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2G ein Corona-Fehlschluss? Virologe Streeck warnt vor „unerklärlichen Ausbrüchen“

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Von: Julia Volkenand

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Hendrik Streeck, Direktor des Instituts für Virologie an der Uniklinik Bonn, steht in einem Labor seines Institutes.
Hendrik Streeck, Direktor des Instituts für Virologie an der Uniklinik Bonn, zweifelt an 2G. © dpa/Rolf Vennenbernd

Explodierende Corona-Zahlen und immer vollere Intensivstationen - Experten machen sich Sorgen um die aktuelle Pandemie-Entwicklung und fordern verstärkt 2G-Regeln. Virologe Prof. Hendrick Streeck dagegen hält diese Maßnahme für fehlgeleitet.

Berlin - Die Infektionszahlen in Deutschland steigen in bisher unbekannte Höhen, die Intensivbetten füllen sich stetig. Immer mehr Experten sprachen sich zuletzt für 2G und 3G-Regeln aus, um die immer weiter steigenden Corona-Zahlen abzudämmen. Hendrick Streeck, der Virologe an der Universität Bonn ist, äußerte jedoch ntv gegenüber Bedenken, vermutete sogar, dass die Maßnahme kontraproduktiv bei der Pandemie-Bekämpfung sein könnte.

Er könne durchaus die Diskussion verstehen, 2G bundesweit einheitlich regeln zu wollen. Aber es gäbe zwei wichtige Punkte zu beachten. Gegen-Corona-Geimpfte könnten, wenn die 2G-Regel großflächig eingesetzt wird, das Gefühl bekommen, nicht mehr Teil der Pandemie zu sein. Es gäbe aber ja eindeutig Infektionen und Übertragungen unter geimpften Personen.

Stolperfalle 2G? Streeck äußert Skepsis gegenüber Corona-Maßnahme

Wenn sich also ein geimpfter Pfleger beispielsweise am Wochenende in einem Club beim Feiern anstecke, könnte er trotzdem die Infektion an Patienten weitergeben.

Auch dürfe man nicht davon ausgehen, dass Ungeimpfte künftig kein Sozialleben mehr haben werden. Diese werden sich demnach nicht zu Hause wegsperren. Kommen diese beiden Faktoren zusammen „kann es unkontrollierte, unerklärliche Ausbrüche im 2G-Bereich“ geben, die dann nicht mehr über Tests erkannt werden, so Streeck.

Virologe: „Bin für 3G-Regeln“

„Darum bin ich für 3G-Regeln“, betonte der Virologe weiter. Mehr Tests seien ein Ansatz, den er vertreten wolle, womöglich auch PCR-Tests für Ungeimpfte. Mehr Druck auf Ungeimpfte sei zudem der falsche Weg. Es brauche viel eher mehr Aufklärung. Durch 2G entstehe dagegen eine starke Spaltung, die nicht sinnvoll sei.

Zu den in England bereits eingesetzten Medikamenten gegen Corona zeigte er sich optimistisch. „Ich hoffe, dass die hier auch bald zugelassen werden“, äußerte er sich.

Christian Drosten hatte im Vorfeld geäußert, dass die Boosterimpfungen immer wichtiger werden. Auch einen Lockdown im Laufe des Winters wollte er nicht ausschließen. Streeck wollte dem nicht vollumfänglich zustimmen. Viel eher sei er für straffe Teststrategien. Nur so komme man seiner Meinung nach durch den Winter. (jv)

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