelg: „Patienten mit Covid-19-Mutationen werden aber, wenn möglich, von bereits geimpftem Personal oder jenen, die eine Coronavirus-Infektion bereits hinter sich haben, versorgt.“ Der Grund: Diese Personen haben schon Antikörper gegen das Coronavirus gebildet und können sich nicht mehr infizieren. In Sinsheim erfolgt eine räumliche Trennung.

So werden Covid-19-Patienten behandelt

Patienten mit Covid-19 werden zum Teil beatmet. Je nach Schwere des Krankheitsverlaufs kommen auch Medikamente zum Einsatz. Viele Mediziner setzten auf Dexamethason, einen Entzündungshemmer. Auch der gegen das Ebolavirus entwickelte Wirkstoff Remdesivir wird in Deutschland eingesetzt. Der Wirkstoff soll die Virusvermehrung behindern. Mittlerweile rät die WHO aber von Remdesivir ab.

Zusätzlich bekommen Covid-19 Patienten auch sehr oft Medikamente zur Thrombose-Prophylaxe oder ein Antibiotikum, wenn eine bakterielle Co-Infektion vorliegt. Zudem werden schmerz- und fiebersenkende Medikamente wie Paracetamol eingesetzt, sofern erforderlich. (Quelle: mdr.de)

Heißt: In Sinsheim wird versucht, Corona-Patienten und Patienten mit einer mutierten Variante nicht in ein Zimmer zu legen. Berentelg: „Das machen wir aus eigenem Antrieb. Hierfür gibt es aber aus wissenschaftlicher Sicht keine Notwendigkeit.“ Nach bisherigen Erkenntnissen ist sich der Experte zudem sicher, dass sich der Krankheitsverlauf von Covid-Patienten* mit der bisher bekannten Variante nicht von solchen mit neu aufgetretenen Mutationen unterscheidet.

Coronavirus in Deutschland: Experte sicher: „Mutationen schon lange hier“

Dass derzeit vermehrt mutierte Fälle des Coronavirus registriert werden, ist für Berentelg kein Zufall. „Erst kürzlich wurde von der Bundesregierung beschlossen, dass fünf Prozent der jüngsten positiven Corona-Proben auf Mutationen getestet werden sollten. In unserem Großlabor in Heidelberg wurden zudem 3.000 positive Proben noch einmal nachgetestet.“ Dabei seien im Nachhinein weitere Fälle von mutierten Varianten des Coronavirus in Sinsheim nach registriert worden.

Laut Berentelg ist nicht auszuschließen, dass weitere Fälle mit einer Covid-Mutation hinzukommen, beziehungsweise nach gemeldet werden. „Zudem gehen wir davon aus, dass die Mutationen auch schon vorher in Deutschland waren, es wurde bloß bisher nicht umfassend danach gesucht.“ Für die GRN Kliniken in Sinsheim kann der Experte aber sagen, dass die Zahl der betroffenen Patienten und Mitarbeiter mit einer mutierten Form des Coronavirus überschaubar sei.

Wir müssen davon ausgehen, dass die Anzahl der Fälle mit mutierten Varianten des Coronavirus zunehmen wird.

Dr. Johannes Berentelg, Chefarzt GRN-Klinik Sinsheim

Genau wie RKI-Chef Lothar Wieler geht aber auch Berentelg davon aus, dass sich die Mutationen des Coronavirus in Deutschland weiter ausbreiten werden. Mit ein Grund dafür ist, dass die neuen Varianten des Virus ansteckender sein sollen. Viele Experten warnen deshalb vor möglichen Lockerungen der Corona-Regeln* in Deutschland. Am kommenden Mittwoch wollen Bund und Länder darüber erneut beraten. *echo24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Andreas Arnold/dpa

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